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New Philadelphia Book Publisher Highlights Local Talent
Book and Publishing News from Publishers Newswire(tm)

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NEW YORK, N.Y. -- Nathan Yungerberg, an accomplished model scout and professional child photographer is launching a nation-wide casting call to find the cover model for his highly anticipated book release, 'The Model Child: A Parents Guide to the Child Modeling Industry' (ISBN: 978-0-9817018-0-6).

Siddhartha

H >> Hermann Hesse >> Siddhartha

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Da blieb Govinda auf dem Wege stehen, erhob die Haende und sprach:
"Moegest du, Siddhartha, deinen Freund doch nicht mit solchen Reden
beaengstigen! Wahrlich, Angst erwecken deine Worte in meinem Herzen.
Und denke doch nur: wo bliebe die Heiligkeit der Gebete, wo bliebe die
Ehrwuerdigkeit des Brahmanenstandes, wo die Heiligkeit der Samanas,
wenn es so waere wie du sagst, wenn es kein Lernen gaebe?! Was, o
Siddhartha, was wuerde dann aus alledem werden, was auf Erden heilig,
was wertvoll, was ehrwuerdig ist?!"

Und Govinda murmelte einen Vers vor sich hin, einen Vers aus einer
Upanishad:

Wer nachsinnend, gelaeuterten Geistes, in Atman sich versenkt,
Unaussprechlich durch Worte ist seines Herzens Seligkeit.

Siddhartha aber schwieg. Er dachte der Worte, welche Govinda zu ihm
gesagt hatte, und dachte die Worte bis an ihr Ende.

Ja, dachte er, gesenkten Hauptes stehend, was bliebe noch uebrig von
allem, was uns heilig schien? Was bleibt? Was bewaehrt sieh? Und er
schuettelte den Kopf.

Einstmals, als die beiden Juenglinge gegen drei Jahre bei den Samanas
gelebt und ihre UEbungen geteilt hatten, da erreichte sie auf
mancherlei Wegen und Umwegen eine Kunde, ein Geruecht, eine Sage: Einer
sei erschienen, Gotama genannt, der Erhabene, der Buddha, der habe in
sich das Leid der Welt ueberwunden und das Rad der Wiedergeburten zum
Stehen gebracht. Lehrend ziehe er, von Juengern umgeben, durch das
Land, besitzlos, heimatlos, weiblos, im gelben Mantel eines Asketen,
aber mit heiterer Stirn, ein Seliger, und Brahmanen und Fuersten
beugten sich vor ihm und wuerden seine Schueler.

Diese Sage, dies Geruecht, dies Maerchen klang auf, duftete empor, hier
und dort, in den Staedten sprachen die Brahmanen davon, im Wald die
Samanas, immer wieder drang der Name Gotamas, des Buddha, zu den Ohren
der Juenglinge, im Guten und im Boesen, in Lobpreisung und in Schmaehung.

Wie wenn in einem Lande die Pest herrscht, und es erliebt sich die
Kunde, da und dort sei ein Mann, ein Weiser, ein Kundiger, dessen Wort
und Anhauch genuege, um jeden von der Seuche Befallenen zu heilen, und
wie dann diese Kunde das Land durchlaeuft und jedermann davon spricht,
viele glauben, viele zweifeln, viele aber sich alsbald auf den Weg
machen, um den Weisen, den Helfer aufzusuchen, so durchlief das Land
jene Sage, jene duftende Sage von Gotama, dem Buddha, dem Weisen aus
dem Geschlecht der Sakya. Ihm war, so sprachen die Glaeubigen, hoechste
Erkenntnis zu eigen, er erinnerte sich seiner vormaligen Leben, er
hatte Nirwana erreicht und kehrte nie mehr in den Kreislauf zurueck,
tauchte nie mehr in den trueben Strom der Gestaltungen unter. Vieles
Herrliche und Unglaubliche wurde von ihm berichtet, er hatte Wunder
getan, hatte den Teufel ueberwunden, hatte mit den Goettern gesprochen.
Seine Feinde und Unglaeubigen aber sagten, dieser Gotama sei ein eitler
Verfuehrer, er bringe seine Tage in Wohlleben hin, verachte die Opfer,
sei ohne Gelehrsamkeit und kenne weder UEbung noch Kasteiung.

Suess klang die Sage von Buddha, Zauber duftete aus diesen Berichten.
Krank war ja die Welt, schwer zu ertragen war das Leben--und siehe,
hier schien eine Quelle zu springen, hier schien ein Botenruf zu toenen,
trostvoll, mild, edler Versprechungen voll. UEberall, wohin das
Geruecht vom Buddha erscholl, ueberall in den Laendern Indiens horchten
die Juenglinge auf, fuehlten Sehnsucht, fuehlten Hoff nung, und unter den
Brahmanensoehnen der Staedte und Doerfer war jeder Pilger und Fremdling
willkommen, wenn er Kunde von ihm, dem Erhabenen, dem Sakyamuni,
brachte.

Auch zu den Samanas im Walde, auch zu Siddhartha, auch zu Govinda war
die Sage gedrungen, langsam, in Tropfen, jeder Tropfen schwer von
Hoffnung, jeder Tropfen schwer von Zweifel. Sie sprachen wenig davon,
denn der AElteste der Samanas war kein Freund dieser Sage. Er hatte
vernommen, dass jener angebliche Buddha vormals Asket gewesen und im
Walde gelebt, sich dann aber zu Wohlleben und Weltlust zurueckgewendet
habe, und er hielt nichts von diesem Gotama.

"O Siddhartha", sprach einst Govinda zu seinem Freunde. "Heute war
ich im Dorf, und ein Brahmane lud mich ein, in sein Haus zu treten,
und in seinem Hause war ein Brahmanensohn aus Magadha, dieser hat mit
seinen eigenen Augen den Buddha gesehen und hat ihn lehren hoeren.
Wahrlich, da schmerzte mich der Atem in der Brust, und ich dachte bei
mir: Moechte doch auch ich, moechten doch auch wir beide, Siddhartha und
ich, die Stunde erleben, da wir die Lehre aus dem Munde jenes
Vollendeten vernehmen! Sprich, Freund, wollen wir nicht auch dorthin
gehen und die Lehre aus dem Munde des Buddha anhoeren?"

Sprach Siddhartha: "Immer, o Govinda, hatte ich gedacht, Govinda wuerde
bei den Samanas bleiben, immer hatte ich geglaubt, es waere sein Ziel,
sechzig und siebzig Jahre alt zu worden und immer weiter die Kuenste
und UEbungen zu treiben, welche den Samana zieren. Aber sieh, ich
hatte Govinda zu wenig gekannt, wenig wusste ich von seinem Herzen.
Nun also willst du, Teuerster, einen neuen Pfad einschlagen und
dorthin gehen, wo der Buddha seine Lehre verkuendet. "

Sprach Govinda: "Dir beliebt es zu spotten. Moegest du immerhin
spotten, Siddhartha 1 Ist aber nicht auch in dir ein Verlangen, eine
Lust erwacht, diese Lehre zu hoeren? Und hast du nicht einst zu mir
gesagt, nicht lange mehr werdest du den Weg der Samanas gehen?"

Da lachte Siddhartha, auf seine Weise, wobei der Ton seiner Stimme
einen Schatten von Trauer und einen Schatten von Spott annahm, und
sagte: "Wohl, Govinda, wohl hasst du gesprochen, richtig hast du dich
erinnert. Moegest du doch auch des andern dich erinnern, das du von
mir gehoert hast, dass ich naemlich misstrauisch und muede gegen Lehre und
Lernen geworden bin, und dass mein Glaube klein ist an Worte, die von
Lehrern zu uns kommen. Aber wohlan, Lieber, ich bin bereit, jene
Lehre zu hoeren--obschon ich im Herzen glaube, dass wir die beste Frucht
jener Lehre schon gekostet haben.

Sprach Govinda: "Deine Bereitschaft erfreut mein Herz. Aber sage, wie
sollte das moeglich sein? Wie sollte die Lehre des Gotama, noch ehe
wir sie vernommen, uns schon ihre beste Frucht erschlossen haben?"

Sprach Siddhartha: "Lass diese Frucht uns geniessen und das weitere
abwarten, o Govinda! Diese Frucht aber, die wir schon jetzt dem
Gotama verdanken, besteht darin, dass er uns von den Samanas hinwegruft!
Ob er uns noch anderes und Besseres zu geben hat, o Freund, darauf
lass uns ruhigen Herzens warten."

An diesem selben Tage gab Siddhartha dem AEltesten der Samanas seinen
Entschluss zu wissen, dass er ihn verlassen wollte. Er gab ihn dem
AEltesten zu wissen mit der Hoeflichkeit und Bescheidenheit, welche dem
Juengeren und Schueler ziemt. Der Samana aber geriet in Zorn, dass die
beiden Juenglinge ihn verlassen wollten, und redete laut und brauchte
grobe Schimpfworte.

Govinda erschrak und kam in Verlegenheit, Siddhartha aber neigte den
Mund zu Govindas Ohr und fluesterte ihm zu: "Nun will ich dem Alten
zeigen, dass ich etwas bei ihm gelernt habe."

Indem er sich nahe vor dem Samana aufstellte, mit gesammelter Seele,
fing er den Blick des Alten mit seinen Blicken ein, bannte ihn, machte
ihn stumm, machte ihn willenlos, unterwarf ihn seinem Willen, befahl
ihm, lautlos zu tun, was er von ihm verlangte. Der alte Mann wurde
stumm, sein Auge wurde starr, sein Wille gelaehmt, seine Arme hingen
herab, machtlos war er Siddharthas Bezauberung erlegen. Siddharthas
Gedanken aber bemaechtigten sich des Samana, er musste vollfuehren, was
sie befahlen. Und so verneigte sich der Alte mehrmals, vollzog
segnende Gebaerden, sprach stammelnd einen frommen Reisewunsch. Und
die Juenglinge erwiderten dankend die Verneigungen, erwiderten den
Wunsch, zogen gruessend von dannen.

Unterwegs sagte Govinda:,0 Siddhartha, du hast bei den Samanas mehr
gelernt, als ich wusste. Es ist schwer, es ist sehr schwer, einen
alten Samana zu bezaubern. Wahrlich, waerest du dort geblieben, du
haettest bald gelernt, auf dem Wasser zu gehen."

"Ich begehre nicht, auf dem Wasser zu gehen", sagte Siddhartha.
"Moegen alte Samanas mit solchen Kuensten sich zufrieden geben!"




GOTAMA

In der Stadt Savathi kannte jedes Kind den Namen des Erhabenen Buddha,
und jedes Haus war geruestet, den Juengern Gotamas, den schweigend
Bittenden, die Almosenschale zu fuellen. Nahe bei der Stadt lag
Gotamas liebster Aufenthalt, der Hain Jetavana, welchen der reiche
Kaufherr Anathapindika, ein ergebener Verehrer des Erhabenen, ihm und
den Seinen zum Geschenk gemacht hatte.

Nach dieser Gegend hatten alle Erzaehlungen und Antworten hingewiesen,
welche den beiden jungen Asketen auf der Suche nach Gotamas Aufenthalt
zuteil wurden. Und da sie in Savathi ankamen, ward ihnen gleich im
ersten Hause, vor dessen Tuer sie bittend stehen blieben, Speise
angeboten, und sie nahmen Speise an, und Siddhartha fragte die Frau,
welche ihnen die Speise reichte:

"Gerne, du Mildtaetige, gerne moechten wir erfahren, wo. Der Buddha
weilt, der Ehrwuerdigste, denn wir sind zwei Samanas aus dem Walde, und
sind gekommen, um ihn, den Vollendeten, zu sehen und die Lehre aus
seinem Munde zu vernehmen."

Sprach die Frau: "Am richtigen Orte wahrlich seid Ihr hier abgestiegen,
Ihr Samanas aus dem Walde. Wisset, in Jetavana, im Garten
Anathapindikas, weilt der Erhabene. Dort moeget Ihr, Pilger, die Nacht
verbringen, denn genug Raum ist daselbst fuer die Unzaehligen, die
herbeistroemen, um! aus seinem Munde die Lehre zu hoeren."

Da freute sich Govinda, und voll Freude rief er: "Wohl denn, so ist
unser Ziel erreicht und unser Weg zu Ende 1 Aber sage uns, du Mutter
der Pilgernden, kennst du ihn" den Buddha, hast du ihn mit deinen
Augen gesehen?"

Sprach die Frau: "Viele Male habe ich ihn gesehen, den Erhabenen. An
vielen Tagen habe ich ihn gesehen, wie er durch die Gassen geht,
schweigend, im gelben Mantel, wie er schweigend an den Haustueren seine
Almosenschale darreicht, wie er die gefuellte Schale von dannen traegt."

Entzueckt lauschte Govinda und wollte noch vieles fragen und hoeren.
Aber Siddhartha mahnte zum Weitergehen. Sie sagten Dank und gingen
und brauchten kaum nach dem Wege zu fragen, denn nicht wenige Pilger
und auch Moenche aus Gotamas Gemeinschaft waren nach dem Jetavana,
unterwegs. Und da sie in der Nacht dort anlangten, war daselbst ein
bestaendiges Ankommen, Rufen und Reden von solchen, welche Herberge
heischten und bekamen. Die beiden Samanas, des Lebens im Walde
gewohnt, fanden schnell und geraeuschlos einen Unterschlupf und ruhten
da bis zum Morgen.

Beim Aufgang der Sonne sahen sie mit Erstaunen, welch grosse Schar,
Glaeubige und Neugierige, hier genaechtigt hatte. Jn allen Wegen des
herrlichen Haines wandelten Moenche im gelben Gewand, unter den Baeumen
sassen sie hier und dort, in Betrachtung versenkt--oder im geistlichen
Gespraech, wie eine Stadt waren die schattigen Gaerten zu sehen, voll
von Menschen, wimmelnd wie Bienen. Die Mehrzahl der Moenche zog mit
der AImosenschale aus, um in der Stadt Nahrung fuer die Mittagsmahlzeit,
die einzige des Tages, zu sammeln. Auch der Buddha selbst, der
Erleuchtete, pflegte am Morgen den Bettelgang zu tun.

Siddhar tha sah ihn, und er erkannte ihn alsbald, als haette ihm ein
Gott ihn gezeigt. Er sah ihn, einen schlichten Mann in gelber Kutte,
die Almosenschale in der Hand tragend, still dahin gehen.

"Sieh hier!" sagte Siddhartha leise zu Govinda. "Dieser hier ist der
Buddha."

Aufmerksam blickte Govinda den Moench in der gelben Kutte, an, der sich
in nichts von -den Hunderten der Moenche zu unterscheiden schien. Und
bald erkannte auch Govinda: Dieser ist es. Und sie folgten ihm nach
und betrachteten ihn.

Der Buddha ging seines Weges bescheiden und in Gedanken versunken,
sein stilles Gesicht war weder froehlich noch traurig, es schien leise
nach innen zu laecheln. Mit einem verborgenen Laecheln, still, ruhig,
einem gesunden Kinde nicht unaehnlich, wandelte der Buddha, trug das
Gewand und setzte den Fuss gleich wie alle seine Moenche, nach genauer
Vorschrift. Aber sein Gesicht und sein Schritt, sein still gesenkter
Blick, seine still herabhaengende Hand, und noch jeder Finger an seiner
still herabhaengenden Hand sprach Friede, sprach Vollkommenheit, suchte
nicht, ahmte nicht nach, atmete sanft in einer unverwelklichen Ruhe,
in einem unverwelklichen Licht, einem unantastbaren Frieden.

So wandelte Gotama, der Stadt entgegen, um Almosen zu sammeln, und die
beiden Samanas erkannten ihn einzig an der Vollkommenheit seiner Ruhe,
an der Stille seiner Gestalt, in welcher kein Suchen, kein Wollen,
kein Nachahmen, kein Bemuehen zu erkennen war, nur Licht und Frieden.

"Heute werden wir die Lehre aus seinem Munde vernehmen," sagte Govinda.


Siddhartha gab nicht Antwort. Er war wenig neugierig auf die Lehre,
er glaubte nicht, dass sie ihn Neues lehren werde, hatte er doch,
ebenso wie Govinda, wieder und wieder den Inhalt dieser Buddhalehre
vernommen, wenn schon aus Berichten von zweiter und dritter Hand.
Aber er blickte aufmerksam auf, Gotamas Haupt, auf seine Schultern,
auf seine Fuesse, auf seine still herabhaengende Hand, und ihm schien,
jedes Glied an jedem Finger dieser Hand war Lehre, sprach, atmete,
duftete, glaenzte Wahrheit. Dieser Mann, dieser Buddha, war wahrhaftig
bis in die Gebaerde seines letzten Fingers. Dieser Mann war heilig.
Nie hatte Siddhartha einen Menschen so verehrt, nie hatte er einen
Menschen so geliebt wie diesen.

Die beiden folgten dem Buddha bis zur Stadt und kehrten schweigend
zurueck, denn sie selbst gedachten diesen Tag sich der Speise zu
enthalten. Sie sahen Gotama wiederkehren, sahen ihn im Kreise seiner
Juenger die Mahlzeit einnehmen--was er ass, haette keinen Vogel satt
gemacht und sahen ihn sich zurueckziehen in den Schatten der Mangobaeume.


Am Abend aber, als die Hitze sich legte und alles im Lager lebendig
ward und sich versammelte, hoerten sie den Buddha lehren. Sie hoerten
seine Stimme, und auch sie war vollkommen, war von vollkommener Ruhe,
war voll von Frieden. Gotama lehrte die Lehre vom Leiden, von der
Herkunft des Leidens, vom Weg zur Aufhebung des Leidens. Ruhig floss
und klar seine stille Rede. Leiden war das Leben, voll Leid war die
Welt, aber Erloesung vom Leid war gefunden: Erloesung fand, wer den Weg
des Buddha ging. Mit sanfter, doch fester Stimme sprach der Erhabene,
lehrte die vier Hauptsaetze, lehrte den achtfachen Pfad, geduldig ging
er den gewohnten Weg der Lehre, der Beispiele, der Wiederholungen,
hell und still schwebte seine Stimme ueber den Hoerenden, wie ein Licht,
wie ein Sternhimmel.

Als der Buddha--es war schon Nacht geworden--seine Rede schloss, traten
manche Pilger hervor und baten um Aufnahme in die Gemeinschaft, nahmen
ihre Zuflucht zur Lehre. Und Gotama nahm sie auf, indem er sprach:
"Wohl habt ihr die Lehre vernommen, wohl ist sie verkuendigt. Tretet
denn herzu und wandelt in Heiligkeit, allem Leid ein Ende zu bereiten."

Siehe, da trat auch Govinda hervor, der Schuechterne, und sprach: "Auch
ich nehme meine Zuflucht zum Erhabenen und zu seiner Lehre," und bat
um Aufnahme in 'die Juengerschaft, und ward aufgenommen.

Gleich darauf, da sich der Buddha zur Nachtruhe zurueckgezogen hatte,
wendete sich Govinda zu Siddhartha und sprach eifrig: "Siddhartha,
nicht steht es mir zu, 'dir einen Vorwurf zu machen. Beide haben wir
den Erhabenen gehoert, beide haben wir die Lehre vernommen. Govinda
hat die Lehre gehoert, er hat seine Zuflucht zu ihr genommen. Du aber,
Verehrter, willst denn nicht auch 'du den Pfad der Erloesung gehen?
Willst du zoegern, willst 'du noch warten?"

Siddhartha erwachte wie aus einem Schlafe, als er Govindas Worte
vernahm. Lange blickte er in Govindas Gesicht. Dann sprach er leise,
mit einer Stimme ohne Spott: "Govinda, mein Freund, nun hast du den
Schritt getan, nun hast du den Weg erwaehlt. Immer, o Govinda, bist du
mein Freund gewesen, immer bist du einen Schritt hinter mir gegangen.
Oft habe ich gedacht: Wird Govinda nicht auch einmal einen Schritt
allein tun, ohne mich, aus der eigenen Seele? Siehe, nun bist du ein
Mann geworden und waehlst selber deinen Weg. Moegest du ihn zu Ende
gehen, o mein Freund! Moegest du Erloesung finden!"

Govinda, welcher noch nicht voellig verstand, wiederholte mit einem Ton
von Ungeduld seine Frage: "Sprich doch, ich bitte dich, mein Lieber!
Sage mir, wie es ja nicht anders sein kann, dass auch du, mein
gelehrter Freund, deine Zuflucht zum erhabenen Buddha nehmen wirst!"

Siddhartha legte seine Hand auf die Schulter Govindas: "Du hast meinen
Segenswunsch ueberhoert, o Govinda. Ich wiederhole ihn: Moegest du
diesen Weg zu Ende gehen! Moegest du Erloesung finden!"

In diesem Augenblick erkannte Govinda, dass sein Freund ihn, verlassen
habe, und er begann zu weinen.

"Siddhartha!" rief er klagend.

Siddhartha sprach freundlich zu ihm: "Vergiss nicht, Govinda, dass du
nun zu den Samanas des Buddha gehoerst! Abgesagt hast du Heimat und
Eltern, abgesagt Herkunft und Eigentum, abgesagt deinem eigenen Willen,
abgesagt der Freundschaft. So will es die Lehre, so will es der
Erhabene. So hast du selbst es gewollt. Morgen, o Govinda, werde ich
dich verlassen."

Lange noch wandelten die Freunde im Gehoelz, lange lagen sie und fanden
nicht den Schlaf. Und immer von neuem drang Govinda in seinen Freund,
er moege ihm sagen, warum er nicht seine Zuflucht zu Gotamas Lehre
nehmen wolle, welchen Fehler denn er in dieser Lehre finde.
Siddhartha aber wies ihn jedesmal zurueck und sagte: "Gib dich
zufrieden, Govinda! Sehr gut ist des Erhabenen Lehre, wie sollte ich
einen Fehler an ihr finden?"

Am fruehesten Morgen ging ein Nachfolger Buddhas, einer seiner aeltesten
Moenche, durch den Garten und rief alle jene zu sich, welche als
Neulinge ihre Zuflucht zur Lehre genommen hatten, um ihnen das gelbe
Gewand anzulegen und sie in den ersten Lehren und Pflichten ihres
Standes zu unterweisen. Da riss Govinda sich los, um armte noch einmal
den Freund seiner Jugend und schloss sich dem Zuge der Novizen an.

Siddhartha aber wandelte in Gedanken durch den Hain.

Da begegnete ihm Gotama, der Erhabene, und als er ihn mit Ehrfurcht
begruesste und der Blick des Buddha so voll Guete und Stille war, fasste
der Juengling Mut und bat den Ehrwuerdigen um Erlaubnis, zu ihm zu
sprechen. Schweigend nickte der Erhabene Gewaehrung.

Sprach Siddhartha: "Gestern, o Erhabener, war es mir vergoennt, deine
wundersame Lehre zu hoeren. Zusammen mit meinem Freunde kam ich aus
der Ferne her, um die Lehre zu hoeren. Und nun wird mein Freund bei
den Deinen bleiben, zu dir hat er seine Zuflucht genommen. Ich aber
trete meine Pilgerschaft aufs neue an."

"Wie es dir beliebt", sprach der Ehrwuerdige hoeflich.

"Allzu kuehn ist meine Rede," fuhr Siddhartha fort, "aber ich moechte
den Erhabenen nicht verlassen, ohne ihm meine Gedanken in
Aufrichtigkeit mitgeteilt zu haben. Will mir der Ehrwuerdige noch
einen Augenblick Gehoer schenken?"

Schweigend nickte der Buddha Gewaehrung.

Sprach Siddhartha: "Eines, o Ehrwuerdigster, habe ich an deiner Lehre
vor allem bewundert. Alles in deiner Lehre ist vollkommen klar, ist
bewiesen; als eine vollkommene, als eine nie und nirgends
unterbrochene Kette zeigst du die Welt als eine ewige Kette, gefuegt
aus Ursachen und Wirkungen. Niemals ist dies so klar gesehen, nie so
unwiderleglich dargestellt worden; hoeher wahrlich muss jedem Brahmanen
das Herz im Leibe schlagen, wenn er, durch deine Lehre hindurch, die
Welt erblickt als vollkommenen Zusammenhang, lueckenlos, klar wie ein
Kristall, nicht vom Zufall abhaengig, nicht von Goettern abhaengig. Ob
sie gut oder boese, ob das Leben in ihr Leid oder Freude sei, moege
dahingestellt bleiben, es mag vielleicht sein, dass dies nicht
wesentlich ist--aber die Einheit der Welt, der Zusammenhang alles
Geschehens, das Umschlossensein alles Grossen und Kleinen vom selben
Strome, vom selben Gesetz der Ursachen, des Werdens und des Sterbens,
dies leuchtet hell aus deiner erhabenen Lehre, o Vollendeter. Nun
aber ist, deiner selben Lehre nach, diese Einheit und Folgerichtigkeit
aller Dinge dennoch an einer Stelle unterbrochen, durch eine kleine
Luecke stroemt in diese Welt der Einheit etwas Fremdes, etwas Neues,
etwas, das vorher nicht war, und das nicht gezeigt und nicht bewiesen
werden kann: das ist deine Lehre von der UEberwindung der Welt, von der
Erloesung. Mit dieser kleinen Luecke, mit dieser kleinen Durchbrechung
aber ist das ganze ewige und einheitliche Weltgesetz wieder zerbrochen
und aufgehoben. Moegest du mir verzeihen, wenn ich diesen Einwand
ausspreche."

Still hatte Gotama ihm zugehoert, unbewegt. Mit seiner guetigen, mit
seiner hoeflichen und klaren Stimme sprach er nun, der Vollendete: "Du
hast die Lehre gehoert, o Brahmanensohn, und wohl dir, dass du ueber sie
so tief nachgedacht hast. Du hast eine Luecke in ihr gefunden, einen
Fehler. Moegest du weiter darueber nachdenken. Lass dich aber warnen,
du Wissbegieriger, vor dem Dickicht der Meinungen und vor dem Streit um
Worte. Es ist an Meinungen nichts gelegen, sie moegen schoen oder
haesslich, klug oder toericht sein, jeder kann ihnen anhaengen oder sie
verwerfen. Die Lehre aber, die du von mir gehoert hast, ist nicht eine
Meinung, und ihr Ziel ist nicht, die Welt fuer Wissbegierige zu erklaeren.
Ihr Ziel ist ein anderes; ihr Ziel ist Erloesung vom Leiden. Diese
ist es, welche Gotama lehrt, nichts anderes."

"Moegest du mir, o Erhabener, nicht zuernen", sagte der Juengling.
"Nicht um Streit mit dir zu suchen, Streit um Worte, habe ich so zu
dir gesprochen. Du hast wahrlich recht, wenig ist an Meinungen
gelegen. Aber lass mich dies eine noch sagen: Nicht einen Augenblick
habe ich an dir gezweifelt. Ich habe nicht einen Augenblick
gezweifelt, dass du Buddha bist, dass du das Ziel erreicht hast, das
hoechste, nach welchem so viel tausend Brahmanen und Brahmanensoehne
unterwegs sind. Du hast die Erloesung,vom Tode gefunden. Sie ist dir
geworden aus deinem eigenen Suchen, auf deinem eigenen Wege, durch
Gedanken, durch Versenkung, durch Erkenntnis, durch Erleuchtung.
Nicht ist sie dir geworden durch Lehre! Und--so ist mein Gedanke, o
Erhabener--keinem wird Erloesung zu teil durch Lehre! Keinem, o
Ehrwuerdiger, wirst du in Worten und durch Lehre mitteilen und sagen
koennen, was dir geschehen ist in der Stunde deiner Erleuchtungt Vieles
enthaelt die Lehre des erleuchteten Buddha, viele lehrt sie,
rechtschaffen zu leben, Boeses zu meiden. Eines aber enthaelt die so
klare, die so ehrwuerdige Lehre nicht: sie enthaelt nicht das Geheimnis
dessen, was der Erhabene selbst erlebt hat, er allein unter den
Hunderttausenden. Dies ist es, was ich gedacht und erkannt habe, als
ich die Lehre hoerte. Dies ist es, weswegen ich meine Wanderschaft
fortsetze--nicht um eine andere, eine bessere Lehre zu suchen, denn
ich weiss, es gibt keine, sondern um alle Lehren und alle Lehrer zu
verlassen und allein mein Ziel zu erreichen oder zu sterben. Oftmals
aber werde ich dieses Tages denken, o Erhabener, und dieser Stunde, da
meine Augen einen Heiligen sahen."

Die Augen des Buddha blickten still zu Boden, still in vollkommenem
Gleichmut strahlte sein unerforschliches Gesicht.

"Moegen deine Gedanken," sprach der Ehrwuerdige langsam, "keine Irrtuemer
sein! Moegest du ans Ziel kommen! Aber sage mir: Hast du die Schar
meiner Samanas gesehen, meiner vielen Brueder, welche ihre Zuflucht zur
Lehre genommen haben? Und glaubst du, fremder Samana, glaubst du, dass
es diesen allen besser waere, die Lehre zu verlassen und in das Leben
der Welt und der Lueste zurueckzukehren?"

"Fern ist ein solcher Gedanke von mir", rief Siddhartha. "Moegen sie
alle bei der Lehre bleiben, moegen sie ihr Ziel erreichen! Nicht steht
mir zu, ueber eines andern Leben zu urteilen. Einzig fuer mich, fuer
mich allein muss ich urteilen, muss ich waehlen, muss ich ablehnen.
Erloesung vom Ich suchen wir Samanas, o Erhabener. Waere ich nun einer
deiner Juenger, o Ehrwuerdiger, so fuerchte ich, es moechte mir geschehen,
dass nur scheinbar, nur truegerisch mein Ich zur Ruhe kaeme und erloest
wuerde, dass es aber in Wahrheit weiterlebte und gross wuerde, denn ich
haette dann die Lehre, haette meine Nachfolge, haette meine Liebe zu dir,
haette die Gemeinschaft der Moenche zu meinem Ich gemacht!"

Mit halbem Laecheln, mit einer unerschuetterten Helle und Freundlichkeit
sah Gotama dem Fremdling ins Auge und verabschiedete ihn mit einer
kaum sichtbaren Gebaerde.

"Klug bist du, o Samana", sprach der Ehrwuerdige.

"Klug weisst du zu reden, mein Freund. Huete dich vor allzu grosser
Klugheit!"

Hinweg wandelte der Buddha, und sein Blick und halbes Laecheln blieb
fuer immer in Siddharthas Gedaechtnis eingegraben.

So habe ich noch keinen Menschen blicken und laecheln, sitzen und
schreiten sehen, dachte er, so wahrlich wuensche auch ich blicken und
laecheln, sitzen und schreiten zu koennen, so frei, so ehrwuerdig, so
verborgen, so offen, so kindlich und geheimnisvoll. So wahrlich
blickt und schreitet nur der Mensch, der ins Innerste seines Selbst
gedrungen ist. Wohl, auch ich werde ins Innerste meines Selbst zu
dringen suchen.

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