Der Gwissenswurm
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Hans. Weil halt da Voda a Trauminoet war!
Bauer (beleidigt). So, a so! So meinst es! A Trauminoet war ich gwest.
So? und dir fahlet Kuraschi noet--gelt na, fahlet eng noet, doe Kuraschi!
Moants, oes kunnts zeitli dazuschaun, warts koane Trauminoet! Stund eng doe
Ehrbarigkeit von engern Vodern noet an, han, woellts es besser habn?--Was?
Na! Hoam bleibt's hizt! Hoam bleibt's! Leni!
Natzl (zu Hans). Du bist a rechter Lapp, musst allwal dein dumm Maul
auftun, moecht der glei oans draufgebn!
Anzengruber: Der Gwissenswurm, II. Akt, 12. Szene
Zwoelfte Szene
Vorige. Die Baeuerin.
Baeuerin (erscheint unter der Tuere, sieht heraus). Ah, oes seids scho
hoam? (Verschwindet wieder.)
Natzl. No, is dir leichter, hizt kannst wieder Struempf stricken.
Hans. Hehe, du aber a und der Voda a. Hehe.
Baeuerin (kommt mit drei Gestricken, angefangene Struempfe und grosse
Wollknaeuel daran, gibt jedem eines). Da schauts dazu--mir bleibt koan
Zeit, und doe Kloan verreissen so viel, dass ich froh sein muss, sie
verrichten ihner Sach! (Ab.)
Anzengruber: Der Gwissenswurm, II. Akt, 13. Szene
Dreizehnte Szene
Vorige, ohne die Baeuerin. Kleine Pause, waehrend welcher alle drei sich
das Strickzeug zurechtrichten und zu stricken beginnen.
Natzl. Heiligkreuzdunnerwetter, does is a Unterhaltlichkeit.
Bauer. Aber ehrbar--halt ehrbar!
Natzl. Does schon.
Hans. Mir is nur, was sich doe Rosl wird denken.
Natzl. Du, Hiesl, doe halt dich eh nur zun Narren, unter der Wocha darfst
ihr schoentan und 'n Sunntag geht s' mit 'm Jaga!
Hans. D' Wocha hat sieben Taeg!
Natzl. Kimmt fuern Sunntag viel z'samm zun Lacha! Mir is nur um mei
Kathrein!-Hans. Halt hizt es Maul--ich muss zaehln!
Natzl. Jo, Voda--sikra h'nein--'s Arbeitszeug daerf net dort an der Scheun
lehnen bleibn.
Hans. Kunnts es Wetter derwischen!
Natzl. Du, ich sag der's! (Schiebt sein Strickzeug dem eifrig
strickenden Bauer unter den einen Arm.) Halt no der Voda a kleins Wengl!
(Eilt gegen den Hintergrund.)
Hans. Fass noet alls af amal, greifst sunst in a Sensen. I hilf dir. Voda,
a wengerl nur! (Schiebt ihm sein Strickzeug unter den andern Arm und
rennt dem Natzl nach.)
Anzengruber: Der Gwissenswurm, II. Akt, 14. Szene
Vierzehnte Szene
Der Bauer (allein), dann die Baeuerin.
Bauer (mit beiden Gestricken unter den beiden Armen, strickt emsig, aber
behindert an dem dritten weiter--zieht eine Nadel aus). Jetzt weiss ich
noet, ob's gfahlt is! (Kratzt sich mit der Nadel am Kinn.) Kunnt doch sein,
muss mer halt nachschaun...
Baeuerin (unter der Tuere). Moegts essen ... jo wo sein denn die Buama?
Bauer. 's Arbeitszeug tun s' in d' Scheun!
Baeuerin. 's Arbeitszeug lehnt ja no dort!
Bauer (wendet sich). Wos?!--Teufi, doe sein durchbrennt!
Baeuerin. No kannst es suchen! (Ab.)
Bauer. Ho, doe find ich mer scho aus! (Wendet sich, fortstrickend, zum
Abgehen, es entfaellt ihm ein Knaeuel.) Eh, eh, halt dich, Sakra. (In der
Bemuehung, diesen aufzuheben, der zweite und dann der dritte.) Teufi h'nein!
--Oha--no, krieg eng schon! (Schleift sie ein Stueck an langen Faeden
hinter sich.) No, wanns noet woellts, hol eng allz'samm der Teufel, braucht
er neama blossfueasset z' gehn! (Stoesst das ganze Strickzeug mit dem Fuss in
einen Winkel.) No, gfreuts eng, Buama, alle miteinander kriegn mer's, wann
mer hoamkimmen. Wonn uns nur noet es Wetter derwischt! (Den Abgegangenen
nach.--Kleine Pause. Erneuerte dumpfe Wetterschlaege.)
Anzengruber: Der Gwissenswurm, II. Akt, 15. Szene
Fuenfzehnte Szene
Grillhofer, Dusterer (durch die offene Einfahrt), darauf die Baeuerin (aus
dem Hause).
Dusterer. No, Schwoger, is doch recht, dass ich mit bin, gelt ja? Dass d'
net musst so allanig herumsteign! Hon's gleich gsehn, dass mer mit 'n Wagen
net zukoennen. Does is es oanzige Ghoeft an der Lehnten.
Grillhofer (auf einen Stock gestuetzt, kommt langsam vor). Jo, jo, kimmt
mer aber a weng z' gross fuer, als dass sich's liesst von oan oanschichtigen
Weib bewirtschaeften.
Dusterer. No, no, werdn mer ja sehn, wer darauf sitzt! Wer weiss, was dem
versoffenen Unfriedstifter, dem Lenhardt, fuerkaemma is?! Am End is er noch
a verlogener Spitzbua dazu und hat uns nur hergnarrt.
Baeuerin (von innen). Wer is drausst? (Tritt unter die Tuer.) Seids oes es
schon?
Grillhofer. Gutn Abend!
Baeuerin. Gutn Abend--was woellts denn?
Grillhofer (tritt zitternd naeher). Bist du die Riesler Magdalen?
Baeuerin (keifend, wobei sie aus der Tuere den Angesprochenen immer naeher
tritt). Wer fragt darnach? Ich frag, wer darnach z' fragen hat?! D'
Poltner bin ich, die Baeurin an der Lehnten, hat neamand darnach z' fragen,
was ich sunst bin oder war! War allweil a Ruh, hizt af amal war es
Fragens kein End! Vor paar Taegn erst hat a Fuhrknecht da h'rumgfragt,
dass's orndlich auffaellig war, und hizt kamen wieder oan. Was habts der
Riesler-Magdalen nachz'fragn? In mein ledigen Tagen is zwischen mir und
oan Bauern a Dummheit gwest, is eh schon bald neamer wahr. Is er leicht
verstorbn und seids oes vom Gricht und bringts mer a Erbteil?!
Grillhofer (tritt naeher). Magdalen--(Donner, fernes Aufleuchten.) Kennst
mich neamer?
Baeuerin. Neamd kenn ich! (Aufleuchten.)
Grillhofer. Bin ja der Grillhofer!
Baeuerin (auf schreiend). Jesses--der Grillhofer! (Donner, kleine Pause.)
Baeuerin (aeusserst zungenfertig). Was willst denn da? Bringt dich der
Fuerwitz her, nachschaun? Hon mer's eh gwunschen, ich moecht dir amal all's
einesagn kinna! Hast wohl gmeint, es rnuesst mehr so gehn, wie mir's von
dir aus haett gehn koennen? Von dir aus haett ich amal elendig im
Armenleuthaus versterbn moegn, aber der Herrgott hat a rechters Einsehn
ghabt und drei Jahr darnach, wie ich von dir weg bin, hon ich's besser
troffa; der alte Poltner hat mich gheirat und hizt sitz ich als Baeuerin do
am Hof, schau dir'n an, ob er dem dein'n viel nachgibt. Hast denn glaubt,
ich haett mich um was anderscht mit dir abgebn, als weil ich vermeint hab,
dein Baeurin segnt bald es Zeitliche und ich kimm an ihrer Stell z' sitzen?!
Noet a so viel (schlaegt ein Schnippchen), sixt, war mer sonst an dir
glegn!
Grillhofer (ist erstaunt einen Schritt zurueckgetreten). Schwager, z'wegn
der werd ich mich net z'viel am Todbett abiaengstigen!
Baeuerin. Dein Baeurin is aber net so bald versturbn, und wie s' mer hinter
mein Trachten kaemma is, hat s' all ihre Ersparnus drauf gwendt, dass s'
mich loswordn is, denn mit leere Haend war ich net weg, a es Kind hat s'
mer verpflegn muessen.
Grillhofer. 's Kind!? So war richtig oans af d' Welt kaemma?! Um Gottes
woelln, Magdalen, sag mer nur oans: wo does verbliebn is?!
Baeuerin (etwas bewegt). Kunnt der's net sagen, Grillhofer, wonn i a moecht!
A Dirndl is gwest, is mer ja gleich nach der Geburt furtgnummen wordn!
(Wieder barsch.) Such dir's hizt! Damal hon ich fuer mich allanig gnug
Sorg tragn muessen und nachert im Ehstand sein nacheinander zwoelf Kinder
kaemmen und alle--als haett mich der leidige Hoellteufel frotzeln woelln--han
af der Linken dein ausdrehten klein Finger mitbracht! Alle rennen s' no
af der Welt herum, fuenfe hon mer hizt no auf der Schuessel; meinst, ich
haett noch Luft ghabt, mich ums dreizehnte ausser der Eh umz'schaun?
Grillhofer. Haettst nur oan Fingerzeig...
Baeuerin. Nix hon ich und jetzt han mer ausgredt! Gsehn hast es, dass
mer's geht, wie mer's gehn kann, ich mein, net schlecht, siehst, dass ich
da af mein'm Eignen bin, und no mach, dass d' weiterfindst samt dein
Spiessgselln, bevor meine Leut kaemmen--wann's net schleunig gnug seids, so
mach ich eng Fuess und lass' doe Hund von der Ketten-Dusterer. Hizt jagt s'
uns gar aus!
Baeuerin. Ratet's a koan, er kam wieder! In meiner Ruhigkeit will ich
verbleibn--wie mir hizt is, is's mir recht--hon mir nie unnoetig Gedanken
gmacht--brauch koane alten Gsichter z' sehn--brauch does net! (Ab.)
Grillhofer. Gehn mer, gehn mer furt! Mir is so schlecht da h'rum (deutet
auf das Herz), so viel schlecht! Ein Stein war mir h'runter, aber a
schwererer druckt hizt drauf! (Ab.--Die Szene, welche nur wenig vom Duester
der Gewitterwolken beeinflusst war, erglaenzt jetzt im hellen Mondlichte.)
Anzengruber: Der Gwissenswurm, II. Akt, 16. Szene
Sechzehnte Szene
Dusterer (allein), dann Baeuerin, Bauer, Natzl und Hans.
Dusterer. Glei kimm ich nach, Schwager!--Schau hizt her, no waer gar a
Kind da! Haett ich does nur fruher gwiss gwuesst! Aber mein Schwester--Gott
troest s'!--doe dumme Gredl, hat mi ja nie in ihr Haus zulassen; weil s'
krank war und keine Kinder ghabt hat, hat s' ihm allweil durch d' Finger
gschaut und alles vertuscht! Ob der Bankert no lebt oder schon verstorbn
is? No, dasselb wird die Baeurin do wissen--ich muss's a wissen--hat zwar
'n Teufel im Leib, doe Baeurin--aber ich muss's wissen! (Geht in das Haus ab.
--Im Hintergrunde treten Hans, Natzl und der Bauer, einer hinter dem
andern langsam durch die offene Einfahrt auf.)
Hans (weinerlich). No sein mer wieder da!
Natzl. No hat der Voda sein Willn.
Bauer. Jo, no--oba wird glei d' Muada ihrn habn! (Schaut gegen den
Himmel.) Schau, hat uns doch net derwischt, does Wetter!
Natzl. Does freili net--oba leicht hizt a anders!
Baeuerin (innen). Wissen musst der's--han--wissen musst der's!
Dusterer (innen). Auweh!
Hans. Ui! D' Muada rafft mit oan!
Dusterer (stuerzt heraus, ein Besen fliegt ihm nach).
Bauer. Ho--fassts an, Buama, hauts zu! (Fallen ueber ihn her.)
Dusterer. Aushalten a weng, Mona! (Reisst den Frachtbrief aus der Tasche.
) Sehts does rote Papier do?
Alle. Jo.
Dusterer. Kinnts lesen?
Alle. Na.
Dusterer (beiseite). Gott sei Dank!--Schauts does Petschaftsiegel drauf an.
Alles in Ordnung! Does is a Dispens vom Konsisturi; Mona, ich derf net
ghaut wern! (Indem sich Dusterer gravitaetisch zum Abgehen wendet und die
anderen verbluefft dareinstarren, faellt der Vorhang.)
Anzengruber: Der Gwissenswurm, III. Akt, 7. Szene
Siebente Szene
Vorige. Dusterer, Wastl, Rosl stuerzen zur Tuere herein.
Dusterer. Schau, da schau--wie er Buss tut--und wie dein Schatz treu is!
Grillhofer. No--no--is a bissel viel, drei Narren af einmal!
Wastl. Alsdann doch wieder gfoppt! (Greift nach der Tuerschnalle.)
Liesel. Aber Wastl...
Grillhofer. 's is ja mein Kind!
Rosl. Jesses, der Bauer hat a Kind kriegt!
Wastl. No, is's halt a reich Bauerstochter--und ich kann mer's Maul
abwischen.
Grillhofer. Du bist a Trottel! Kannst ja net wissen, ob ich mir net lang
scho ein solchen, wie du bist, zum Schwiegersuhn wuensch.
Wastl. Aber Bauer--Jesses und Joseph--does is doch alles z'viel--aber i
nimm's schon!
Grillhofer. Und no weiss ich mir schon mei Ausnehmerei und no fahrn mer
morgn doch nach der Kreisstadt.
Dusterer (ganz vergessen, schreit auf). Mir fahrn doch nach der
Kreisstadt!
Grillhofer. Mir!!! (Deutet auf sich und Wastl und Liesel.) Aber net mir!
Hast mer viel eingredt und viel vorglogn, damit ich mein, ich war der
Schwaerzeste, aber unser Herrgott kennt a ein gfarbten Schimmel, hat mich
wieder fein sauber gstriegelt und hat mer doe ins Haus gschickt und gsagt:
da hast z'gleich dein Buss und dein Sorg und dein Freudigkeit. Du aber, du
trauriger Wurmdoktor, du bleibst mer aus mein Haus, deine Kinder magst mer
schicken, was net fuer ihrn Vater koennen, dass mer an ihnen was tut.
Liesel. Aber fuer dich weiss ich a Lehr, is a wahre Christenlehr, Dusterer,
nimm dir's z'Herzen! (Singt.)
Schlusslied
Der Herrgott hat 's Lebn
Zum Freudigsein gebn,
Und was wir oft schlecht,
Er macht's do no recht!
Drum sorg fuer das Deine,
Mach niemanden irr--
Grillhofer.
Und misch dich net eini,
Du kriegst nix dafuer!
Alle.
Und misch dich net eini,
Du kriegst nix dafuer!
Anzengruber: Der Gwissenswurm, III. Akt, 1. Szene
Dritter Akt
Dekoration: Bauernstube wie im ersten Akte.
Erste Szene
Rosl, dann Wastl. Wie der Vorhang aufgeht, ist die Buehne leer, durch die
Fenster rechts faellt helles Mondlicht in die Stube. Eine Schwarzwaelder
Uhr schlaegt zehn.
Rosl (kommt mit einer oellampe, an der der Schirm herabgelassen ist, von
links). So, war lang scho alls fertig zun Niederlegn! Wollt nur, ich
wusst 'n Bauern scho in sein Bett. Wo er nur verbleibt? Zehni is's, no
ruehrt sich nix. Es is frei schon zun Fuerchten! (Stellt die Lampe auf
den Tisch.) Jesses, in der Kuchel geht oans! (Mit erstickter Stimme.) Wer
is drausst? Ah, is leicht nur unser Saunigel. (Geht naeher zur Tuere,
lauter.) Wer is drausst?
Wastl (die Tuere im Hintergrunde rechts ein wenig oeffnend.) A gut Gwissen!
Rosl. Ah, der Wastl is's!
Wastl (kommt herein). Wohl, Rosl! Aber mit dir is's net richtig,
fuerchtst dich in der Finstern. (Zeigt seine Pfeife.) A weng Feuer hon ich
mer holn wolln, is aber koan Fuenkerl mehr am Herd.
Rosl. Is a schon spat! Wo nur der Bauer verbleibt?
Wastl. Wer weiss, muss er heunt noet wo anderscht uebernachten! Kunnt ja
noch gar net da sein! Rechne dir's selber aus, zwischen a drei und vieri
is er furt, drei Stund sein hin bis zur Kahlen Lehnten, drei Stund z'ruck,
braucht er sich gar net viel aufzuhalten, muss's zehni vorbei werdn!
Rosl. Was er nur dort macht?
Wastl. Wann d' es net besser weisst wie ich, so ersparn mer einand's
Ausfragn.
Rosl. Horch! Es fahrt a Wagn!
Wastl. Richtig, hoer'n a. Aber der kimmt von der andern Seiten, von der
Ellersbrunner!
Rosl. Schau, haha, bei dir kimmt hizt alls von Ellersbrunn.
Wastl. No, ohne Frotzeln, horch doch nur, hizt poltern s' ueber doe Brucken
und hizt fahrn s' beim Kreuzwirt ins Tor und stelln ein.
Rosl. Hast a recht, aber hizt is der still und ma hoert no oan Wagn, der
kimmt von der andern Seiten und immer naheter!
Wastl. Hoer 'n schon.--Hizt waer er ganz nah--no?--Richtig fahrt er in' Hof
ein. No moecht 's doch wohl der Bauer sein. Schau ich halt nach. (Ab.)
Rosl. No, Gott sei Dank, dass er nur da is! Is a Zeit--nach a zehni! Nur
a Glueck, dass er sein Schofpelz mit hat, geht zwar a wacherlwarmi Luft,
aber halt do, im Fahrn!
Anzengruber: Der Gwissenswurm, III. Akt, 2. Szene
Zweite Szene
Vorige. Grillhofer, auf Wastl gestuetzt, zuletzt folgt Dusterer, der sich
an der Tuere aufstellt, als wollte er gar nicht bemerkt werden.
Wastl (geleitet Grillhofer zu dem Sorgenstuhl). Muss schoen dreinteufelt
habn, der Michl, dass's schon wieder da seids. Hizt derf ich nur gleich
nach'm Stall schaun!
Rosl. Je, doe armen Roesser!
Grillhofer (sehr erschoepft). Gilt mer gleich! Hon kein Erbarmnus mehr mit
doe Viecher, habn's do allmal besser af der Welt wie unsereins!
Rosl. Bist gscheit?
Grillhofer. Lebn do und kennen kein Vorschrift.--No, schau halt nach 'm
Stall, Wastl.
Wastl. Gute Nacht, Bauer. (Ab.)
Grillhofer. Gute Nacht!--Kannst a gehn, Rosl!
Rosl. No, willst allanig ins Bett kraln? Wird muehselig gehn.
Grillhofer. Sollt ich schlafen, werd ich mich schon ins Bett finden.
Gute Nacht!
Rosl. No, gute Nacht, Bauer! (Ab.)
Anzengruber: Der Gwissenswurm, III. Akt, 3. Szene
Dritte Szene
Grillhofer und Dusterer. Kleine Pause.
Grillhofer (stuetzt den Kopf in beide Haende).
Dusterer (kommt langsam aus dem Winkel nach vorne). Schwoger!
Grillhofer. Wer is's? (Blickt auf.) Du? Was willst du noch da?--Hab ja
'n Wagn vor dein Haus halten lassen, dass d' aussteign solltst.
Dusterer. Hat noet sein moegn, weil ich halt mit dir noch z' reden haett!
Grillhofer. Weisst a neuche Lug?!
Dusterer (beleidigt). Schwoger!?--Glaub mir, wann ich dir was sag!
Beispielmaessig-Grillhofer. Ich brauch nix Beispielmaessigs mehr, hob gnug an
dem, was wirkli vorgeht und wo ma umsonst a Auslegung sucht.
Dusterer. Schau, Grillhofer, es is mir vergangen--na ja, weil du ja
selber es Rechte angebn hast, dass mein Traum doch a Vorbedeutung hat.
Hast ja selbn gmeint, im Rauchen und Feuer sieht mer schlecht, doe
Riesler-Magdalen konn does im Fegfeuer net gwest sein,
aber--Grillhofer--dein Kind is's gwest, does hon ich fuer soe gnumma, no ja,
weils ihr gleich schaut, weil ebn a der Magdalen ihr Kind is!
Grillhofer. Dummheiten!
Dusterer. Grillhofer! Hoer mich aus, glaub mir, wann ich dir was sag! I
mein, es verbleibt bei unsern Abkaemmen--es geht halt hizt um dein Kind!
Grillhofer. Weil dir's taugt, steckst does hizt ins Fegfeuer.
Dusterer (eifrig). Na, na--weil die Suenden der Eltern an den Kindern
gstraft werden, steckt's drein und wohl wegn der eignen Suendhaftigkeit a,
meinst, so vater- und mutterlos war's rechtschaffen wordn?!
Grillhofer. Wer aber sagt dir denn, dass's versturbn sein muss?!
Dusterer. Grillhofer, lass dir sagn, besser, es is versturbn, als es is
lebig a so, dass d' der's ueberlegn rnuesst, ob du's a anerkenne kinna kannst!
Grillhofer (ausbrechend). Sixt, Dusterer, does is! Lang net, mer wusst
oans in der Hoell, is mer so gstraft, als ma weiss oans af der Welt, dem ma
beispringa moecht, does vielleicht nach ein'm ruft in Noeten, Drangsal und
ein'm zumoecht--und mer kann net--weiss koans vom andern, wo's is!
Dusterer (tritt naeher). Armer Schwoger!
Grillhofer. Halt 's Maul! (Ruhiger.) Geh hizt! Hon kein Lust, mich no
heunt mit dir h'rum z' dischpatiern.
Dusterer. Na, lass' mer's halt af a ander Mal! Gute Nacht, Schwager!
(An der Tuere.) Oan Frag haett ich no?
Grillhofer. Was denn?
Dusterer. Bleibt's dabei?
Grillhofer. Bei was?
Dusterer. Beispielmaessig, fahrn mer morgn nach der Kreisstadt oder net?
Grillhofer. Heunt weiss ich nix, gar nix! Geh zu!
Dusterer (kommt wieder etwas vor). Nur eins no! Soll mal was sein, hon
ich's gern bald richtig!
Grillhofer (sieht ihn gross an, spoettisch). I weiss, mer kennt dich dafuer,
haltst af Ordnung!
Dusterer. So oder so! Lang h'rumschneiden konn i net leiden! Schau dein
Einwendigs an! Brauchst ein Zuspruch, gut, so halt dein Wort, sunst bleib
ich dir fern.
Grillhofer. Werdn ma ja sehn, ob ich 'n Zuspruch noetiger brauch als du
mein Hof!
Dusterer. Werdn mer sehn, gut is's! Nur kimm mer net z' spot, wann i
eppa neamer fuer dich z' Haus bin. (Wendet sich.) War uebel fuer uns allzwei,
aber ich bin a so! (Tut einen Schritt nach rueckwaerts.) Grillhofer, ich
geh hizt--gute Nacht?
Grillhofer. Gute Nacht!
Dusterer. Hast mich grufen?
Grillhofer. Na.
Dusterer. I hon gmeint, es reut dich!--(An der Tuere.) Grillhofer, es
steht geschrieben: Ich will nicht den Tod des Suenders!--I schau d'r schon
morgen nach!
Grillhofer (ungeduldig). No, moch nur heunt no furt--allan will ich sein!
(Sinkt in seine fruebere Stellung zurueck.)
Dusterer (hat die Tuere geoeffnet, bleibt aber an derselben stehen und
blickt nach Grillhofer). Teufi, 's gute Auskaemma hat ein End und mit ihm
selber steht's wohl schlecht--mit muss er mir morgn, sunst war alles
verschuett. Furt schlepp i 'n, und wann's ihm glei ans Leben gang, 's
andere wird scho der liebe Gott gebn!--Wie ich mir 'n betracht, auf d'
Hinterfuess stellt er sich wohl net! Dazu no d' heutig Nacht koan Augn zu.
I hon's schon gwunna. Selbn hon ich a kein Schlof, ich schleich lieber
bis fruh da um sein... um mein Hof, um mein Hof. (Schluepft zur Tuere
hinaus, die er leise hinter sich schliesst.)
Anzengruber: Der Gwissenswurm, III. Akt, 4. Szene
Vierte Szene
Melodram
Leise beginnt die Musik das Busslied aus dem ersten Akt aufzunehmen und
begleitet damit variiert den folgenden Monolog.
Grillhofer (erhebt den Kopf). Viel tausend und tausend Meilen gehen rund
um die Erd--koennen viel hundert zwischen mir und mein Kind liegen--oder
kann mer ganz nah sein und ich weiss's net!--(Steht langsam auf, mit
gefalteten Haenden.) O himmlischer Voda! Wann's neamer lebt--so lass a mich
net so allan herumkriechen af der Welt--und wann's in Unehr auf gwachsen
is, so bitt ich dich--lass mich's net derlebn!--Himmlischer Herr, ich
ueberheb mich net, aber wann d' a End mit mir machen wolltst--es war wohl
's Gscheiteste!--Und wann's vielleicht hizt in der naemlich Stund, wo ich
zu dir bitt--aufschreit in Suend und Noeten--so hoer auf mi--verstopf dein
Ohr--wann's sein Dasein reut und sein Vatern verflucht!!
(Die Musik bricht mit einem starken Akkord ab.)
Grillhofer (ist zum Fenster gewankt, das er aufreisst, und sinkt jetzt auf
einen davor stehenden Stuhl). Luft!!! (Kleine Pause.)
Anzengruber: Der Gwissenswurm, III. Akt, 5. Szene
Fuenfte Szene
Voriger. Rosl. Liesel.
Rosl (an der Tuer, welche sie leise geoeffnet hat, zur Liesel, die hinter
ihr eintritt, laesternd). Er is no auf!--(Lauter.) Bauer!
Grillhofer (nickt mit dem gesenkten Haupte). Jo.
Rosl. Schau doch auf! D' Horlacher-Lies is wieder da!
Grillhofer (verloren). So.
Rosl. Sie muesst heunt no zu dir, hat s' gsagt.
Grillhofer. Was will s'mer denn?
Rosl. Na, hoer nur auf sie, ich weiss's ja net. (Geht ab, indem sie der
Liesel, die an der Tuere stehengeblieben war, vorzutreten winkt.)
Anzengruber: Der Gwissenswurm, III. Akt, 6. Szene
Sechste Szene
Grillhofer und Liesel.
Liesel (kommt vor, frisch). Jo, wir habn schon a Kreuz miteinander...
(Da sie Grillhofer naeher ins Auge fasst.) Um Gotteswilln, Bauer, was is der
denn?
Grillhofer. Nix, nix, Dirndl, triffst mich grad, wie ich nach meiner
neuchen Wohnung ausschau.
Liesel. Gfreut dich dein alte nimmer? (Sieht hinaus.) Wo zu willst denn
hinbaun?
Grillhofer (hinausdeutend). Siehst! Siehst! Durt, wo die Kreuzeln
herschimmern.
Liesel. Am Freithof? Geh zu, was kuemmert dich der Freithof? Doe er
angeht, doe wissen nix davon, und doe davon wissen, doe geht er nix an!
Schau lieber, wie heunt doe Stern funkeln und 's Mondschein leucht. Bin
hizt durch'n Wald hergfahrn, im Gezweig habn doe Johanneskaeferln ihr Gspiel
triebn und ueber der stillen Nacht is der ganze Himmel voll Lichter glegn.
Und wann ma so hinaufschaut, wie's leucht und funkelt ueber der weiten Welt,
da is ein, als ziehet's ein d' Seel aus der Brust und reichet doe weit
ueber d' Erd in sternlichten Himmel h'nein.
Grillhofer. O jo--wohl--wohl--wonn mer holt no a freie Seel hat!
Liesel (ermutigter). No geh, Bauer, tu net so verzagt, doe deine wird a no
keiner am Strickl fuehrn; lass dir hizt von meiner Mahm verzaehln, dass d' auf
andere Gedanken kimmst!--Denk dir, doe Mahm leidt's net, dass d' dein Hof
weggibst!
Grillhofer (erstaunt). Dein Mahm, doe alte Horlacherin, leidt's net? Does
is bsunders! (Steht auf.)
Liesel. Gelt ja!
Grillhofer. Doe leidt's net! No moecht ich doch wissen...
Liesel. Na siehst, wann d' es wissen moechst, musst d' mich schon anhoern.
--Geh, ich fuehr dich.
Grillhofer. A na--na--konn schon no selber gehn. (Geht, von Liesel
geleitet, zum Sorgenstuhl, setzt sich.) No, so verzaehl halt! Haett net
denkt, es verinteressieret mich noch was, aber does is doch bsunders--ja,
ganz bsunders!
Liesel. Noet wahr? Does find ich a! Is a gscheits Weib sunst, die
Mahm--mirk a nix, sie war af amal irr wordn, aber da kenn ich mich a
neamer mit ihr aus!--Also ich kimm z' Haus, sag ihr, du haettst mich
ausgjagt, hoasst s' mich a ungschickte Gretl; wie ich aber sag, du woelltst
wohl morgn mit 'n Dusterer nach der Kreisstadt fahrn, ihm 'n Hof uebergebn,
da war's aus, no gleich hat der Mueller einspannen muessen, gegen Geld und
gute Wort, herfahren hab ich muessen, dass ich.ja vor der Fruh da
bin--umarmt und busst hat mich die Mahm beim Wegfahrn, als wann a Abschied
auf ewige Zeiten war! Und gar no ein Brief hat s' mir gschriebn.
Grillhofer. Dir?
Liesel. Jo, an dich!
Grillhofer. Ah so, no, so gib. Does kimmt allweil verwunderiger!
Liesel. (zieht den Brief aus ihrer Joppe). Und ich sollt machen, dass d'n
heunt no les'st, und fuer dich solltst 'n vorerst lesen, hat s' gsagt.
(Gibt ihm den Brief.)
Grillhofer. No, so lesn mer 'n halt. (Schiebt den Schirm der Lampe in
die Hoehe.)
Liesel (geht zum Fenster und blickt hinaus).
Grillhofer (entfaltet den Brief und liest). "Lieber Grillhofer! Mit
schweren Herzen schick ich Dir a Anvertrauts zruck, doch steht Dir frei,
wann D' den Brief glesen hast, ob Du's als das Deine anerkenne willst,
sunst nimm ich's mit Freuden wieder an mich! Ich mein, ich brauch mich
net z' schaemen, wie ich Dir's zuschicke. Doe Dirn, was heunt zun
zweitenmal bei Dir einspricht, is im Deckerl in mein Haus bracht wordn,
weil s' Dein Weib net hat auf'n Hof vor Augen haben wolln, aber es war ihr
Meinung, wann a rechtschaffen Gschoepf aus ihr wordn waer, sollt ich Dir's
zuschicken. Lang hab ich mir does verspart, aber ohne Schaden fuer sie
koennt ich's hizt nimmer bei mir verhalten. Doe Dirn heisst nach ihrn
Rufnamen Horlacher-Lies, weil s' von klein auf bei mir war, hat bis heunt
fuer vaterund mutterlos golten und weiss's selber net anders; nach'm
Kirchbuch heisst s' Elisabeth Riesler und is, wie doe Magdalen ausgsagt hat,
Dein Kind!! Es gruesst Dich und lasst Dir Dein'n freien Willn doe alte
Horlacherin." (Legt den Brief vor sich auf den Tisch und haelt sich den
Kopf mit beiden Haenden.) Oh, du mein Gott, is mer denn recht? Steht's
wohl a a so da?