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New Philadelphia Book Publisher Highlights Local Talent
Book and Publishing News from Publishers Newswire(tm)

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PHILADELPHIA, Pa. -- The Philadelphia literary world will celebrate the launch of two new players today, April 10th: Kay Square Press, a new publishing company focused on Philadelphia-area artists, their stories, and their art; and Kay Square's first release, 'With the Rich and Mighty: Emlen Etting of Philadelphia' (ISBN: 978-0-9815129-0-7), a critical biography by Kenneth C. Kaleta.

FlatSigned Press Alleges Don Imus Remarks Damage Legacy of President Gerald R. Ford
NEW YORK, N.Y. -- Nathan Yungerberg, an accomplished model scout and professional child photographer is launching a nation-wide casting call to find the cover model for his highly anticipated book release, 'The Model Child: A Parents Guide to the Child Modeling Industry' (ISBN: 978-0-9817018-0-6).

Der Gwissenswurm

L >> Ludwig Anzengruber >> Der Gwissenswurm

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Dusterer. Dafuer bin i a no da.

Liesel. Zum Erbschleichen?!

Dusterer (verbluefft). Was?--Ah na--na, does net, musst mi recht verstehn,
Dirndl, i mein dafuer, dass der Schwoger noet sein Sach zwegn ein Wartl
weggibt.

Wastl. Wo du schon so viel Warteln drum gredt hast!

Liesel. So? Der Schwager bist du? Schau, von dir hat mei Mahm a gredt;
sagt s': "Nimm's net z' leicht, soll neuzeit a Duckmauser bei ihm aus und
ein rennen."

Dusterer (immer mehr verlegen). Muss a recht a zwiders Weibsleut sein,
dein Mahm--a recht a zwiders Weibsleut.

Liesel. Kunnt's net sagn! Weiss zwar net, was ihr eingfalln is, dass s'
mich hergschickt hat, leicht hat sie sich gar denkt, es war net 'n Bauern
sein Schaden, wann ich dich beim Furtgehn a mitnahm.

Grillhofer. Hehe, hizt habn s'n all zwei in der Arbeit!

Dusterer. No, lachst du a no dazu!

Wastl. Na, weinen wird er, muesst ja a Kuh lachen, wann s' dich hizt
anschaut!

Dusterer. Beispielmaessig lacht a Kuh gar net

Wastl. Na, aber a Ochs wird gleich flehnen.

Grillhofer. Dich hobn s' orndli.

Wastl. Lachst a wieder amal, Bauer? Lustig warn mer schon lang net.

Grillhofer. Ja, lustig--schaut's mich an--so alt und ...

Liesel. I kenn ein aeltern. Hahn mer ein Bauern in Ellersbrunn, der hat
seine achtzig auf'm Buckel und am Kirtag schreit er no um sein Musi und
singt:

Lied

No will ich amal lustig sein,
Bin glei a alter Mon,
Doch will ich so, no Sikra h'nein,
Wem gang denn does was an!
(Jodler. Grillhofer singt den Jodler mit.)



Wastl. Jesses, jesses, Bauer, geh, tu mir Bscheid!

Grillhofer. Du hast ja koan Glasl!

Liesel. Mir trinken aus oan!

Wastl. U, mein Jegerl, ja, Liesel, mir trinken aus oan! (Nimmt das Glas.)

Grillhofer. Schau 'n Wastl--du Hoamlicher--is does die Rechte amal? Hehe!

Wastl. A wohl--doe war's schon! (Stossen an.)


Liesel (singt).

Warum soll i noet lustig sein? Gott is a guter Mon, Mir gfallt es Lebn, mir
schmeckt der Wein, Und neamad geht's was an! (Jodler.)


Grillhofer (klopft dem Dusterer auf den Ruecken). No, brumm a mit, alts
Eisen! (Alle singen mit.)

Liesel (singt).

Hon i doch all doe Lebtag mein Koan Schlechtigkeit net ton, Und will i amal
lustig sein, Wem gang denn does was an?! (Setzt zu dem Jodler ein.)


Dusterer (stoesst sein Glas hart auf den Tisch). Do singst noet mit,
Schwager! Moecht wissen, wie d' da mitsingst, ohne dass dir der Stimmstock
umfallt! Sing mit, wann d' kannst! Hast all dein Lebtag koan
Schlechtigkeit noet tan? Hast noet? Han?

Grillhofer (der schon beim Jodler der ersten Strophe mit aufgestanden war,
sinkt jetzt zurueck auf die Bank; finster). I sing eh net mit!

Dusterer (leise und angelegentlich). Und lass der sagen: So is die Weis
net, wie mer d' armen Seeln derloest, und so verstirbt a der Wurm net!
Wann d'n a jetzt mit Wein einschlaferst, moanst, er wird neamer munter?
Oh, er wird schon.

Liesel (ganz verwundert, tritt hinzu). Ja, was is's denn? Was hast denn
auf einmal, Bauer?

Grillhofer. Lass's gut sein, lass's gut sein, Dirndl! Ich dank dir schoen,
hast es recht gut gmeint, aber ich und du sein a gar z' ungleich Gspann,
tauget mir schon, kunnt ich no Schritt halten mit dir, aber so bin halt
ich der Stuetzige. Jo, jo, d' Lustbarkeit findt da in mein'm Einwendigen
ein gar strengen Herrn, der s' austreibt! Es leidt sich amal koan
Froehlichkeit auf mein Hof, no, wirst selber kaum verbleibn wolln und ich
darf dich a net verhaltn, 's wird voellig Ernst mit 'm Furtschicken--na, na,
dass d' mer net ganz harb bist, soll der Wastl, wann Feierabend is, a
Stuck Weg mit dir gehn.

Liesel. No sollt ich fort und is dir 's Lustigsein doch so gut angstanden;
geh ich, fangst mer wieder zun Duckmausern an.

Grillhofer. Mein lieb Dirndl, anders schickt sa sich neamer fuer mich.

Liesel. Moecht doch wissen, warum?

Grillhofer. Jo siehst, Dirndl, du bist fuer Leut, was noet schwer tragn
unterm Brustfleck, fuer solchene aber (auf Dusterer) is er der rechte. Vor
ein halbn Jahrl hob ich mein Deuter kriegt. Sunst allwal gsund, streift
mich af amal der Schlag. Elendig bin ich daglegn, hon aber no net gwusst,
wo does h'naus soll; aber der hat sich gleich auskennt, is gleich zu mir
ins Haus grennt und hat gsagt: "Schwoger", hat er gsagt, "du hast a Suend
af dir, was d' nie noch recht bereut hast, hast's alleweil af d' leichte
Achsel gnummen und unter der Zeit is der Wurm in dir foast wordn, so foast,
dass d'r hizt, wo er sich aufdammt hat, bald Seel und Leib vonandgangen
waern! No schau halt hizt dazu. Besser spot wie gar noet!" No, redet bot
er ghabt, recht hot er ghabt! War wohl schon a verschlafene Gschicht,
aber recht hot er doch ghabt, wie er mir's vorgstellt hat! Jo, jo!

Liesel. Haettst es net aufwecken lassen, doe verschlafene Gschicht. Waer
gscheiter. Soll hizt der Floh, den dir der ins Ohr gsetzt hat, 'n Wurm
fressen?

Grillhofer. Musst noet gspassen mit soelchene Sachen, mein lieb Derndl! Du
weisst halt no von wenig. Aber ich will dich net ohne Einsehn lassen;
suendig, wie ich war, und reuig, wie ich bin, sollst mich kennenlernen; ich
will der doe Gschicht am Weg mitgebn, so Versuendigungssachen sein allmal
lehrreich fuer doe Weibsleut! Mag wohl schon a fuenfundzwanzg Jahrl her sein,
hat damal mei Weib noch glebt, da is a Dirn zu mir in Dienst kaemma, war a
klein mollets Ding, bissl hoffartig, hat sich mit koan Bubn noet abgebn, nur
af mi hat s' freundlich gschaut; dass ich sag, mei Weib hot koan oanzigs
Kind af d' Welt bracht, allweil is's krank gwest und um doe Zeit is's gar
elendig dahinglegn, ich aber war allzeit a kerngsunder Mon, und so schickt
sich's halt amal, ich triff die Dirn allein und so is's halt kaemma, wie's
oft kimmt und zugeht af derer Welt. Bin mir noet ganz klar, doe Dirn war
nie so recht offen, war does Wahrheit oder hat s' nur doe schwere Arbeit
loswerdn wolln, sie hat a so tan, als war s' af doe Versuendigung neamer
recht richtig mit ihr. Aber lang, vor sich's haett weisen koennen, is mein
Weib ihr Vertraulichkeit zu mir aufgfallen, doe hat s' zu sich rufen lassen,
hat s' beicht oder net, weiss net, aber sie hat af amal fortbegehrt und
ich hab s' a net ungern fortlassen.

Liesel (an der Schuerze spielend) Was d' da verzaehlst, Bauer, does is
freilich wohl noet recht, kann aber doch noet allein af dein Rechnung kaemma,
sein ja doch zwei dabei gwest.

Grillhofer. Wohl, wohl, zu solchene Dummheiten sein fuer gwoehnlich zwei
vonnoeten. Aber ich haett solln 'n Gscheitern machen. Wie s' amal furt war,
war s' wie vom Erdboden wegblasen, weit und breit da h'rum hat s' neamand
mit kein Augn mehr gsehn. Was wohl mit ihr gschehn is? Hizt liegt's mer
halt schwer auf, weil ich s' aufn Suendenweg gbracht hab, wie weit s' wohl
drauf fortgrennt sein mag, immer naheter und naheter der Hoell zuhi! Und
hizt leicht gar net weit davon einloschiert! Jo, jo!

Wastl. Und does ist doe ganze Gschicht? Zwegn dem tust so verzagt, zwegn
dem willst Haus und Hof in fremde Haend gehn, nur damitst mehr freie Zeit
und a Gsellschaft zur Bussuebung kriegst?!

Grillhofer. Wohl--wohl.

Wastl. Na hoerst, Bauer, meinst, wann mer amal dumm war, ma macht's besser,
wann ma dann no duemmer is?

Grillhofer. Red nur du nix drein, Wastl, does verstehst du net; sei froh,
dass d' nix af dir hast, und schau dazu, dass d' a nix h'naufkriegst, wo d'
does moechst verstehn lernen!

Dusterer. Is a rechte Lehr--is a wahre Christenlehr, Wastl; nimm dir's z'
Herzen! Beispielmaessig moecht einem 's Leben anlachen wie a schoener
Obstgarten, aber zulangen is net verlaubt, does verwihrt ein'm der liebe
Gott.

Liesel. Geh zu, Schwarzer, musst unsern Herrgottn noet zum Vogelschrecker
machen! Hat er doch selber die Kirschen so rotbacket und d' Weinbeer so
glanzend gmacht, no, und uebernimmt sich eins, is does sein eigene Sach, wie
er wieder mit sein Magn auf gleich kimmt, und beispielmaessig gibt's koan
bessere Lehr als so ein ueberessenen Spatzen, was marod auf 'm Astel sitzt
und 'n andern zuschreit: Zviel is ungsund!

Dusterer. Mein liebe Dirn, beispielmaessig kennst du dich lang no net aus,
is a gar koan Red vom lieben Gott, der ein'm alls Gute vergunna moecht,
sundern vom hoellischen Erbfeind, was ein'm zum uebermass verlockt, wo 'n
ein'm drauf net gut wird und ma nachhert in der Hoell sein Kamillentee
kriegt, was aber kein net schmeckt! Ja, ja, unter doe Kirschen liegent
eben 'n Hoellischen seine Fallstrick, und wo sich hizt der Schwoger alser
Bussfertiger davon losloest, hat er scho recht, wann er a a jedes Faderl von
sich tat, wo do nochmal der Hoellische amal anknuepfen kunnt.

Grillhofer. No, sehts es--sehts es. Does is a Red. Der versteht sich
halt drauf--ja dadrauf versteht er sich!

Wastl. No, is a a schoene Profession!

Grillhofer. Und hizt lass mer doe unnoetig Wartlerei sein. Mei lieb Dirndl,
magst d'r, vor d' gehst, noch a weng mein Hof anschaun! Tu's ohne
Neidigkeit, ist dir vielleicht zum Bessern und bleibt d'r manche
Versuchung derspart, wann noet wird, wie deiner Mahm ihr Absehn war. Wann
d' zu ihr hoamkimmst, magst ihr sagn, ich lass' s' schoen gruessen, und sag
nur, wie's wahr is, du waerst wirklich schon z' spat kaemma. Morgn, wann a
schoener Tag is, fahr ich vielleicht schon nach der Kreisstadt und tu a jed
Faderl von mir, wo no der Teuxel mich anfassen kunnt; ich tu's 'm Schwager
verschreibn, der is scho mehr auf seiner Hut. Und no bhuet dich Gott, Dirn!
Dass d' da warst, war mer doch a klein Aufheiterung, wann's a bei mir net
recht verfangen will, und no vergelt dir's Gott! Und wonn amal alls in
Ordnung is und ich bei mein'm Schwogern in der Ausnahm bin, dann such mich
hoam, vielleicht bin ich dann scho a weng lustiger wordn.

Dusterer (taetschelt die Hand Grillhofers). Ja, ja, freilich, mein lieben
Ausnehmer magst nachhert schon bsuchen.

Liesel. No, bhuet dich Gott, Bauer.

Grillhofer. Bhuet Gott und spater vergiss net auf mich und kumm fein.

Liesel (kehrt zurueck). Oh, ich schau dir schon nach! Ich weiss net, mir
gschieht so viel hart um dich--es is mir, als waer dir does traurige Wesen
naufzwungen und stund drum a net 'n lieben Gott noch 'n Menschen an, is
mir, als sollt ich dir noch a ganz a Menge sagn, aber ich wusst wahrhaftig
selber net, wie ich's vorbringa sollt. Bhuet dich recht Gott! (Laeuft ab.)

Wastl. Schickst es richtig furt? (Grillhofer schupft die Achsel.) Bauer,
mir is, als solltst es dahalten--dahalten.

Grillhofer (lachend). War wohl neamd lieber als dir! Bist a Feiner du!

Wastl (wendet sich ab und geht der Liesel nach, unter dem Abgehen
raesonierend). Is a recht! Setz morgn den Duckmauser auf'm Hof, so renn
ich uebermorgn schon nach Ellersbrunn, und muesst ich ins Taglohn! Moecht
nachher so a Wirtschaft mit ansehn, so a Wirtschaft--heilig
Kreuzdonnerwetter! (Beide durch die Haustuer ab.)




Anzengruber: Der Gwissenswurm, II. Akt, 5. Szene




Fuenfte Szene


Dusterer und Grillhofer.

Dusterer. Ob ich mir's net denkt hab, Grillhofer! Ich hab mer's aber
denkt! Wie s' vermeinen, es gibt bei dir was z' holen, so kommen dir Leut
ins Haus grennt, mit denen dein Lebtag nix hast z' tun habn woelln!

Grillhofer. No, sucht halt jeds af der Welt sein Vorteil. Kummen s',
sein s' da, gibt's nix, gehen s' wieder! Beirrt mich net und kann dir
wohl a gleich sein.

Dusterer. Wann d' a so denkst, freilich wohl.--Dein Weib, mein Schwester,
hat eh amal gsagt--wart a weng wie war denn does? Dass ich's net nur
beispielmaessig, sundern Wartl fuer Wartl fuerbring, wie's gwesen is! Ja, ja,
fallt mer schon ein. Dein Weib hat eh a amal gsagt: Nikodemi hat s' gsagt,
auf'n Mathis schau mir und weis mer'n fein nachi in Himmel. Bringt dir
wohl a ein Lohn, denn nach dem, wie der Mathis sich an mir versuendigt
hat--jo wie er mir weh tan hat, war's net schoen, wann er net das Seine bei
unserer Famili lasset!

Grillhofer (hatte den Kopf in beide Haende gestuetzt, blickt jetzt auf).
Does haett mei Weib zu dir gsagt? Hat dich do nie gut leiden moegn. Schau,
Dusterer, du bist ja hizt eh am Ziel, was bringst denn solchene Sachen
fuer? Kam ich dir af a Lug, moecht's dich reun.

Dusterer. No, wirst doch net meinen--Schwoger--wirst doch net meinen?...

Grillhofer. So hat mein Weib nie gredt.

Dusterer. Aber, Schwoger, glaub mir...--no, soll sie's noet gsagt habn--du
bist krank, ich will net streiten mit dir.




Anzengruber: Der Gwissenswurm, II. Akt, 6. Szene




Sechste Szene


Vorige. Leonhardt.

Leonhardt (Fuhrknecht, hat ein breites, rotes Gesicht mit pfiffigem
Ausdruck, traegt breitkrempigen Hut, blaue Bluse, hohe Stiefel, kommt durch
das Zaungatter den Anstieg herunter; ist etwas angeheitert). oeha! Gruess
Gott miteinander! Dusterer, dich such ich! Hat mer dein Alte gsagt, ich
traf dich do, is mer recht, muss gleich wieder furt mit meine Ross--geht
eahner wie mir--kinnen noet lang stehn.

Dusterer. Was gibt's?

Leonhardt. Vorerst liegt a klein Fassel Essig fuer dich in der Kreisstadt,
moechst 'n bald abholn--ja--da hast vom Spediteur 'n Frachtbrief. (Gibt
ihm einen roten Zettel.)

Dusterer. Was hast 'n noet glei mitbracht?

Leonhardt. Weil er no noet zahlt is!

Dusterer (steckt den Frachtbrief zu sich). Noch was?

Leonhardt. A Seitel Wacholder hon i mir verdient, mein ich.

Dusterer. Does war does Fassel noet wert.

Leonhardt. Ah, wer redt hizt vom Essig. Hast a schlechts Angedenken!
Vor ein halben Jahrl host mer's versprochen, wonn ich dir was
auskundschaft.

Dusterer (faehrt vom Sitz empor). Was sagst? So, so, no, da kimm nur glei
mit hoam.

Leonhardt. Kumm eh grad her! Wonn i so viel umanandrenn, wird mer
schwindli, no jo, bin nur 's Fahren gwohnt. Bleibn mer da--is jo nur der
Grillhofer, dein Schwager!

Dusterer (ungeduldig). Sakra h'nein: Mitkimmst, sog ich!

Leonhardt (sieht ihn starr an). Wos?!

Dusterer. Sunst verspielst'n Wacholder!

Leonhardt. So redst?--Wer--wer bist denn du? Bist leicht mei Herr, dass
d' mit mir so h'rumschreist? Han, schau dich an, notiger Ding! Moechst es
jetzt gern ablaugnen? Wann d' mer a so kimmst, brauch ich 'n gar net,
dein Wacholder, brauch 'n net! Ein andermal such der anderne aus zu
soelchene Gschaeften, mich net! (Zu Grillhofer.) Schau der 'n an--a Seitel
Wacholder hat's golten, um d' RieslerMagdalen is gangen, was vor
fuenfundzwanzg Jahr in dein Dienst war...

Grillhofer (faehrt empor). Was sagst, um d' Magdalen?

Leonhardt. Jo, wo s' verbliebn is, ob s' no lebt oder schon verstorbn is.
Jo. Seit oan halben Jahr, zeit- und randweis hon ich nachgfragt. Und
hizt reut's ihm, hizt reut ihm does Seitel Branntwein...

Grillhofer (aufgeregt). No red, red, Lenhardt!

Leonhardt. No, verdient hab ich mer'n!

Dusterer (schreit). Kriegst 'n net!

Leonhardt (schreit gleichfalls). Brauch 'n net, hab ich gsagt, solltst
dich schamen gegn ein Fuhrknecht! Bauer willst hoassen? Nix bist!

Grillhofer. Lass 'n, Lenhardt, lass 'n! Was is mit der Magdalen?

Leonhardt. Auskundschaft hon ich's!

Grillhofer (aufschreiend). Sie lebt?!

Leonhardt (schreit gleichfalls). Jawohl!--Ah so, du bist's gwest,
Grillhofer--ah ja, du, ich hon gmeint (auf Dusterer), der schreit wieder
gegn meiner.

Grillhofer. Um Gottes willn, Lenhardt, bsinn dich af d'Wahrheit, hast a
recht gsehn?

Leonhardt. No, wohl recht gsehn und recht gfragt.

Grillhofer. Du woellt s' hizt ausgfunden habn, wo es Gericht sie die lang
Zeit her scho sucht!

Leonhardt. Ausgschriebn war a Erbschaft, aber gmeldt hat sa soe net, weil
ihr does Gspiel z'viel verschuldt war.

Grillhofer. Und wo, wo hast es denn aufgfunden?

Leonhardt. A drei Stund von da, wann d' ins Gebirg einifahrst, an der
Kahlen Lehnten hat s' ihr Wirtschaft.

Grillhofer. Ich muss hin--wird mich net umbringen, does bissel Fahrn, wird
mich noet umbringen; mit meine eigenen Augen muss ich mich ueberzeugen, wie's
mit ihr steht, in was fuer oan Elend als s' lebt! (Ist bis zur Haustuer
gegangen.) Rosl--he, Rosl, hoerst! (Kommt, in der Westentasche nachsuchend,
wieder vor.) Lenhardt, dank der schoen, hast mer a rechte Wohltat
derwiesen. Dank der schoen, da hast. (Gibt ihm Geld.)

Leonhardt. Is gern gschehn, Bauer (betrachtet den Betrag sehr befriedigt),
no, vergelt dir's Gott!




Anzengruber: Der Gwissenswurm, II. Akt, 7. Szene




Siebente Szene


Vorige. Rosl (erscheint unter der Haustuer).

Rosl. Was willst, Bauer?

Grillhofer. Eil dich, Rosl, der Michl soll hurtig einspanna, er muss mich
fuehren, er weiss sich aus, nach der Kahlen Lehnten fahrn mer.

Rosl. Aber, Bauer!

Grillhofer. Sei stad, Rosl, es muss sein, haett sonst kein Ruh und kein
Rast. 'm Wastl sag, taet mer leid, aber er konn sei Derndl hizt neamer
begleiten, muss hoam bleiben, weil ma net wissen kann, was leicht no wird
oder gschiecht. Und hizt tu dich um, richt mer mein Rock und mein Hut
und 'n Schofpelz konnst mer a af'n Wagen werfen, fuer doe Nacht etwa.

Rosl. Aber...

Grillhofer. Geh zu und tu, wie ich sag! (Rosl ab.)




Anzengruber: Der Gwissenswurm, II. Akt, 8. Szene




Achte Szene


Vorige ohne Rosl.

Grillhofer (kehrt zurueck und will den Kopfpolster von der Bank nehmen).

Dusterer (stuerzt herzu und fasst an dem andern Ende an). I trag 'n schon!

Grillhofer (zerrt ihn an sich). Lass los!

Dusterer. Aber, Schwoger! (Zerrt den Polster an sich.)

Grillhofer. Ruehr mir an nix Meinigs mehr! (Zerrt ihn zurueck.)

Dusterer (laesst den Polster fahren und will den Arm Grillhofers fassen).
Schwoger--lass reden...

Grillhofer (deckt sich mit dem Polster gegen jede Beruehrung des
zudringlich werdenden Dusterer). Mir habn ausgredt! Alsdann doe Magdalen
lebt, lebt s' noet? Erzlugner!! Is die Hoell a drei Stund von da an der
Kahlen Lehnten? Is dort die Hoell? Erzlugner!

Dusterer (ist ihm bis zur Haustuere gefolgt). Grillhofer! (Fasst ihn am
Rockzipfel.)

Grillhofer (zornig). Erzlugner!! (Stuelpt ihm den Polster auf den Kopf,
wird dadurch frei und verschwindet unter der Haustuere.)




Anzengruber: Der Gwissenswurm, II. Akt, 9. Szene




Neunte Szene


Vorige ohne Grillhofer.

Leonhardt (gutmuetig). Teufi, is der Grillhofer schichti wordn! No' mach
der nix draus, kimm mit, zahl ich dir a Glasl! (Zeigt das erhaltene Geld.
) Schau, wie der Wacholder blueht!

Dusterer (wuetend zu Leonhardt). Vergreifa kunnt ich mich an dir--voellig
vergreifa!

Leonhardt (indem er sich zum Gehen wendet). No, aber nachhert gute Nacht!
'n Polster hast schon, und ich tat dich schon a orndlich zudecken.

Dusterer. Der leidig Hoellteufl hat dich herbracht.

Leonhardt (schon beim Anstieg). Noet wahr is, dein Weib hat mich
hergwiesen! (Ab.)

Dusterer (allein). Sikra h'nein, is eh so, mein Weib haettn hoam halten
solln, den versoffenen Lump, haett doch selbn herrennen koennen, haett ihr d'
Fuess net kost't!--No, gfreu dich, wonn ich hoam kimm!--Sand an all'm Elend
schuld, scho von Paradeis her, doe Weibsleut!--A holb Jahr plag i mich obi,
dank 'n Himmel fuer jeden guten Einfall, den er mir schickt, womit ich den
alten Suender ins Gwissen reden konn! Und hizt soll alls umasunst gwest
sein, zwegn so oaner Dummheit! Aber no gib ich's net auf, ich muss a dabei
sein, ich muss mit hin nach der Kahlen Lehnten, ob er mich mit habn will
oder net--ich weiss schon--ich schleich mich in Hof, und wonn doe Rosl 'n
Schofpelz auf'm Wagn wirft, so kriech ich drunter. Was will er denn mocha,
wann ich a so mitkimm? Was will er denn macha? Geht schon, geht schon,
weil net anderscht is, kimm ich halt in Schofpelz hin. (Will durch die
Haustuere schleichen, prallt aber zurueck und schleicht um das Haus; Kulisse
vorne rechts ab.)




Anzengruber: Der Gwissenswurm, II. Akt, 10. Szene




Zehnte Szene


Wastl und Liesel (durch die Haustuere).

Wastl. No, gehst wirkli scho, Liesel?

Liesel. Freilich wohl, wo d' mich hizt net begleiten daerfst, moecht ich
doch schon vor Einbruch der Nacht wieder in Ellersbrunn sein. Haha, doe
Mahm wird Augen machen, wonn ich sag, mit der Erbschaft is nix, aber ein
Schatz hon ich gfunden. Leicht jagt sie mich dann davon!

Wastl. No rennerst halt glei zu mir!

Liesel. Jo, aber, wo wirst du nachher sein, wann d' bei dein Bauern net
verbleibn willst?

Wastl. Is a net zum Verbleibn, seit der sein'm Schwogern sein Norr is!
No schau, is doch gut, dass mir uns wieder z'sammgfunden habn, ganz
mutterseelenallanig fraget ich ein Teufel darnach, was aus mir wurd, und
rennet nur so ins Blaue h'nein davon; aber da a fuer dich gilt, werd ich
mich schon um oan rechten Platz umschaun.

Liesel. No, recht is's, nur a weng wart noch zu und mach's fein manierli,
dass 'm Bauern net hart gschieht. oes moegts ja doch selber einander leiden!

Wastl. Awohl--wohl...

Liesel. Mir derbarmt der alte Mon. Moecht ihm gern helfen, lasst ein'm
aber kein Zeit dazu. I traf's schon, meinst net? Is heunt doch lustig
wordn, gelt?

Wastl. Oh, du brachst alls z'wegn!

Liesel. Und no bhuet dich Gott, Wastl.

Wastl. Bhuet Gott, mein Dirn, ich denk dir gwiss an dich bei Tag und Nacht!

Liesel. No, bei Tag mag i dir's a versprechen, aber bei der Nacht, da
schlaf ich.

Wastl (lacht). Du bist halt d' Horlacher-Lies, wie von ehnder, und so
sollst a sein, weil nur hizt mein bist! Mein ich doch, ich halt's gar net
aus, so weit von dir z' sein, moecht all Stund wissen, was tust und treibst,
ob d' mein a a bissel denkst, und moecht dich wohl tags z' tausendmal
gruessen lassen, fand ich ein Boten, kunnt alls zwischen Himmel und Erd drum
angehn, was sich drauf verstund! Mei Dirndl!

Duett


Wastl.

Du kleins Bacherl, wunderklar,
Rinnst so flink daher,
Gruess mer schoen mein lieben Schatz,
Na, du weisst schon wer!



Liesel.

Und da sagt 's Bacherl drauf:
Ich bin net so schnell,
Dorten halt mich 's Muehlrad auf,
Kimm net von der Stell.



Wastl.

Schneeweiss Taeuberl ueberm Haus,
Gruess mer du mein Schatz,
Flieg in alle Weiten aus,
Findst'n schon am Platz!



Liesel.

Schneeweiss Taeuberl putzt sich fein,
Sagt: I richt's net aus,
Heut spricht ja mein Tauber ein
Und ich bleib schoen z' Haus.



Wastl.

Du kloan Herz in meiner Brust,
Schlag voll Freudigkeit,
Denn mein Schatz ist mein bewusst
Hizt und allezeit!



Beide.

Und wie gestern so a heut
Denkt er an mich schon,
Zwischen brave, treue Leut
Braucht's koan Botenlohn.
(Jodler.)
Du nur hast, {der | doe} Einzigi,
In mein Herzen Platz,
Denk an mich, i denk an di!
Bhuet dich Gott, mein Schatz!
(Liesel geht den Anstieg hinan.)
Denk an mich, i denk an di!
Bhuet dich Gott, mein Schatz!



(Jodler, unter welchem Liesel, nachdem sie das Zaungatter passiert, sich
auf demselben aufstuetzt, zum Schluss wirft sie einen Kuss dem Wastl zu, der
mit einem Juchzer ihr nachlaeuft.--Der Vorhang faellt.)




Anzengruber: Der Gwissenswurm, II. Akt, 11. Szene




Verwandlung

Wirtschaft an der "Kahlen Lehnten". Die Buehne zeigt den Hofraum. Links
vorne ein Teil des Hauses mit der Eingangstuere, rechts ein Teil einer
Scheuer. Beide sind in einem stumpfen Winkel gegeneinander gebaut und
durch eine sogenannte offene Einfahrt (leeren Torbogen, etwa durch einen
Balken, "Schranne", verschliessbar) verbunden. Hinter dem Hause steigen
gewaltige Felsmassen hinan, welche weit in den Hintergrund verlaufen, wo
dieselben an den aufrecht stehenden, bewaldeten Bergkronen als nacktes
Getaefel schief angelehnt erscheinen (Kahle Lehnten). Ab und zu hoert man
das Grollen eines fernen Gewitters.



Elfte Szene


Der Bauer, Natzl und Hans (mit Sensen und Rechen, kommen durch den offenen
Torbogen zoegernd nach vorne).

Natzl. Oba, Voda, was woellt's denn hizt schon dahoam?

Hans. Z'wegn we haettn mer denn fruher Feierabnd gmocht?

Bauer (alter Mann, schon an die Siebzig, geht gebeugt, hat graues Haar und
dunkle, buschige Augenbrauen, die Lodenjoppe schlottert ihm um den Leib
und auch im uebrigen Anzuge zeigt sich eine arge
Vernachlaessigung--erstaunt). No, z'wegn'm Wetter do!

Hans. Hehe, freilich, z'wegn 'm Wetter! (Lehnen die Werkzeuge an die
Scheuer.)

Natzl. Kunnt ja do der Voda a weng ins Doerfl schaun, af a Glasl Wein!

Bauer. Wissts ja do, dass mer d'Muada koan Geld losst.

Natzl (gibt ihm Geld). Habn do mir oans fuer'n Vodan!

Bauer. oes seid, s doch gute Buama. No, do gehn ich schon, hehe, freili
gehn i! Wonn mi aber leicht es Wetter derwischt?

Natzl. Beileib!

Hans. Hehe, sogn mer do schon 'n Vodern a fufzgimal, von derer Seiten
kimmt's jo nie uebri, bleibt ja allmal entern Berg!

Bauer. Hehe, oes seid's Hallodri und alle fufzgimal hon ich's richti
vergessa! No, und wo gangt's denn oes hin?

Natzl. In Wold!

Bauer. In Wold? Wonn eng aber 's Wetter derwischt?

Hans. Hehe--hehe -'s kimmt ja net!

Bauer. Hehe--richti--jo-Natzl. Wonn's a kam, mir fanden schon oan
Unterstand.

Hans. A wohl--und was f uer oan.

Bauer. No, nachhert, wo denn?

Natzl. In der Koehlerhuettn.

Bauer. Ui, ui, oes Schlankeln, a wohl in der Koehlerhuetten, no, no, oes
seid's mer Feine! Der Kohlnferdl is heunt mit oaner Fuhr nach der Stadt
und oes fandets seine zwoa Dirndeln allanig.

Hans. Wohl--wohl--is eh a so.

Bauer. oes Lotter, schau--schau. oes treibts es noet schlecht, ich war scho
a achtavierzgi, wie ich enger Muada gheirat hab.

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