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Isabella von Aegypten

A >> Achim von Arnim >> Isabella von Aegypten

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Als der Erzherzog aus dem baenglichen Schlusse seines Herrschertraumes zum
Lichte aufwachte, das allen Traeumen mit den kecken Worten entgegenzutreten
scheint: ihr seid nicht wahr, denn ihr besteht nicht vor mir!--da meinte
auch er, alles Traurige, was ihn bedroht, sei ein Hirngespinst gewesen.
Wer spinnt aber im Innern unsres Hirnes? Der die Sterne im Gewoelbe des
Himmels in Gleichheit und Abwechselung bewegt! Der Schatz der Erzherzogs
lag unversehrt vor dem Bette, er spielte leise damit, um Bella nicht zu
erwecken. Aber der geschaeftige Drang des Tages nahte immer tosender auf
allen Strassen, und Bella erwachte immer noch nicht; er rief, er sah nach
ihrem Bette, aber er fand sie nicht. Er durchlief aengstlich das Haus;
aber Bella war nicht zu errufen. "Pflueckt sie mir einen Blumenstrauss,
unsern Morgen zu schmuecken? Ist sie in der Fruehmesse und dankt Gott fuer
ihr Geschick?"

Beides widerlegte die naechste Stunde, und der Erzherzog befragte ohne
Erfolg die Wachen, liess Braka vergebens rufen. Die alte Braka weinte
ernstlich um die schoene Bella, alle schoene Aussichten schwanden ihr. Wie
aber Weiber im Ungluecke sind, der vornehme Stand haelt die Zunge ihres
Unwillens nicht zurueck, ihr Kopf fuellt sich so ganz mit einem Gefuehle, dass
sie jeder Ruecksicht vergessen: statt den zornigen, ungeduldigen Erzherzog
zu fuerchten, machte sie ihm die bittersten Vorwuerfe, dass seine Grausamkeit,
Bella mit dem Kleinen zu verheiraten, sie zur Flucht veranlasst haette.
Der Erzherzog schwieg beschaemt, er fuehlte, dass sie recht hatte, dass seine
toerichte Klugheit ihm das Koestlichste entrissen, was sein ganzes Leben
ausgestattet haette; er fuehlte sich so veraechtlich vor den Augen der Alten,
als der kleine Alraun nimmer vor seinen Augen gestanden. Er befahl Braka,
sich zu entfernen, und gebot ihr nachher, ein Gnadengehalt anzunehmen und
es in der Naehe seines Hofes zu verzehren, damit er jemand haette, mit dem
er von seiner Bella reden koennte. Seine unzaehligen Boten, die Deutschland
durchstreiften, kamen ohne Nachricht zurueck; sein Grossvater Maximilian,
der etwas von seiner Leidenschaft vernommen, hatte sie allerorten abweisen
lassen. Erst sehr spaet, nachdem Isabella mit den Ihren laengst
weitergegangen, erfuhr er, dass sie im Boehmerwalde von einem Prinzen
entbunden worden, der in der Taufe den Namen Lrak (der umgekehrte Name des
Vaters Karl) erhalten haette, und dass der fahrende Schueler, der mit den
Zigeunern entwichen, durch Bellas Gunst, unter dem Namen Sleipner, einer
ihrer Anfuehrer geworden sei.

Das Warten auf diese Nachrichten war die Ursache seines unbegreiflichen
Zoegerns, ehe er aus den Niederlanden nach Spanien ging, wo sein Grossvater
inzwischen gestorben war und die gewaltsame Klugheit des Ximenez, ohne
seine Gegenwart, leicht buergerliche Kriege veranlassen konnte. Als er
diese Kunde von Isabellen erhalten, waere er ihr gern nachgezogen, aber wo
sollte er sie treffen? Wie sollte er den Jugendtraeumen seiner
Herrscherlust entsagen? Doch ward ihm die Krone, die er bis dahin bloss
als Schmuck angesehen, zu einem drueckenden Gewichte, und die
Feierlichkeiten, die ihm bis dahin die Zierde der Tage geschienen, zu
einer verlornen Zeit, wie das Stundenschlagen, das mit seinem Klange die
ruhige Folge sehnender Gedanken unterbricht. Irren wir nicht, so laesst
sich manche seiner Launen, an denen seine wichtigsten Unternehmungen
scheiterten, aus diesem ersten Missgriffe seiner Klugheit erklaeren: diese
Gleichgueltigkeit, womit er das Regierungswesen zuerst behandelte, wie er
Chievres und die Seinen in der veraechtlichsten Bestechlichkeit Spanien
verderben liess; die Sinnlichkeit, in der er sich oft zu vergessen suchte
und worin er die Staerke seines Leibes frueher erschoepfte; alles
Unbefriedigte und Unbefriedigende in seinem Leben. Er bedurfte der Zeit,
grosser Ereignisse, wie die Eroberung von Neuspanien und seine Ernennung
zum Kaiser, und eines unermuedlichen Gegners, um nicht frueher in einen
Ueberdruss gegen alle Regierungsgeschaefte zu versinken; endlich bedurfte er
auch des Alrauns, um seine uebereilende Taetigkeit in Wirkung zu setzen.

Was wurde aus diesem Nebenbuhler seiner Liebe? Der Kleine hatte nach
allen Kraeften seiner nun doppelt verlornen Gattin nachgeforscht, aber
vergebens; doch fand er frueher als Karl eine Beruhigung, indem er mit
rastloser Taetigkeit an der Beendigung des Bildes der schoenen Bella
arbeitete. In seiner unruhigen Betruebnis kam Karl eines Morgens auf sein
Zimmer, begruesste das aehnliche Bild mit einem Schrei der Verwunderung und
trug es, ohne der Bitten und Drohungen des Kleinen zu achten, auf sein
Zimmer. Waehrend er es da mit Blumen bekraenzte und kniend es begruesste,
vernahmen die Bewohner des Schlosses ein unertraegliches Laermen im Zimmer
des Kleinen; mit Fluchen des Kleinen hatte es angefangen, bald waren immer
mehr Stimmen darin gehoert worden. Als die Wachen das Zimmer erbrachen,
geschah ein heftiger Schlag, das Zimmer roch nach Schwefel, der kleine
Wurzelmann lag zerrissen und ohne Bewegung auf dem Boden. Als er heimlich
begraben, glaubte sich Karl von ihm befreit, die Menschen glaubten ihn
gaenzlich zerstoert, er aber war in seiner Wut daemonisiert, und der Kaiser
wusste bald, dass er ohne eine grosse Busse von seiner ueberlaestigen Gegenwart
nicht wieder los und ledig werden konnte.

Umsonst wechselte er Wohnort und Kleider, umsonst versuchte er sogar den
afrikanischen Himmel; wenn er ihn auf immer gebannt glaubte und es bewegte
irgendein boeser Wunsch sein Gemuet, gleich war der Alraun ihm nahe, bald in
der Gestalt eines Heimchens, das hinter dem Ofen ihm zurief, wo er Geld
und Gelegenheit dazu finden koennte, bald als eine Spinne, die von der
Decke des Zimmers sich auf seine Schreibereien herabliess, bald als eine
Kroete, die ihm im Gartengange entgegentrat, oft schnurrte er ihn auch an
als ein fliegender Kaefer, abends und nachts schrie er wie ein wilder Vogel.
Karl horchte und gehorchte nur zu oft dieser Stimme, wehe uns Nachkommen
seiner Zeit. War ihm vieles durch diesen geldbringenden Geist moeglich, so
musste er dagegen frueher seine Herrscherbahn schliessen, um in heiligem
Leben, in Busse und Gebet jeden boesen Wunsch zu bannen.

Zu Gent, von den Erinnerungen seiner ersten Liebe und ihres Untergangs
abgetoetet, beschloss er seinen eignen Sonnenuntergang zu feiern: hier
entliess er seinen Sohn Philipp mit vielen Traenen, auch von den Gesandten
nahm er Abschied und lebte bis zu seiner Abfahrt nach Spanien in der
tiefsten Einsamkeit eines gesonderten Lebens. An seinem Geburtstage nahm
er Besitz von dem fuer ihn eingerichteten Hieronymitenkloster St. Just in
Spanien: er dachte, dass dieser Tag den Alraun auch auf die Welt gesetzt,
der seine irdische Bahn verletzt hatte, und sprach, dass er an eben dem
Tage, da er auf Erden sei geboren worden, auch dem Himmel wolle
wiedergeboren sein. Sein ernstes Gebet ist ihm erfuellt worden, seine
blutige Geissel, die nach seinem Tode als ein Heiligtum bewahrt worden,
bezeugt, wie schwer es ihm geworden, sich den gewohnten Lieblingsgedanken
zu entschlagen; wir aber, deren Voreltern durch sein politisches
Glaubenswesen so viel erlitten, die von des Alrauns schnoeder Geldlust fort
und fort gereizt und gequaelt worden, und endlich selbst noch an der
Trennung Deutschlands untergingen, welche er aus Mangel frommer Einheit
und Begeisterung, indem er sie hindern wollte, hervorbrachte, wir fuehlen
uns durch das erzaehlte Missgeschick seiner ersten Liebe, durch diese Reue
mit seiner Natur versoehnt und sehen ein, dass nur ein Heiliger auf dem
Throne jene Zeit haette bestehen koennen.

So fuehlte er sich selbst auch gerechtfertigt, als er, um sein Herz zu
pruefen, ob er bereit sei zu dem grossen Uebergange, der selbst dem
abgelebten Alter ueberraschend ist, mag es sich durch Betrachtung
vorgewoehnen oder in erkuenstelter Taetigkeit ihn uebersehen wollen, sich ein
praechtiges Grabmal in der Klosterkirche nach eigenem Plane bauen liess, das
in kunstreichen Galerien, welche mit den Bildnissen seiner Vorgaenger
bedeckt, zur Spitze anlief, wohin sein eigener Sarg gestellt werden sollte.
Er fuehlte sich gerechtfertigt, als er sich nun lebend in diesen Sarg
legte, von Trauergesang, Glockengelaeut und schwarzen Kerzen begleitet,
sich einsam hinaufstellen liess und durch die irdisch geschlossene Decke
der Kirche Isabella erblickte, wie sie ihm troestend und liebend an den
Gefilden der ewigen Gedanken begegnete, wo die Irrtuemer des Menschen mit
der Last seines Leibes in Staub zerfallen. Sie winkte ihm, und er folgte
ihr bald und sah ein helles Morgenlicht, worin Isabella ihm den Weg zum
Himmel zeigte, und fragte die Anwesenden, ob es schon so hoch am Tage sei.
Der Erzbischof sagte aber, es sei Nacht. Da befahl er seinen Geist in
Gottes Haende und starb. Befragen wir unser Herz, wie wir sterben moechten:
sicher wie Karl, die Geliebte unsrer Jugend als einen heiligen Engel
zwischen uns und der Sonne, von der wir scheiden, weil sie uns blendet;
gleichsam wie einen farbigen Vorhang, dass selbst die Schatten der
blumenpflueckenden und nichts fassenden Haende gefaerbt erscheinen. Jenes
Leichenbegaengnis Karls muss uns nicht wie eine wunderliche Schauspielerei
erschrecken. Derselbe Gedanke, der bei dem Beherrscher einer Welt zur Tat
wurde, bewegt viele Gemueter, die ein ernstes Leben gefuehrt haben; aber er
bleibt Gedanke und verwandelt sich sonst haeufig in eine Sorgsamkeit in der
Anordnung des wirklichen Leichenbegaengnisses, worin sich selten Eitelkeit,
haeufiger der Wunsch aeussert, ein Leben, das nach gewissen festen
Grundsaetzen gefuehrt, in derselben Gesinnung zu schliessen. Unsre eitle
Zeit verachtet jede Leichenfeier, bei unsern frommen Voreltern war oft ein
anstaendiges Leichentuch einzige Mitgabe der Braut, und ein prachtvoller
Sarg schloss ein bescheidnes Leben. Wer wagt das Sonderbarkeit zu
schelten? Es war Nebenaeusserung jener Einheit, die uns in aller ihrer
Geschichte anspricht, aber noch lebendiger in den Denkmalen ihrer
vielhundertjaehrigen Andacht, die in den Kirchengebaeuden alter deutscher
Zeit vor uns steht. Welche Einheit und Ausgleichung aller Verhaeltnisse,
wie fest begruendet alles an der Erde und doch alles dem Himmel eigen, zum
Himmel fuehrend, an seiner Grenze am herrlichsten und prachtvollsten
geschlossen. Zum Himmel richtet die Kirche wie betende Haende unzaehlige
Bluetenknospen und Reihen erhabener Bilder empor, alle zu dem Kreuze hinauf,
das die Spitze des Baues als Schluss des goettlichen Lebens auf Erden
bezeichnet, das als die hoechste Pracht der Erde, die sich dadurch zu
unendlichen Taten begeistert fuehlt, einzig mit dem Golde glaenzt, womit
kein andres Bild oder Zeichen neben ihm in der ganzen heiligen Geschichte,
die der Bau darstellt, sich zu schmuecken wagt. Nicht nur ueber Kaiser
Karls Leichenbegaengnis, auch ueber sein Leben hat die Nachwelt ein
langwieriges Totengericht gehalten, aber nur die Mitlebenden koennen einen
Herrscher am Ende seiner Laufbahn wuerdigen, und wie lehrreich scheinen
darin die Totengerichte der alten Aegypter, sie gehoeren aber nicht in unsre
europaeische Welt. Noch jetzt finden wir sie in Abessinien, noch jetzt
werden die Nachkommen unsrer Isabella auf dem Throne den Tag nach ihrem
Tode in dem Eingange der Pyramide, die ihnen als Grabstaette dient,
oeffentlich ausgestellt, und jeder ist verpflichtet, auszusagen, was er
ueber den Verstorbenen denkt. Auch ueber Isabella hat dieses Totengericht
gesprochen; noch jetzt sprechen die Abessinier von diesem Totengerichte,
das sie bei ihrem Leben noch ueber sich halten und aufzeichnen liess; sie
zeigen noch jetzt ihr Bild bei den Quellen des Nils, wie sie da alle in
einem Siebe vereinigt, durch das sie als unzaehlige Quellen zur Erde laufen,
zum Zeichen, wie sie zwar die getrennten Voelkerstaemme der Abessinier oder
Zigeuner vereinigte, aber nicht hindern konnte, dass sie durch innern
Streit auseinanderliefen. Wir danken diese Nachrichten dem beruehmten
Reisenden Taurinius, dessen eigene Worte wir hier mitteilen wollen:
"Isabella, die beruehmte Koenigin, berief ihren Sohn Lrak, den sie von Karl
nach der Voraussagung Adrians empfangen, ihren Feldherren Sleipner, der
als ein armer fahrender Schueler aus Gent mit ihr fortgezogen war, ferner
alle Ehrenmaenner und Vorsteher des Volks, nach dem Eingange der grossen
Pyramide an den Quellen des Nils, welche sie sich zum Grabmal erbaut hatte.
Es war am 20. August 1558, an demselben Tage, wo ihr geliebter Karl
sein Leichenbegaengnis bei lebendem Koerper mit offenen Augen feierte,
gleichsam in einer heimlichen Ahndung, als wollte sie mit einem gleichen
ernsten Vorbilde vom Leben scheiden. Sie erklaerte dort, indem sie von
allen freundlichen Abschied nahm und den trostlosen Sleipner auf den
Himmel verwies, wo seine Liebe eine reiche Belohnung finden wuerde, und
ihren Sohn an ihr Herz drueckte. Da, sage ich, denn also habe ich es
mehrmals erzaehlen hoeren, erklaerte sie, dass sie sich zu krank und hinfaellig
fuehle, um der Regierung laenger vorzustehen, und weil sie jetzt aufhoere zu
herrschen und gleichsam aus der Welt gehe, so waere es ihr sehnlicher
Wunsch und ihre letzte Bitte, dass die alte heilige Sitte des Totengerichts
nicht bis zu ihrem wirklichen leiblichen Tode ausgesetzt bleibe, sondern
dass ein jeglicher jetzo gleich, waehrend sie sich in ihrem Sarge ausstrecke,
voruebergehe und seine Meinung nach geleistetem Eide wahr und unverhohlen
ueber sie ausspreche. So hatte sie sich erklaert, und da keine Bitten,
keine Traenen ihr diesen Entschluss auszureden vermochten, so schritt man
also gleich zur Eidesleistung. Die Koenigin legte sich unter unzaehligen
Traenen in ihren Sarg, und ein jeglicher trat seiner Wuerde gemaess, wie er
pflegte, vor ihr hin und liess sein wohlueberdachtes Urteil, also, dass sie
es deutlich vernehmen konnte, in das koenigliche Buch eintragen. O welch
ein seliger Tag fuer die Reine! Wie leicht war der Tadel gegen die
Vorwuerfe, die sie sich selbst gar oft soll gemacht haben. Der Priester,
der mir das Ausfuehrlichste darueber mitteilte, las mir, wie ihr dabei
geschehen und wie selig sie waehrend des Totengerichts verstorben sei, wie
folget, aus einer alten Pergamentrolle vor, woraus ich es sogleich in
unsre deutsche Muttersprache zu uebersetzen wagte, wobei mir aber zuweilen
copia verborum gefehlet hat, weswegen ich es nochmals von Magister Uhsen
wieder uebersehen und sehr verbessern lassen: Sie versank waehrend des
Totengerichts in ein freudiges Anschauen. Aus dem Nebel, der das
herrliche Land, das sie geschaffen, bisher noch gedeckt hatte, traten ihr
erst die nahen seligen Gaerten hervor, darinnen die gluecklichen Kinder
ihres umgetriebnen Volkes wieder ruhig spielten; darinnen die Brunnen
sprangen, wo sonst die Krokodile im duerren Sande sich gesonnt hatten;
darinnen rote und blaue Voegel sangen, wo sonst die Schlangen gezischt
hatten. Weiterhin erschien ihr die gruene Wiese voll Blumen, und die
Laemmer mit ihren Glocken bewegten sich langsam klingend zwischen den
Halmen, wo sonst der Tod unter dem grundlosen Moraste auf alles Lebende
lauerte. Dann aber stroemte der Fluss, der Fluss aller Fluesse vorueber, das
unschuldige Metall der Oberwelt glaenzend poliert wie ein Schwert; von den
Rudern der Schiffer fleissig gehaemmert, wo sonst nur der Fisch in seichter
Flaeche zu schwimmen wagte. Aber das Herrlichste lag drueben und jenseits,
und wie sie in tiefer Seele an dem Gedanken sich entzueckte, ihrem
geliebten Volke in unablaessigem Bemuehen alle einzelnen Steine zu den
Palaesten kuenftiger Macht behauen zu haben, da glaenzten ihr drueben schon
die Schloesser und Kirchen kuenftiger Herrlichkeit im aufgehenden Lichte.
Sie naeherte sich verwundert dem Strome und sah nur nach drueben, wo sich
die geahndete Erfuellung in sichrer Wirklichkeit zeigte, und so stuerzte sie
in den Strom und ward von ihm hinuebergefuehrt und war drueben--mit diesem
Bilde suchte ein frommer Zeuge ihres Todes die Seligkeit ihres sterbenden
Angesichtes auszudruecken und zu erklaeren."--Liebreiche Isabella! wir
haben dich schuldlos erfunden im kleinen Kreise deiner Jugendliebe, warum
sollten wir zweifeln an den Erzaehlungen der Reisenden, dass du auch auf der
Hoehe eines Thrones im Ueberblick einer Welt dir selbst treu geblieben bist;
denn was ist diese Welt gegen diese Treue, die unwandelbar bleibt, wo sie
einmal bewaehrt ist. Deine Liebe ist nicht untergegangen in ihrer
Verschmaehung, der eine sollte sie nicht begreifen, nicht wuerdigen, nicht
bewahren, dass sie uebergehe zu einem Volke, welches in deiner Liebe sich
befreite. Kein Leiden, keine Reue, kein Zweifel wird deinen Blick
zurueckgewendet haben zu dem, den du verlassen, weil er dich aufgegeben
hatte; was in reiner Seele die Begeisterung eines Augenblickes tut, bleibt
ihr notwendiges Gesetz in Ewigkeit. Reines Bild des jugendlichen Lebens,
wir blicken zu dir und flehen: Reinige uns von eingebildeten Leiden der
Liebe und von angebildeten Suenden der Zeit; das Totengericht der Menschen
soll uns nicht schrecken, aber wer scheut nicht die Totenrichter in sich
selbst, die unerbittliche Strenge der Gedanken, die sich nicht taeuschen
lassen, wo wir andern genuegen, aber nicht der eignen Kraft; heilige
Isabella, wehe Himmelsluft auf meine heisse Stirne, wenn ich Gericht halte
ueber mich selbst!

Am Himmel steht ein drohender Komet und gluehet den Herbst zum Sommer, wozu
wird er den Fruehling entbrennen? Sei getrost, liebe Seele, sei getrost,
du Welt, dir ist viel vom Herren verheissen.




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