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New Philadelphia Book Publisher Highlights Local Talent
Book and Publishing News from Publishers Newswire(tm)

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PHILADELPHIA, Pa. -- The Philadelphia literary world will celebrate the launch of two new players today, April 10th: Kay Square Press, a new publishing company focused on Philadelphia-area artists, their stories, and their art; and Kay Square's first release, 'With the Rich and Mighty: Emlen Etting of Philadelphia' (ISBN: 978-0-9815129-0-7), a critical biography by Kenneth C. Kaleta.

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NEW YORK, N.Y. -- Nathan Yungerberg, an accomplished model scout and professional child photographer is launching a nation-wide casting call to find the cover model for his highly anticipated book release, 'The Model Child: A Parents Guide to the Child Modeling Industry' (ISBN: 978-0-9817018-0-6).

Siddhartha

H >> Hermann Hesse >> Siddhartha

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"Ich danke dir, Samana, dass du meinen Schlaf behuetet hast," sprach
Siddhartha. "Freundlich seid Ihr Juenger des Erhabenen. Nun magst du
denn gehen."

"Ich gehe, Herr. Moege der Herr sich immer wohl befinden."

"Ich danke dir, Samana."

Govinda machte das Zeichen des Grusses und sagte: "Lebe wohl."

"Lebe wohl, Govinda," sagte Siddhartha.

Der Moench blieb stehen.

"Erlaube, Herr, woher kennst du meinen Namen?"

Da laechelte Siddhartha.

"Ich kenne dich, o Govinda, aus der Huette deines Vaters, und aus der
Brahmanenschule, und von den Opfern, und von unsrem Gang zu den
Samanas, und von jener Stunde, da du im Hain Jetavdna deine Zuflucht
zum Erhabenen nahmest."

"Du bist Siddharthal" rief Govinda laut. Jetzt erkenne ich dich, und
begreife nicht mehr, wie ich dich nicht sogleich erkennen konnte. Sei
willkommen, Siddhartha, gross ist meine Freude, dich wiederzusehen"

"Auch mich erfreut es, dich wiederzusehen. Du bist der Waechter meines
Schlafes gewesen, nochmals danke ich dir dafuer, obwohl ich keines
Waechters bedurft haette. Wohin gehst du, o Freund?"

"Nirgendshin gehe ich. Immer sind wir Moenche unterwegs, solange nicht
Regenzeit ist, immer ziehen wir von Ort zu Ort, leben nach der Regel,
verkuendigen die Lehre, nehmen Almosen, ziehen weiter. Immer ist es so.
Du aber, Siddhartha, wo gehst du hin?"

Sprach Siddhartha: "Auch mit mir steht es so, Freund, wie mit dir.
Ich gehe nirgendhin. Ich bin nur unterwegs. Ich pilgere."

Govinda sprach: "Du sagst: du pilgerst, und ich glaube dir. Doch
verzeih, o Siddhartha, nicht wie ein Pilger siehst du aus. Du traegst
das Kleid eines Reichen, du traegst die Schuhe eines Vornehmen, und
dein Haar, das nach wohlriechendem Wasser duftet, ist nicht das Haar
eines Pilgers, nicht das Haar eines Samanas."

"Wohl, Lieber, gut hast du beobachtet, alles sieht dein scharfes Auge.
Doch habe ich nicht zu dir gesagt, dass ich ein Samana sei. Ich sagte:
ich pilgere. Und so ist es: ich pilgere."

"Du pilgerst," sagte Govinda. "Aber wenige pilgern

in solchem Kleide, wenige in solchen Schuhen, wenige mit solchen
Haaren. Nie habe ich, der ich schon viele Jahre pilgere, solch einen
Pilger angetroffen."

"Ich glaube es dir, mein Govinda. Aber nun, heute, hast du eben einen
solchen Pilger angetroffen, in solchen Schuhen, mit solchem Gewande.
Erinnere dich, Lieber: Vergaenglich ist die Welt der Gestaltungen,
vergaenglich, hoechst vergaenglich sind unsere Gewaender, und die Tracht
unserer Haare, und unsere Haare und Koerper selbst. Ich trage die
Kleider eines Reichen, da hast du recht gesehen. Ich trage sie, denn
ich bin ein Reicher gewesen, und trage das Haar wie die Weltleute und
Luestlinge, denn einer von ihnen bin ich gewesen. "

"Und jetzt, Siddhartha, was bist du jetzt?"

"Ich weiss es nicht, ich weiss es so wenig wie du. Ich bin unterwegs.
Ich war ein Reicher, und bin es nicht mehr; und was ich morgen sein
werde, weiss ich nicht."

"Du hast deinen Reichtum verloren?"

"Ich habe ihn verloren, oder er mich. Er ist mir abhanden gekommen.
Schnell dreht sich das Rad der Gestaltungen, Govinda. Wo ist der
Brahmane Siddhartha? Wo ist der Samana Siddhartha? Wo ist der Reiche
Siddhartha? Schnell wechselt das Vergaengliche, Govinda, du weisst es.

Govinda blickte den Freund seiner Jugend lange an, Zweifel im Auge.
Darauf gruesste er ihn, wie man Vornehme gruesst, und ging seines Weges.

Mit laechelndem Gesicht schaute Siddhartha ihm nach, er liebte ihn noch
immer, diesen Treuen, diesen AEngstlichen. Und wie haette er, in diesem
Augenblick, in dieser herrlichen Stunde nach seinem wunderbaren
Schlafe, durchdrungen von Om, irgend jemand und irgend etwas nicht
lieben sollen! Eben darin bestand die Verzauberung, welche im Schlafe
und durch das Om in ihm geschehen war, dass er alles liebte, dass er
voll froher Liebe war zu allem, was er sah. Und eben daran, so schien
es ihm jetzt, war er vorher so sehr krank gewesen, dass er nichts und
niemand hatte lieben koennen.

Mit laechelndem Gesichte schaute Siddhartha dem hinweggehenden Moenche
nach. Der Schlaf hatte ihn sehr gestaerkt, sehr aber quaelte ihn der
Hunger, denn er hatte nun zwei Tage nichts gegessen, und lange war die
Zeit vorueber, da er hart gegen den Hunger gewesen war. Mit Kummer,
und doch auch mit Lachen, gedachte er jener Zeit. Damals, so
erinnerte er sich, hatte er sich vor Kamala dreier Dinge geruehmt,
hatte drei edle und unueberwindliche Kuenste gekonnt:
Fasten--Warten--Denken. Dies war sein Besitz gewesen, seine Macht und
Kraft, sein fester Stab, in den fleissigen, muehseligen Jahren seiner
Jugend hatte er diese drei Kuenste gelernt, nichts anderes. Und nun
hatten sie ihn verlassen, keine von ihnen war mehr sein, nicht Fasten,
nicht Warten, nicht Denken. Um das Elendeste hatte er sie hingegeben,
um das Vergaenglichste, um SinnenIust, um Wohlleben, um Reichtum!
Seltsam war es ihm in der Tat ergangen. Und jetzt, so schien es,
jetzt war er wirklich ein Kindermensch geworden.

Siddhartha dachte ueber seine Lage nach. Schwer fiel ihm das Denken,
er hatte im Grunde keine Lust dazu, doch zwang er sich.

Nun, dachte er, da alle diese vergaenglichsten Dinge mir wieder
entglitten sind, nun stehe ich wieder unter der Sonne, wie ich einst
als kleines Kind gestanden bin, nichts ist mein, nichts kann ich,
nichts vermag ich, nichts habe ich gelernt. Wie ist dies wunderlich 1
Jetzt, wo ich nicht mehr jung bin, wo meine Haare schon halb grau sind,
wo die Kraefte nachlassen, jetzt fange ich wieder von vorn und beim
Kinde an! Wieder musste er laecheln. Ja, seltsam war sein Geschick!
Es ging abwaerts mit ihm, und nun stand er wieder leer und nackt und
dumm in der Welt. Aber Kummer darueber konnte er nicht empfinden, nein,
er fuehlte sogar grossen Anreiz zum Lachen, zum Lachen ueber sich, zum
Lachen ueber diese seltsame, toerichte Welt.

"Abwaerts geht es mit dir!" sagte er zu sich selber, und lachte dazu,
und wie er es sagte, fiel sein Blick auf den Fluss, und auch den Fluss
sah er abwaerts gehen, immer abwaerts wandern, und dabei singen und
froehlich sein. Das gefiel ihm wohl, freundlich laechelte er dem Flusse
zu. War dies nicht der Fluss, in welchem er sich hatte ertraenken
wollen, einst, vor hundert Jahren, oder hatte er das getraeumt?

Wunderlich in der Tat war mein Leben, so dachte er, wunderliche Umwege
hat es genommen. Als Knabe habe ich nur mit Goettern und Opfern zu tun
gehabt. Als Juengling habe ich nur mit Askese, mit Denken und
Versenkung zu tun gehabt, war auf der Suche nach Brahman, verehrte das
Ewige im Atman. Als junger Mann aber zog ich den Buessern nach, lebte
im Walde, litt Hitze und Frost, lernte hungern, lehrte meinen Leib
absterben. Wunderbar kam mir alsdann in der Lehre des grossen Buddha
Erkenntnis entgegen, ich fuehlte Wissen um die Einheit der Welt in mir
kreisen wie mein eigenes Blut. Aber auch von Buddha und von dem
grossen Wissen musste ich wieder fort. Ich ging und lernte bei Kamala
die Liebeslust, lernte bei Kamaswami den Handel, haeufte Geld, vertat
Geld, lernte meinen Magen lieben, lernte meinen Sinnen schmeicheln.
Viele Jahre musste ich damit hinbringen, den Geist zu verlieren, das
Denken wieder zu verlernen, die Einheit zu vergessen. Ist es nicht so,
als sei ich langsam und auf grossen Umwegen aus einem Mann ein Kind
geworden, aus einem Denker ein Kindermensch? Und doch ist dieser Weg
sehr, gut gewesen, und doch ist der Vogel in meiner Brust nicht
gestorben. Aber welch ein Weg war das! Ich habe durch so viel
Dummheit, durch so viel Laster, durch so viel Irrtum, durch so viel
Ekel und Enttaeuschung und Jammer hindurchgehen muessen, bloss um wieder
ein Kind zu werden und neu anfangen zu koennen. Aber es war richtig so,
mein Herz sagt Ja dazu, meine Augen lachen dazu. Ich habe
Verzweiflung erleben muessen, ich habe hinabsinken muessen bis zum
toerichtesten aller Gedanken, zum Gedanken des Selbstmordes, um Gnade
erleben zu koennen, um wieder Om zu vernehmen, um wieder richtig
schlafen und richtig erwachen zu koennen. Ich habe ein Tor werden
muessen, um Atman wieder in mir zu finden. Ich habe suendigen muessen,
um wieder leben zu koennen. Wohin noch mag mein Weg mich fuehren?
Naerrisch ist er, dieser Weg, er geht in Schleifen, er geht vielleicht
im Kreise. Mag er gehen, wie er will, ich will ihn gehen.

Wunderbar fuehlte er in seiner Brust die Freude wallen.

Woher denn, fragte er sein Herz, woher hast du diese Froehlichkeit?
Kommt sie wohl aus diesem langen, guten Schlafe her, der mir so sehr
wohlgetan hat? Oder von dem Worte Om, das ich aussprach? Oder davon,
dass ich entronnen bin, dass meine Flucht vollzogen ist, dass ich endlich
wieder frei bin und wie ein Kind unter dem Himmel stehe? O wie gut
ist dies Geflohensein, dies Freigewordensein! Wie rein und schoen ist
hier die Luft, wie gut zu atmen! Dort, von wo ich entlief, dort roch
alles nach Salbe, nach Gewuerzen, nach Wein, nach UEberfluss, nach
Traegheit. Wie hasste ich diese Welt der Reichen, der Schlemmer, der
Spieler! Wie habe ich mich selbst gehasst, dass ich so lang in dieser
schrecklichen Welt geblieben bin! Wie habe ich mich gehasst, habe mich
beraubt, vergiftet, gepeinigt, habe mich alt und boese gemacht! Nein,
nie mehr werde ich, wie ich es einst so gerne tat, mir einbilden, dass
Siddhartha weise seil Dies aber habe ich gut gemacht, dies gefaellt mir,
dies muss ich loben, dass es nun ein Ende hat mit jenem Hass gegen mich
selber, mit jenem toerichten und oeden Lebeill Ich lobe dich, Siddharta,
nach soviel Jahren der Torheit hast du wieder einmal einen Einfall
gehabt, hast etwas getan, hast den Vogel in deiner Brust singen hoeren
und bist ihm gefolgt!

So lobte er sich, hatte Freude an sich, hoerte neugierig seinem Magen
zu, der vor Hunger knurrte. Ein Stueck Leid, ein Stueck Elend hatte er
nun, so fuehlte er, in diesen letzten Zeiten und Tagen ganz und gar
durchgekostet und ausgespien, bis zur Verzweiflung und bis zum Tode
ausgefressen. So war es gut. Lange noch haette er bei Kamaswami
bleiben koennen, Geld erwerben, Geld vergeuden, seinen Bauch maesten und
seine Seele verdursten lassen, lange noch haette er in dieser sanf Len,
wohlgepolsterten Hoelle wohnen koennen, waere dies nicht gekommen: der
Augenblick der vollkommenen Trostlosigkeit und Verzweiflung, jener
aeusserste Augenblick, da er ueber dem stroemenden Wasser hing und bereit
war, sich zu vernichten. Dass er diese Verzweiflung, diesen tiefsten
Ekel gefuehlt hatte, und dass er ihm nicht erlegen war, dass der Vogel,
die frohe Quelle und Stimme in ihm doch noch lebendig war, darueber
fuehlte er diese Freude, darueber lachte er, darueber strahlte sein
Gesicht unter den ergrauten Haaren.

"Es ist gut," dachte er, "alles selber zu kosten, was man zu wissen
noetig hat. Dass Weltlust und Reichtum nicht vom Guten sind, habe ich
schon als Kind gelernt. Gewusst habe ich es lange, erlebt habe ich es
erst jetzt. Und nun weiss ich es, weiss es nicht nur mit dem Gedaechtnis,
sondern mit meinen Augen, mit meinem Herzen, mit meinem Magen. Wohl
mir, dass ich es weiss!"

Lange sann er nach ueber seine Verwandlung, lauschte dem Vogel, wie er
vor Freude sang. War nicht dieser Vogel in ihm gestorben, hatte er
nicht seinen Tod gefuehlt? Nein, etwas anderes in ihm war gestorben,
etwas, das schon, lange sich nach Sterben gesehnt hatte. War es nicht
das, was er einst in seinen gluehenden Buesserjahren hatte abtoeten
wollen? War es nicht sein Ich, sein kleines, banges und stolzes Ich,
mit dem er so viele Jahre gekaempft hatte, das ihn immer wieder besiegt
hatte, das nach jeder Abtoetung wieder da war, Freude verbot, Furcht
empfand? War es nicht dies, was heute endlich seinen Tod gefunden
hatte, hier im Walde an diesem lieblichen Flusse? War es nicht dieses
Todes wegen, dass er jetzt wie ein Kind war, so voll Vertrauen, so ohne
Furcht, so voll Freude?

Nun auch ahnte Siddhartha, warum er als Brahmane, als Buesser vergeblich
mit diesem Ich gekaempft hatte. Zu viel Wissen hatte ihn gehindert, zu
viel heilige Verse, zu viel Opferregeln, zu viel Kasteiung, zu viel
Tun und Streben! Voll Hochmut war er gewesen, immer der Kluegste,
immer der Eifrigste, immer allen um einen Schritt voran, immer der
Wissende und Geistige, immer der Priester oder Weise. In dies
Priestertum, in diesen Hochmut, in diese Geistigkeit hinein hatte sein
Ich sich verkrochen, dort sass es fest und wuchs, waehrend er es mit
Fasten und Busse zu toeten meinte. Nun sah er es, und sah, dass die
heimliche Stimme Recht gehabt hatte, dass kein Lehrer ihn je haette
erloesen koennen. Darum hatte er in die Welt gehen muessen, sich an Lust
und Macht, an Weib und Geld verlieren muessen, hatte ein Haendler, ein
Wuerfelspieler, Trinker und Habgieriger werden muessen, bis der Priester
und Samana in ihm tot war. Darum hatte er weiter diese haesslichen
Jahre ertragen muessen, den Ekel ertragen, die Lehre, die Sinnlosigkeit
eines oeden und verlorenen Lebens, bis zum Ende, bis zur bittern
Verzweiflung, bis auch der Luestling Siddhartha, der Habgierige
Siddhartha sterben konnte. Er war gestorben, ein neuer Siddhartha war
aus dem Schlaf erwacht. Auch er wuerde alt werden, auch er wuerde einst
sterben muessen, vergaenglich war Siddhartha, vergaenglich war jede
Gestaltung. Heute aber war er jung, war ein Kind, der neue Siddhartha,
und war voll Freude.

Diese Gedanken dachte er, lauschte laechelnd auf seinen Magen, hoerte
dankbar einer summenden Biene zu. Heiter blickte er in den stroemenden
Fluss, nie hatte ihm ein Wasser so wohl gefallen wie dieses, nie hatte
er Stimme und Gleichnis des ziehenden Wassers so stark und schoen
vernommen. Ihm schien, es habe der Fluss ihm etwas Besonderes zu sagen,
etwas, das er noch nicht wisse, das noch auf ihn warte. In diesem
Fluss hatte sich Siddhartha ertraenken wollen, in ihm war der alte, muede,
verzweifelte Siddhartha heute ertrunken. Der neue Siddhartha aber
fuehlte eine tiefe Liebe zu diesem stroemenden Wasser, und beschloss bei
sich, es nicht so bald wieder zu verlassen.




DER FAEHRMANN

An diesem Fluss will ich bleiben, dachte Siddhartha, es ist der selbe,
ueber den ich einstmals auf dem Wege zu den Kindermenschen gekommen bin,
ein freundlicher Faehrmann hat mich damals gefuehrt, zu ihm will ich
gehen, von seiner Huette aus fuehrte mich einst mein Wegin ein neues
Leben, das nun alt geworden und tot ist--moege auch mein jetziger Weg,
mein jetziges neues Leben dort seinen Ausgang nehmen!

Zaertlich blickte er in das stroemende Wasser, in das durchsichtige Gruen,
in die kristallenen Linien seiner geheimnisreichen Zeichnung. Lichte
Perlen sah er aus der Tiefe steigen, stille Luftblasen auf dem Spiegel
schwimmen, Himmelsblaeue darin abgebildet. Mit tausend Augen blickte
der Fluss ihn an, mit gruenen, mit weissen, mit kristallnen, mit
himmelblauen. Wie liebte er dies Wasser, wie entzueckte es ihn, wie
war er ihm dankbar! Im Herzen hoerte er die Stimme sprechen, die neu
erwachte, und sie sagte ihm: Liebe dies Wasser! Bleibe bei ihm!
Lerne von ihm! O ja, er wollte von ihm lernen, er wollte ihm zuhoeren.
Wer dies Wasser und seine Geheimnisse verstuende, so schien ihm, der
wuerde auch viel anderes verstehen, viele Geheimnisse, alle Geheimnisse.

Von den Geheimnissen des Flusses aber sah er heute nur eines, das
ergriff seine Seele. Er sah: dies Wasser lief und lief, immerzu lief
es, und war doch immer da, war immer und allezeit dasselbe und doch
jeden Augenblick neu! O wer dies fasste, dies verstuende! Er verstand
und fasste es nicht, fuehlte nur Ahnung sich regen, ferne Erinnerung,
goettliche Stimmen.

Siddhartha erhob sich, unertraeglich wurde das Treiben des Hungers in
seinem Leibe. Hingenommen wanderte er weiter, den Uferpfad hinan, dem
Strom entgegen, lauschte auf die Stroemung, lauschte auf den knurrenden
Hunger in seinem Leibe.

Als er die Faehre erreichte, lag eben das Boot bereit, und derselbe
Faehrmann, welcher einst den jungen Samana ueber den Fluss gesetzt hatte,
stand im Boot, Siddhartha erkannte ihn wieder, auch er war stark
gealtert.

"Willst du mich uebersetzen?" fragte er.

Der Faehrmann, erstaunt, einen so vornehmen Mann allein und zu Fusse
wandern zu sehen, nahm ihn ins Boot und stiess ab.

"Ein schoenes Leben hast du dir erwaehlt," sprach der Gast. "Schoen muss
es sein, jeden Tag an diesem Wasser zu leben und auf ihm zu fahren."

Laechelnd wiegte sich der Ruderer: "Es ist schoen, Herr, es ist, wie du
sagst. Aber ist nicht jedes Leben, ist nicht jede Arbeit schoen?"

"Es mag wohl sein. Dich aber beneide ich um die Deine."

"Ach, du moechtest bald die Lust an ihr verlieren. Das ist nichts fuer
Leute in feinen Kleidern."

Siddhartha lachte. "Schon einmal bin ich heute um meiner Kleider
willen betrachtet worden, mit Misstrauen betrachtet. Willst du nicht,
Faehrmann, diese Kleider, die mir laestig sind, von mir annehmen? Denn
du musst wissen, ich habe kein Geld, dir einen Faehrlohn zu zahlen."

"Der Herr scherzt," lachte der Faehrmann.

"Ich scherze nicht, Freund. Sieh, schon einmal hast du mich in deinem
Boot ueber dies Wasser gefahren, um Gotteslohn. So tue es auch heute,
und nimm meine Kleider dafuer an."

"Und will der Herr ohne Kleider weiterreisen?"

"Ach, am liebsten wollte ich gar nicht weiterreisen. Am liebsten waere
es mir, Faehrmann, wenn du mir eine alte Schuerze gaebest und behieltest
mich als deinen Gehilfen bei dir, vielmehr als deinen Lehrling, denn
erst muss ich lernen, mit dem Boot umzugehen."

Lange blickte der Faehrmann den Fremden an, suchend.

"Jetzt erkenne ich dich," sagte er endlich. "Einst hast du in meiner
Huette geschlafen, lange ist es her, wohl mehr als zwanzig Jahre mag
das her sein, und bist von mir ueber den Fluss gebracht worden, und wir
nahmen Abschied voneinander wie gute Freunde. Warst du nicht ein
Samana? Deines Namens kann ich mich nicht mehr entsinnen."

"Ich heisse Siddhartha, und ich war ein Samana, als du mich zuletzt
gesehen hast."

"So sei willkommen, Siddhartha. Ich heisse Vasudeva." Du wirst, so
hoffe ich, auch heute mein Gast sein und in meiner Huette schlafen, und
mir erzaehlen, woher du kommst, und warum deine schoenen Kleider dir so
laestig sind."

Sie waren in die Mitte des Flusses gelangt, und Vasudeva legte sich
staerker ins Ruder. um gegen die Stroemung anzukommen. Ruhig arbeitete
er, den Blick auf der Bootspitze, mit kraeftigen Armen. Siddhartha sass
und und sah ihm zu, und erinnerte sich, wie schon einstmals, an jenem
letzten Tage seiner Samana-Zeit, Liebe zu diesem Manne sich in seinem
Herzen geregt hatte. Dankbar nahm er Vasudevas Einladung an. Als sie
am Ufer anlegten, half er ihm das Boot an den Pfloecken festbinden,
darauf bat ihn der Faehrmann, in die Huette zu treten, bot ihm Brot und
Wasser, und Siddhartha ass mit Lust, und ass mit Lust auch von den
Mangofruechten, die ihm Vasudeva anbot.

Danach setzten sie sich, es ging gegen Sonnenuntergang, auf einem
Baumstamm am Ufer, und Siddhartha erzaehlte dem Faehrmann seine Herkunft
und sein Leben, wie er es heute, in jener Stunde der Verzweiflung, vor
seinen Augen gesehen hatte. Bis tief in die Nacht waehrte sein
Erzaehlen.

Vasudeva hoerte mit grosser Aufmerksamkeit zu. Alles nahm er lauschend
in sich auf, Herkunft und Kindheit, all das Lernen, all das Suchen,
alle Freude, alle Not. Dies war unter des Faehrmanns Tugenden eine der
groessten: er verstand wie wenige das Zuhoeren. Ohne dass er ein Wort
gesprochen haette, empfand der Sprechende, wie Vasudeva seine Worte in
sich einliess, still, offen, wartend, wie er keines verlor, keines mit
Ungeduld erwartete, nicht Lob noch Tadel daneben stellte, nur zuhoerte.
Siddhartha empfand, welches Glueck es ist, einem solchen Zuhoerer sich
zu bekennen, in sein Herz das eigene Leben zu versenken, das eigene
Suchen, das eigene Leiden.

Gegen das Ende von Siddharthas Erzaehlung aber, als er von dem Baum am
Flusse sprach, und von seinem tiefen Fall, vom heiligen Om, und wie er
nach seinem Schlummer eine solche Liebe zu dem Flusse gefuehlt hatte,
da lauschte der Faehrmann mit verdoppelter Auf merksamkeit, ganz und
voellig hingegeben, mit geschlossnem Auge.

Als aber Siddhartha schwieg, und eine lange Stille gewesen war, da
sagte Vasudeva: "Es ist so, wie ich dachte. Der Fluss hat zu dir
gesprochen. Auch dir ist er Freund, auch zu dir spricht er. Das ist
gut, das ist sehr gut. Bleibe bei mir, Siddhartha, mein Freund. Ich
hatte einst eine Frau, ihr Lager war neben dem meinen, doch ist sie
schon lange gestorben, lange habe ich allein gelebt. Lebe nun du mit
mir, es ist Raum und Essen fuer beide vorhanden."

"Ich danke dir," sagte Siddhartha, "ich danke dir und nehme an. Und
auch dafuer danke ich dir, Vasudeva, dass du mir so gut zugehoert hast!
Selten sind die Menschen, welche das Zuhoeren verstehen, Und keinen
traf ich, der es verstand wie du. Auch hierin werde ich von dir
lernen."

"Du wirst es lernen," sprach Vasudeva, "aber nicht von mir. Das
Zuhoeren hat mich der Fluss gelehrt, von ihm wirst auch du es lernen.
Er weiss alles, der Fluss, alles kann man von ihm lernen. Sieh, auch
das hast du, schon vom Wasser gelernt, dass es gut ist, nach unten zu
streben, zu sinken, die Tiefe zu suchen. Der reiche und vornehme
Siddhartha wird ein Ruderknecht, der gelehrte Brahmane Siddhartha wird
ein Faehrmann: auch dies ist dir vom Fluss gesagt worden. Du wirst auch
das andere von ihm lernen."

Sprach Siddhartha, nach einer langen Pause: "Welches andere,
Vasudeva?"

Vasudeva erhob sich. "Spaet ist es geworden," sagte er, "lass uns
schlafen gehen. Ich kann dir das andere nicht sagen, o Freund. Du
wirst es lernen, vielleicht auch weisst du es schon. Sieh, ich bin
kein Gelehrter, ich verstehe nicht zu sprechen, ich verstehe auch
nicht zu denken. Ich verstehe nur zuzuhoeren und fromm zu sein, sonst
habe ich nichts gelernt. Koennte ich es sagen und lehren, so waere ich
vielleicht ein Weiser, so aber bin ich nur ein Faehrmann, und meine
Aufgabe ist es, Menschen ueber diesen Fluss zu setzen. Viele habe ich
uebergesetzt, Tausende, und ihnen allen ist mein Fluss nichts anderes
gewesen als ein Hindernis auf ihren Reisen. Sie reisten nach Geld und
Geschaeften, und zu Hochzeiten, und zu Wallfahrten, und der Fluss war
ihnen im Wege, und der Faehrmann war dazu da, sie schnell ueber das
Hindernis hinweg zubringen. Einige unter den Tausenden aber, einige
wenige, vier oder fuenf, denen hat der Fluss aufgehoert, ein Hindernis zu
sein, sie haben seine Stimme gehoert, sie haben ihm zugehoert, und der
Fluss ist ihnen heilig geworden, wie er es mir geworden ist. Lass uns
nun zur Ruhe gehen, Siddhartha."

Siddhartha blieb bei dem Faehrmann und lernte das Boot bedienen, und
wenn nichts an der Faehre zu tun war, arbeitete er mit Vasudeva im
Reisfelde, sammelte Holz, pflueckte die Fruechte der Pisangbaeume. Er
lernte ein Ruder zimmern, und lernte das Boot ausbessern, und Koerbe
flechten, und war froehlich ueber alles, was erlernte, und die Tage und
Monate liefen schnell hinweg. Mehr aber, als Vasudeva ihn lehren
konnte, lehrte ihn der Fluss. Von ihm lernte er unaufhoerlich. Vor
allem lernte er von ihm das Zuhoeren, das Lauschen mit stillem Herzen,
mit wartender, geoeffneter Seele, ohne Leidenschaft, ohne,Wunsch, ohne
Urteil, ohne Meinung.

Freundlich lebte er neben Vasudeva, und zuweilen tauschten sie Worte
miteinander, wenige und lang bedachte Worte. Vasudeva war kein Freund
der Worte,.selten gelang es Siddhartha, ihn zum Sprechen zu bewegen.

"Hast du," so fragte er ihn einst, "hast auch du vom Flusse jenes
Geheime gelernt: dass es keine Zeit gibt?"

Vasudevas Gesicht ueberzog sich mit hellem Laecheln.

"Ja, Siddhartha," sprach er. "Es ist doch dieses, was du meinst: dass
der Fluss ueberall zugleich ist, am Ursprung und an der Muendung, am
Wasserfall, an der Faehre, an der Stromschnelle, im Meer, im Gebirge,
ueberall, zugleich, und dass es fuer ihn nur Gegenwart gibt, nicht den
Schatten Vergangenheit, nicht den Schatten Zukunft?"

"Dies ist es," sagte Siddhartha. "Und als ich es gelernt hatte, da
sah ich mein Leben an, und es war auch ein Fluss, und es war der Knabe
Siddhartha vom Manne Siddhartha und vom Greis Siddhartha nur durch
Schatten getrennt, nicht durch Wirkliches. Es waren auch Siddharthas
fruehere Geburten keine Vergangenheit, und sein Tod und seine Rueckkehr
zu Brahma keine Zukunft. Nichts war, nichts wird sein; alles ist,
alles hat Wesen und Gegenwart."

Siddhartha sprach mit Entzuecken, tief hatte diese Erleuchtung ihn
beglueckt. 0, war denn nicht alles Leiden Zeit, war nicht alles
Sichquaelen und Sichfuerchten Zeit, war nicht alles Schwere, alles
Feindliche in der Welt weg und ueberwunden, sobald man die Zeit
ueberwunden hatte, sobald man die Zeit wegdenken konnte? Entzueckt
hatte er gesprochen, Vasudeva aber laechelte ihn strahlend an und
nickte Bestaetigung, schweigend nickte er, strich mit der Hand ueber
Siddharthas Schulter, wandte sich zu seiner Arbeit zurueck.

Und wieder einmal, als eben der Fluss in der Regenzeit geschwollen war
und maechtig rauschte, da sagte Siddhartha: "Nicht wahr, o Freund, der
Fluss hat viele Stimmen, sehr viele Stimmen? Hat er nicht die Stimme
eines Koenigs, und eines Kriegers, und eines Stieres, und eines
NachtvogeIs, und einer Gebaerenden, und eines Seufzenden, und noch
tausend andere Stimmen?"

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