Der Gwissenswurm
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Ludwig Anzengruber >> Der Gwissenswurm
Lied
Erloes uns von des Lebens Pein,
O Herr, in deinen Gnaden
Und fuehr uns in den Himmel ein,
Das kann uns gar nicht schaden!
(Wie beide einsetzen, um die zwei letzten Zeilen zu wiederholen, faellt
rasch der Vorhang.)
Anzengruber: Der Gwissenswurm, I. Akt, 9. Szene
Verwandlung
Freie Gegend. Im Hintergrund ein Teil des Grillhoferschen Hauses, ein
Fenster nach der Buehne zu steht offen, dessen bunte, kurze Vorhaenge
verwehren den Einblick in die Stube. Ein Zaun mit Einlass in der Mitte
schliesst den Hintergrund ab. Vorne rechts ueber einen niederen Graben
faehrt ein Steg. Links im Vordergrunde ein Heuschober.
Neunte Szene
Liesel kommt ueber den Steg, sie traegt einen Anzug, der von dem der andern
Dirnen abweicht und zeigt, dass sie aus einer andern Gegend daheim.
Lied
Mit ueble Vorsaetz geh
Fort aus'm Haus,
Glei schaut die ganze Welt
Anderschter aus!
Bin zeitlich fruh noch fort
Im Morgendunst,
Kenn alle Hund im Ort,
Freundlich warn s'sunst!
Nenn jeden bei sein Nam,
Kenn jeden gnau,
Hizt bellen s'hinter oam:
"Schau, schau, schau, schau!
Da geht d' Horlacher-Lies,
Mit der's net richtig is!
Schau, schau, schau, schau!"
(Jodler ad libitum.)
D' Voegerln, die in der Fruh
Singen so lieb,
Die schrein jetzt ein'm zu:
"Dieb, Dieb, Dieb, Dieb!
Ui, doe Horlacher-Lies,
Mit der's net richtig is!
Dieb, Dieb, Dieb, Dieb!"
(Jodler. Mit einer Gebaerde, mit der man Voegel verscheucht, in die Haende
klatschend.) Gscht! Nixnutzigs Gfliederwerk, nit wahr is's, so is die
Horlacher-Lies net! Freilich hot die Mahm gsagt: hingehst und
einschmeichelst dich! Als ob ich a Katz waer! Aber kein Red, does tu ich
net. Aber furt von hoam bin i gern, u mein, wie gern! Jahraus, jahrein
kein andern Kirchturm sehn als den von Ellersbrunn, d' schoen Zeit ueber vor
harter Arbeit 's Kreuz kaum gspuern und 'n Winter ueber beim Spinnradl
sitzen... oh, du mein Gott, und auf einmal frei h'nausrennen duerfen in
die schoen gruene, lichte Gotteswelt h'nein--haha, bleibet a Narr hoam!
--Jesses und Joseph! Frei kugeln moecht i mich im Heu!
Zehnte Szene
Vorige. Wastl.
Wastl (schon etwas freier sichtbar, ist bei den letzten Worten durch den
Zaun aufgetreten, noch rueckwaerts), Tu's, Dirndel, ich schau dir gern zu!
Liesel (halb nach ihm gewendet). Wusst ich, du denkst was Unrechts,
kriegest mir eine!
Wastl (kommt vor). No wusst i gern, was d' dir denkst, dass i mir denkt
haett, han, Dirndl? (Erkennt sie.) Oh, heilig Mutter Anna, doe is's?!
Liesel. Jegerl, der Wastl!
Wastl. Ja, der Wastl und du bist doe Horlacher-Lies, eh schon wissen.
Haett mir's net denkt, ich komm no z'samm ... Was suchst du denn da h'rum?
Liesel. 'n Grillhofer.
Wastl. 'n Grillhofer?
Liesel. Ja 'n Grillhofer!
Wastl. So, 'n Grillhofer?--No, dem sein Grossknecht bin ich. Willst
leicht in Dienst bei ihm? Da haett ich a a Wartl dreinzureden. Mir zwei
taugen net unter ein Dach, und wann dich gleich der Bauer nahm, so rennet
ich heunt no auf und davon.
Liesel. Zwegn meiner brauchst kein Schuh z' zreissen. Ich bin nur auf
Bsuch!
Wastl. Auf Bsuch?
Liesel. Jo, auf Bsuch.
Wastl. So, auf Bsuch? Was willst eahm denn?
Liesel. Does geht di nix an.--Sag amal, was is denn der Grillhofer fuer a
Mon?
Wastl. A trauriger.
Liesel. Ui je, does taugt mer net, da geh ich lieber glei wieder.
Wastl. Is a gscheiter.
Liesel. Aber geh, Wastl, was hast denn gegn mi? Tut's dich denn net a
wengerl gfreun, dass mir uns wieder zsammfinden?
Wastl. Muesst's luegn!--Solltst dich eigentlich schamen, dass d'mich
derkennst.
Liesel. Wusst net, warum! Kimmt's mer doch voellig fuer, als schamest du
dich.
Wastl. I mi? Zwegn we, ich frag no, zwegn we?
Liesel. No schau, Wastl, wann ich dir als alte Bekaennte gut dafuer bin,
bleib ich dir derweil die Antwort schuldig, aber moechst mer net sagn,
zwegn we ich mich schamen sollt?
Wastl. No, does ist doch klar.
Liesel. So sag's!
Wastl. "Sag's!"--O du... "Sag's!" sagt s'! Hat's dir denn no nie leid
tan, wie d' mir mitgspielt hast, wie ich no in Ellersbrunn Knecht war?
Liesel. Wie 's du Knecht warst in Ellersbrunn?
Wastl. Jo, wie i Knecht war in Ellersbrunn.
Liesel (nachdenkend), So, wie d' Knecht warst in Ellersbrunn?
Wastl. Tu no, als wusst von all'm nix.
Liesel. Kann's doch schon die Zeit ueber vergessen habn!
Wastl. Does sieht dir schon gleich! Ja, dir schon.
Liesel. No, geh, so sag's, wie's war!
Wastl. Wenn i mag!
Liesel. Magst schon, wann i dich bitt.
Wastl. Meinst? Bist a weng sicher.
Liesel. Aber, Wastl, was tust denn so harb? Ich wusst rein nix!
Wastl. Da schlag doch 's Wetter'drein. Bin ich dir net in Ellersbrunn
nachgrennt wie narrisch?
Liesel (sieht ihn von der Seite an). Freilich, wohl, wohl! Selb laugn
ich net!
Wastl. Stund dir a schlecht an!
Liesel. Is ja alles zwischen uns zwei in Ehrn verbliebn.
Wastl (grimmig). Ebens drum!
Liesel. Aber, Wastl, wird dich doch nit harbn, dass sich keins von uns
versuendigt hat?
Wastl. Does net! Does freili noet! In Ehrn is alls verbliebn, is a dumme
Gschicht, aber es muss ein recht sein; mit einer Dirn, was net auf sich
halt, lasst sich a kein rechter Bub gern ein. War schon recht does
Dich-in-Ehren-Halten, aber mich fuern Narren halten war von unnoeten!
Liesel. Geh! Und wie is denn does zugangen?
Wastl (eifrig). Does fragst du no? Du fragst does no? Na, ich dank! Han,
wie ich gmeint hab, ich moecht dir taugn, hab ich dich net gfragt, wo mir
zsammkomma kinnten?
Liesel. Ja, does hast gfragt.
Wastl. Und weil dir's auf der Heid z' einschichtig war
Liesel. Freili Wastl. Und mir auf der Landstrassen z' leutselig, hon i
gsagt, ich kimm in Wald.
Liesel. Bist jo a kumma!
Wastl. Jo, aber du bist wegbliebn! Sikra h'nein, von wie es Mondschein
raufkaemma is, bis's wieder abigangen is, bin ich dort am Fleck gwest und a
Kaelten hat's ghabt, dass's ein schier d' Seel aus 'm Leib haett rausbeuteln
moegn!
Liesel. No, hon ich dir's drauf net gut gmeint, hon ich net gsagt: wann
dir die Kaelten zwider war, sollst af d' steile Wand gehn, wann hoch um
Mittag is?
Wastl. No, war ich net durt? War a a Hitz zum Verschmachten. Wer aber
wieder net kaemma is, warst du.
Liesel (ironisch). Du hast dich aber neamer beklagt.
Wastl. Ah freili, noch ja, dass d' mi leicht no zum Auffrischen in
Muehlbach schickest! Dank schoen. Teufi h'nein! (Stampft mit dem Fusse auf.
) Frotzel ein'm net! (Wendet sich ab, sieht aber zuletzt widerwillig nach
der Liesel, die laut auflacht, lacht mit.)
Liesel (lustig). Aber schau, Wastl, was kann a Dirn auf a Lieb gehn, doe
net amal bissel Kaltstelln und Aufwarmen vertragt! Da is ja mehr Verlass
afs sauere Kraut!
Wastl. Du bist a eine, doe 'm Teufel aus der Butten gsprunga is! Geh zu!
Liesel. No, lass dir a was sagn, Wastl!
Wastl. Red, wann's dir a Freud macht, auf sitz ich dir neamer!
Liesel. Sag mir amal, Wastl: wie dir im Wald und af der Wand langweilig
wordn is, warum bist denn nit hoamgangen?
Wastl. Warum ich net hoamgangen bin?
Liesel. Jo, warum d'net hoamgangen bist?
Wastl. No, a so--weil--a so halt, weil i net hoamgangen bin!
Liesel. Werd ich dir's halt sagen, Wastl, warum d' net hoamgangen bist!
Wastl. No, wann d' es besser weisst als i selber, so sag's.
Liesel (stellt sich ganz nahe zu Wastl). Weil d' es hast vor die andern
Bubn net merken lassen wollen, dass d'umsonst warst (stoesst ihn mit dem
Ellbogen in die Seite), weil's haett ausschaun solln, als waer ich durt
gwest, und wie lang a noch! Han (stoesst ihn wieder), war does rechtschaffen
gegn a ehrliche Dirn? So red was! (Holt wieder zu einem Stoss aus.)
Wastl. Na, net--net--(faengt ihren Arm auf) meint mer doch nit, du warst
da h'rum so spitzig!
Liesel. Auslass, sag ich!--Aber ich hab mich schon auskennt und allmal zur
Zeit, wo ich mit dir haett gehn solln, hab ich mich mit meine Kameradinnen
huebsch im Ort sehn lassen.
Wastl. Jo, jo, und drauf is does Frotzeln und Feanzeln angangen--und furt
musst ich aus Ellersbrunn, weil ich doch net does ganze Buamergsindel ein
um'n andern niederschlagn mag.
Liesel. Hast aber a ein Unterschied gmerkt zwischen ehrliche Dirndeln und
der leichten War.
Wastl. A ja, does schon, und wie! Hab's a allzsamm in die Hoell
abigwunschen.
Liesel. Selb macht nix, rennen mehr do no af der Welt h'rum!--Aber dir
war schon recht gschehn fuer dein unehrlichs Gspiel!
Wastl. No, wer sagt, es haett net do no ehrlich ausgehn moegn?
Liesel. Du hast es net gsagt.
Wastl. No ja, damal war ich dumm und hon gmeint, leicht kunntst du no
duemmer sein. Aber sider der Zeit bin ich schon gscheit wordn.
Liesel. Does sahet mer dir doch net an.
Wastl. Hm, liegt mer net auf, wann du's net bemerkst! Meinst, weil ich
mich mit eng Weibsleut net einlass'? Bei eng gilt a jeder fuer dumm, der
sich net anstellt wie a Kater im Marzi. Der Gscheiter halt sich grad af
die Seiten.--Wie ich damal furt bin, von Ellersbrunn, hon ich mir denkt:
no hast abgwirtschaft in der Lieb fuer dein Lebzeit. D' Horlacher-Lies waer
die einzige, die dir taugt haett, und doe spielt dir so mit!--Und schad is,
wann d' weitersuchst, a zweite wie die Horlacher-Lies gibt's neamer af der
Welt!--Gleichwohl taugt a doe nix. Aus is und gar is, schaust dich gar
neamer weiter um unter dem Kittelwerk. So hon ich's a ghalten.
Liesel (schelmisch). Geh zu, du kannst ein ja voellig stolz machen, Wastl.
Wastl. Ahan, does gang dir grad no ab zu doe uebrigen Sachen, doe d' an dir
hast!
Liesel. Na geh, mach ein'm net schlechter. Kannst es denn wissen, ob mir
net hart gschehn is um dich?
Wastl. Wird dir a hart gschehn sein?! Ausser es is mittlerweil einer
kaemma, der dir's abgwonnen hat.
Liesel. Na, does is net! Ich bin mir grad so gscheit wie du.
Wastl. Was? Du warst noch, wie mir damal voneinand gangen sein.
Liesel. Akrat!
Wastl. Kannst mer in d'Augn schaun, Dirndl?
Liesel. Kerzengrad a noch!
Wastl. Schwoer!
Liesel. Meiner Seel und Gott!--No, sag mir aber, Wastl, wann's nur doe
eine Horlacher-Lies af der Welt gibt, warum stund dir denn die a neamer
an?
Wastl. Ja weisst, Liesel, does is a so! Du bist freilich a so a recht, wie
d' bist, aber a so bist net, wie ich mir dich einbildt hab.
Liesel. No, so sei halt kein so einbilderischer Ding!
Wastl. Ja, mein Gott, does verstehst net. Does is halt wieder a so: Wann
ma di a so anschaut, da kriegt ma erst vorm Herrgottn Respekt, der a so
was af d' Fuess stellt, so frisch und lebig und sauber und kreuzbrav, does
war schon doe Horlacher-Lies, wie's kein zweite net gibt. Aber wann ma
denkt, wie du ein'm mitspieln magst, wo du deine Krampeln versteckt hast,
da meint mer doch, selb taugt a wieder net; wann d' nur a bissel a
Demuetigkeit no haettst!
Liesel. Jegerl, geh zu, weil du so demuetig bist, glangst glei keck nach
der Dirn, wie's kein zweite mehr gibt, und verwunderst dich, dass doe net
gleich a bemerkt, dass du der Wastl bist, wie's kein zweiten mehr gibt!
Wastl (lachend). Ah na, so hon i nie gredt.
Liesel. Aber tan hast darnach!
Wastl. Na, na, aber so tu ich neamermehr und no sein mir allzwei
gscheiter und no koennt mer's rechtschaffen und ehrlich von vorn wieder
anheben, wann dir nur taugen moecht.
Liesel. Wer weiss, ob's mir net taugt!
Wastl. Aber, Liesel, neamer fuern Narren halten.
Liesel. Aber, Wastl, wie wurd denn does sein kinna, du bist ja hizt so
viel gscheit.
Wastl. Na, dir is mer's leicht net gnug. Aber reden lass no mit dir
drueber nach'm Feierabend!
Liesel. Wohl, wohl.
Wastl. Wo bstellst mich denn hin?
Liesel. Weisst's ja eh--in Muehlbach!
(Die in der kommenden Szene Auftretenden werden hier sichtbar.)
Wastl. O du Unend, does zahlst mer! (Will sie an sich ziehen und kuessen.)
Liesel (wehrt ihn ab). A Ruh gibst! Eine hob ich dir schon
versprochen--d' zweite verdienst hizt! (Hat ihn gegen den Heuschober und
in die Enge getrieben.) Zahltag ist!
Wastl (wehrt sich). Aber noet vor doe Leut, Liesel!
Anzengruber: Der Gwissenswurm, I. Akt, 11. Szene
Elfte Szene
Vorige. Knechte und Maegde, darunter Michl und Annemirl, Rosl. Alle durch
den Zaun auftretend.
Michl. Ho, Grossknecht, wehr dich! Wehr dich, sunst geht's dir schlecht.
Wastl. Halt's Maul!
Annemirl. Je, schau, schau! Weiss mer's doch jetzt, warum 'n Wastl kein
hiesige Dirn net ansteht! Does is sein Schatz, und der kimmt von auswaerts!
Wastl (sieht sie von der Seite an). Besser a Dirn kimmt von auswaerts, als
sie geht nach einwaerts, does steht net schoen.
Rosl. No no, Wastl, richtig is net mit dir. Hast vergessen, dass Mittag
is? Wir sein alle schon abgfuttert, hab dir dein Essen af d' Seit gstellt.
Wastl. Ich frag nach kein'm Essen. Han, Liesel, magst du's leicht habn?
Hast ein weiten Weg hinter deiner; wirst hungrig sein.
Liesel. No, wann viel is, gib's her.
Wastl. Wird net wenig sein. Kumm nur. Und dann schau, dass d' mit unsern
Bauer auf gleich kimmst!
Michl. Liesel heisst s'?
Annemirl. Soll s' in Dienst?
Rosl. Does war recht. Wastl, doe bring nur auf 'n Hof. Bist so lustig,
wie's d' ausschaust, Dirndl?
Liesel. Bin mein Lebtag net trauriger gwest wie hizt.
Rosl. Nachher is's schon recht. Brachst 'n Bauer wieder zrecht, does war
a verdienstlich Werk; moecht mer doch wieder lachen und lustig singen hoern
auf'n Hof, wie ma alt wordn is dabei.
Liesel. No, soll does net sein?
Rosl. U mein, na! Hoerst nix als von Buss und von Reu und vom Versterbn!
Liesel. Na, da tu ich net mit!
Rosl. Und koans soll sich ruehrn!
Liesel. oes armen Hascher, oes! No, ich ghoer net zu doe Engern und
justament sing ich hizt oans!
Wastl. Noet, Liesel, na; war no z' fruh! Eh schau, dass dich der Bauer
leiden mag!
Liesel. Weisst ja net, was ich ihm will und ob mir drum is, dass ich ihm
ansteh! Kraenkt mich ja gar net, wann er mich gleich davonjagt, und dann
geh ich wieder und bring der Mahm ein schoen Gruss.
Wastl. Du gangst--glei -?
Liesel. Wonn a i geh, kannst ja du doch kimma!
Wastl. No is's eh recht!
Liesel. No, und hizt lassts mich aus! Wann ich mir 's Einwendige von so
einer traurigen Wirtschaft betrachte wird mir eh die Luft zwenig in der
Stubn und ich bin mir nimmer gleich, bis ich wieder drausst bin. Muss ich
schon eini, solang ich noch ausserhalb bin, bin ich d' Horlacher-Lies und
zum Trutz noch einmal so lustig!
Lied
1.
A Bub kimmt zun Himmel,
Fragt beim Petern sich an:
"Gibt's da Zithern und Dirndeln?
So bist du mein Mon!"
Und drauf sagt der Peter:
"Does gibt's bei uns net!"
Und da kratzt sich der Bub
Hinterm Waschl und geht.
(Jodler.)
2.
Der Bub kimmt zur Hoell drauf,
Fragt beim Teuxel sich an:
"Gibt's da Zithern und Dirndeln?
So bist du mein Mon!"
Und drauf sagt der Teuxel:
"Does gibt's bei uns net!"
Und da kratzt sich der Bub
Hinterm Waschl und geht.
(Jodler.)
3.
Und Zithern und Derndeln,
Na, doe kann i net lon,
Und so steht mer der Himmel
Und 's Hoellreich net an.
O schoen gruene Welt,
Lass sagn, wie d'mer gfallst,
Solang Zithern klingen
Und mei Dirndl mich halst!
Chor
O schoen gruene Welt
Lass sagn, wie d'mer gfallst,
Solang Zithern klingen
Und mei Dirndl mich halst!
(Jodler.)
(Zugleich hoert man hinter der Szene Grillhofer und Dusterer das Busslied
singen.)
Erloes uns von des Lebens Pein,
O Herr, in deinen Gnaden
Und fuehr uns in den Himmel ein,
Das kann uns gar nicht schaden!
Anzengruber: Der Gwissenswurm, II. Akt, 1. Szene
Zweiter Akt
Garten des Grillhoferschen Gehoeftes. Rechts, mehr vorne, praesentiert sich
eine andere Ansicht des Hauses wie im ersten Akte. Verwandlung. Eine
Tuere, unmittelbar neben derselben, jedoch schon ganz in den Vordergrund
gerueckt, eine Laube, in welcher ein Tisch und Baenke stehen. Im
Hintergrunde, in Mannshoehe ueber dem Boden, schliesst ein lebender Zaun die
Buehne ab, zu dessen aus Pruegelholz genagelten Einlassschranken ein Anstieg
hinanfuehrt. Ein Gebirgspanorama vervollstaendigt die Dekoration.
Erste Szene
Dusterer. Grillhofer. Rosl. Durch die Haustuere.
Dusterer (uebereifrig, noch unsichtbar, hinter der Szene). So--so--nur a
weng ins Freie--und die Stuben derweil lueften--und a bissel Waldrauch
einemachen! (Stuerzt heraus, einen Kopfpolster unterm Arm, den er sogleich
in der Laube an einer Banklehne zurechtlegt. Grillhofer, von Rosl gefuehrt,
folgt langsam.) Nur langsam--geht schon, geht schon--halt dich nur an d'
Rosl.--Schau, selb tun dir dann alles meine Kinder.--Na siehst, so sein
wir da!--Ja, ja so ein Schwagern habn, does is schon die neunte Seligkeit!
No, sitz nur nieder!
Grillhofer (setzt sich). No, niedersetzen--is eh recht! (Rosl richtet
den Polster und geht dann ab.)
Dusterer. So!--Und nachhert, dass ich sag, ja, dass ich sag, der Bader
meint, wann dich 's Ausgehn gfreun moecht, kunntst es schon wagn!
Grillhofer. Der Bader... der Bader, does is a Esel, kunnt ebensogut sagn,
wann mich 's Tanzen und Springen gfreut, soellt ich mich net abhalten
lassen.
Dusterer. No, no, wer weiss, wann's die Busshaftigkeit verlanget, wie
beispielsmaessig der Koenig David zu Gottes Ehr tanzt hat--brachst es leicht
a zwegn. Und wann dir recht war--schaden tat's net, meinet der
Bader--na--ja--so kunnt mer morgn schon nach der Kreisstadt fahrn
hin--hin--beispielmaessig, weil d' selber gmeint hast, es moecht dir recht
sein--wegn der Ordnung--no--beispielmaessig nur.
Grillhofer. Hast du's aber eilig!
Dusterer. I? Ah na--noet dran denken--aber weil du selbn
schon--beispielmaessig-Grillhofer. Is schon gut.
Dusterer. No weisst, ich mein halt nur, doe arme Seel da nur koennt's voellig
net derpassen und tat ihr schon 's erste Ruckerl wohl, was af unser
eindringlich Fuerbitten gschahet. Beispielmaessig halt 's der Teuxel an
oaner langen Ketten, wie a Bub ein Maikaefer an ein Bindfaden; wie mir aber
anhebn, muss er 's scho a Broeserl auffilassen, noet hoeher leicht wie die
Laubn da, aber doch, und wie mir noet nachlassen, is's mitm zweiten Schub
scho durt aufm Nussbaum und so hoeher und allerweil hoeher, und wann du dich
dann noch einsetzt mit dein guten Werk und wirfst dein Gut ins Meer, dann
reisst die Ketten mitten wurz voneinander und--heidi!--fliegt doe Seel auffi
in Himmel, hast es net gsehn!--holt 's kein Teuxel mehr ein!
Hehe--ja--ja-Grillhofer. Hehe--war eh recht.
Dusterer. Und dein Gwissenswurm, was desstwegen in deiner Brust war, findt
nix mehr z' nagn und z' beissen und verstirbt dir elendig--aber schon
elendig--der Sakra! Und allzwei seids derloest.
Grillhofer. War scho recht, war eh recht!
Dusterer. No, magst dich drauf verlassen--hm, ja!--(Blickt angelegentlich
gegen den Himmel, spricht aber so wie nebenher fort zu Grillhofer.) Glaub
mir, wann ich dir was sag: der Wurm fliegt in Himmel und die Magdalen
verstirbt dir elendig...
Grillhofer. Ah na--no 's selb war ja verkehrt!
Dusterer. Was?--Ah ja--ahan--hon ich's gfahlt gebn?
Grillhofer. No, wie! Nach was hast denn ausguckt?
Dusterer (etwas kleinlaut). Ob moring--ob moring wohl a schoen Wetter sein
moecht, beispielmaessig, dass mir a weng furtfahrn kunnten.
Anzengruber: Der Gwissenswurm, II. Akt, 2. Szene
Zweite Szene
Vorige ohne Rosl. Wastl mit Liesel. Durch die Haustuere.
Wastl. No, da hastn ja, 'n Grillhofer! Siehst, der mit 'm Polster auf'm
Rucken.
Grillhofer. O du Lalli, "der mit 'm Polster auf'm Rucken", sagt er, wie
wann der angwachsen war! Was gibt's denn?
Wastl. Does Dirndl will z' dir af Bsuch.
Grillhofer. So, so, na, kimm nur naheter--wer bist denn--woher kimmst
denn--was willst mer denn, han?
Liesel. U mein Jegerl, does dermerk ich mir ja gar net der Reih nach, dein
Fragn nach bist lang noet so alt, als d' ausschaust; aber, Bauer, does muss
ja schoen langsam gehn und Tipferl... fuer Tipferl!
Grillhofer. So, so, han, und nach jedem Tipferl schadet a gut Troepferl a
net? Na, Wastl, schau halt nach der Rosl, soe soll dir a Flaschen Suessen
gehn und a weng Schleckwerk findt sich wohl a noch in der Speis. (Wastl
ab).
Anzengruber: Der Gwissenswurm, II. Akt, 3. Szene
Dritte Szene
Vorige, ohne Wastl.
Grillhofer. No, sitz nieder, Dirndl!
Liesel. Mit Verlaub! (Setzt sich Grillhofer gegenueber.)
Grillhofer. Werdn mer halt schoen langsam Tipferl fuer Tipferl fuergehn. So
sag amal, wer d'bist?
Liesel. D' Horlacher-Lies hoassen s' mich.
Grillhofer. Horlacher? Schau! Und woher kimmst denn?
Liesel. Von Ellersbrunn.
Grillhofer. Von Ellersbrunn. No, is schon richtig, no bsinn ich mich
schon. I hon a alte Horlacherin aus Ellersbrunn kennt.
Liesel. Does is mei Mahm.
Grillhofer. Ja, ja, a kloans dicks Weiberl, i weiss schon. Is a paarmal
in mein Haus kaemma, wie noch mein Alte--Gott hab s' selig--bein Leben war.
Sider der Zeit hon ich s'neamer gsehn.
Liesel. Mir sein a mit dir in Verwaendtschaft.
Grillhofer. So? Does is 's erste Mal, dass i davon hoer! Wie denn wohl?
Liesel. Aus ihrer Mutter ihrer ersten Eh hat dein Weib ein Halbbrudern
ghabt und dem sein Gschwistertkinderssohn hat meiner Mahm ihr
Gschwistertkinderstochter gheirat.
Grillhofer. So? So?--Mein Weib ihr halbeter Bruder... na, wie war does
nachert gwesen?
Liesel. Dein Weib ihrn Halbbruder sein Gschwistertkinderssohn hat meiner
Mahm ihr Gschwistertkinderstochter gheirat.
Grillhofer. Da tut ein'm der Kopf weh dabei!
Liesel. I hab mern net drueber zbrochen, ich hon does Gsetzel einglernt wie
a Starl, wie die Schulkinder 'n Katechisimus!
Grillhofer. Bist doch aufrichtig.
Liesel. Na, wohl, und schon wie!
Anzengruber: Der Gwissenswurm, II. Akt, 4. Szene
Vierte Szene
Vorige. Wastl (kommt zurueck).
Wastl (stellt eine Tasse mit einer Flasche Rotwein und Glaesern darauf und
einen Teller mit Kuchen auf den Tisch).
Grillhofer. Bleib nur da, Wastl, musst 'n Hausvatern machen, musst
einschenken und nachfuelln! Ich glang net so weit und soll ich was haltn,
zittern mer d' Haend, verschuettet leicht was, war schad drum!
Wastl (fuellt ein Glas und setzt es der Liesel hin).
Liesel. Auf dein Wohlsein! (Kostet.)
Wastl (die Flasche in der Rechten, deutet mit der Linken, in der er das
Glas haelt, auf Dusterer). Kriegt der a was?
Grillhofer. No, wohl, wohl!--Fangst scho wieder an?
Dusterer (streckt die Hand abwehrend nach dem Glas aus). Na, na--wann ma
net vergunnt is... wann ma net vergunnt is...
Grillhofer. Einschenk, sag ich! Du Sakra, du!
Wastl (schenkt ein und stellt das Glas ungestuem vor Dusterer auf den
Tisch).
Grillhofer. Na, verkostn nur. Verkost. Freilich mehr fuer d'Weibsleut,
aber a guter Tropfen!
Dusterer (hat getrunken). Jo, hehe, moecht mer do selber gleich, wann does
a Trunk fuer d'Weiberleut is, a Weib werdn.
Wastl. Bist eh schon oans und a alts dazu.
Grillhofer. Wastl!
Wastl (stellt auch ein Glas vor Grillhofer hin). Hob a oans fuer dich
mitbracht!
Grillhofer. Weisst, ich trink net! No, weil schon dasteht, lass's halt!
--Wolln mer wieder von was Gscheiten reden! Dirndl, a Antwort bist no
schuldig. Was d' da willst?!
Liesel (lustig). Bissel erbschleichen sollt ich!
Grillhofer. Sollst? Teufl h'nein, wer kann dich denn dazu verhalten?
Liesel. Neamand! Meiner Mahm war does af einmal eingfalln und ich taug a
scho gar net dazu. Allweil um oans herumscherwenzeln wie a Hund, derweil
mer ihm d' Schuessel blast!--und passen und warten afs Versterbn, ah, na,
wurd mer ganz entrisch dabei, leb ich doch selber so viel gern! (Steht
auf.) Na, Bauer, meiner Seel, moecht dich unser Herrgott no hundert Jahr
leben lassen, ich neid dir kein Tag, noet ein oanzigen neid ich dir!
Grillhofer. Bist a herzguts Dirndl!
Liesel. Ich waer eh net her, aber um 's Hoambleibn war mer grad a net z'
tun, aussi wollt ich gern;--doch a so herumvagiern und dann lugn: ich war
da gwest, does wollt ich wieder noet! No tust mer halt den Gfalln und sagst,
es waer da nix z'holn, und jagst mich wieder hoam.
Grillhofer. Hehe--kimmt dir wohl net unglegn, wann i mir mit 'n Hoamjagn
a weng Zeit lass', han? Moecht aber doch wissen, wie dein Mahm af doe
Gedanken kaemma is!
Liesel. Ah, doe Mahm hat's recht ernsthaftig gmeint! (Kopiert mit Laune
die wohlwollende Redeweise einer alten, resoluten Frauensperson.) "Liesel",
hat s' gsagt--"Schau, Liesel, du bist a einsam, verwaists Dirndl, musst
dich umtun, musst dazuschaun! Verwaendt bist amal mit 'm alten Grillhofer,
does koennen mer schriftlich aufweisen. Geh hin, schau eahm nach, soll ihm
schlecht gehn, leicht gar macht er's neamer lang--verzeihst schon,
Bauer--tu dich a weng einschmeicheln, er hat sunst doe lustigen Leut noet
ungern moegn... "
Grillhofer. Moecht s'wohl a hizt no...
Dusterer (hat Grillhofer mit dem Ellbogen angestossen). Grillhofer. Wonn
net...
Wastl (indem er sich ueber den Tisch beugt und das Glas vor Dusterer
nachfuellt). Wann d' mer noch amal 'n Bauern stupfst, kriegst a ein Deuter!
Liesel. "Und no geh zu", hat s' gsagt, "dass dir neamd fuerkimmt, mach dein
Sach gscheit, leicht kost's no a Wartl, und does Sein is dein!"--No was,
Bauer, mei Mahm kennt sich aus, haettst wohl ein schweren Stand, tat ich
nach ihrn Reden, aber so bin ich doch a bissel z'viel aufrichtig zun
Erbschleichen.