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New Philadelphia Book Publisher Highlights Local Talent
Book and Publishing News from Publishers Newswire(tm)

Looking for Child to be on Cover of a New Book, 'The Model Child'
PHILADELPHIA, Pa. -- The Philadelphia literary world will celebrate the launch of two new players today, April 10th: Kay Square Press, a new publishing company focused on Philadelphia-area artists, their stories, and their art; and Kay Square's first release, 'With the Rich and Mighty: Emlen Etting of Philadelphia' (ISBN: 978-0-9815129-0-7), a critical biography by Kenneth C. Kaleta.

FlatSigned Press Alleges Don Imus Remarks Damage Legacy of President Gerald R. Ford
NEW YORK, N.Y. -- Nathan Yungerberg, an accomplished model scout and professional child photographer is launching a nation-wide casting call to find the cover model for his highly anticipated book release, 'The Model Child: A Parents Guide to the Child Modeling Industry' (ISBN: 978-0-9817018-0-6).

Die Aufzeichnungen des Malte Laurid Brigge

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Das war im Theater zu Orange. Ohne recht aufzusehen, nur im
Bewusstsein des rustiken Bruchs, der jetzt seine Fassade ausmacht, war
ich durch die kleine Glastuer des Waechters eingetreten. Ich befand
mich zwischen liegenden Saeulenkoerpern und kleinen Althaeabaeumen, aber
sie verdeckten mir nur einen Augenblick die offene Muschel des
Zuschauerhangs, die dalag, geteilt von den Schatten des Nachmittags,
wie eine riesige konkave Sonnenuhr. Ich ging rasch auf sie zu. Ich
fuehlte, zwischen den Sitzreihen aufsteigend, wie ich abnahm in dieser
Umgebung. Oben, etwas hoeher, standen, schlecht verteilt, ein paar
Fremde herum in muessiger Neugier; ihre Anzuege waren unangenehm deutlich,
aber ihr Massstab war nicht der Rede wert. Eine Weile fassten sie mich
ins Auge und wunderten sich ueber meine Kleinheit. Das machte, dass ich
mich umdrehte.

Oh, ich war voellig unvorbereitet. Es wurde gespielt. Ein immenses,
ein uebermenschliches Drama war im Gange, das Drama dieser gewaltigen
Szenenwand, deren senkrechte Gliederung dreifach auftrat, droehnend vor
Groesse, fast vernichtend und ploetzlich massvoll im UEbermass.

Ich liess mich hin vor gluecklicher Bestuerzung. Dieses Ragende da mit
der antlitzhaften Ordnung seiner Schatten, mit dem gesammelten Dunkel
im Mund seiner Mitte, begrenzt, oben, von des Kranzgesimses
gleichlockiger Haartracht: dies war die starke, alles verstellende
antikische Maske, hinter der die Welt zum Gesicht zusammenschoss. Hier,
in diesem grossen, eingebogenen Sitzkreis herrschte ein wartendes,
leeres, saugendes Dasein: alles Geschehen war drueben: Goetter und
Schicksal. Und von drueben kam (wenn man hoch aufsah) leicht, ueber den
Wandgrat: der ewige Einzug der Himmel.

Diese Stunde, das begreife ich jetzt, schloss mich fuer immer aus von
unseren Theatern. Was soll ich dort? Was soll ich vor einer Szene,
in der diese Wand (die Ikonwand der russischen Kirchen) abgetragen
wurde, weil man nicht mehr die Kraft hat, durch ihre Haerte die
Handlung durchzupressen, die gasfoermige, die in vollen schweren
OEltropfen austritt. Nun fallen die Stuecke in Brocken durch das
lochige Grobsieb der Buehnen und haeufen sich an und werden weggeraeumt,
wenn es genug ist. Es ist dieselbe ungare Wirklichkeit, die auf den
Strassen liegt und in den Haeusern, nur dass mehr davon dort
zusammenkommt, als sonst in einen Abend geht.

(Lasst uns doch aufrichtig sein, wir haben kein Theater, so wenig wir
einen Gott haben: dazu gehoert Gemeinsamkeit. Jeder hat seine
besonderen Einfaelle und Befuerchtungen, und er laesst den andern so viel
davon sehen, als ihm nuetzt und passt. Wir verduennen fortwaehrend unser
Verstehen, damit es reichen soll, statt zu schreien nach der Wand
einer gemeinsamen Not, hinter der das Unbegreifliche Zeit hat, sich zu
sammeln und anzuspannen.)

Haetten wir ein Theater, stuendest du dann, du Tragische immer wieder so
schmal, so bar, so ohne Gestaltvorwand vor denen, die an deinem
ausgestellten Schmerz ihre eilige Neugier vergnuegen? Du sahst,
unsaeglich Ruehrende, das Wirklichsein deines Leidens voraus, in Verona
damals, als du, fast noch ein Kind, theaterspielend, lauter Rosen vor
dich hieltst wie eine maskige Vorderansicht, die dich gesteigert
verbergen sollte.

Es ist wahr, du warst ein Schauspielerkind, und wenn die Deinen
spielten, so wollten sie gesehen sein; aber du schlugst aus der Art.
Dir sollte dieser Beruf werden, was fuer Marianna Alcoforado, ohne dass
sie es ahnte, die Nonnenschaft war, eine Verkleidung, dicht und
dauernd genug, um hinter ihr rueckhaltlos elend zu sein, mit der
Instaendigkeit, mit der unsichtbare Selige selig sind. In allen
Staedten, wohin du kamst, beschrieben sie deine Gebaerde; aber sie
begriffen nicht, wie du, aussichtsloser von Tag zu Tag, immer wieder
eine Dichtung vor dich hobst, ob sie dich berge. Du hieltest dein
Haar, deine Haende, irgendein dichtes Ding vor die durchscheinenden
Stellen. Du hauchtest die an, die durchsichtig waren; du machtest
dich klein; du verstecktest dich, wie Kinder sich verstecken, und dann
hattest du jenen kurzen, gluecklichen Auflaut, und hoechstens ein Engel
haette dich suchen duerfen. Aber, schautest du dann vorsichtig auf, so
war kein Zweifel, dass sie dich die ganze Zeit gesehen hatten, alle in
dem haesslichen, hohlen, aeugigen Raum: dich, dich, dich und nichts
anderes.

Und es kam dich an, ihnen den Arm verkuerzt entgegenzustrecken mit dem
Fingerzeichen gegen den boesen Blick. Es kam dich an, ihnen dein
Gesicht zu entreissen, an dem sie zehrten. Es kam dich an, du selber
zu sein. Deinen Mitspielern fiel der Mut; als haette man sie mit einem
Pantherweibchen zusammengesperrt, krochen sie an den Kulissen entlang
und sprachen was faellig war, nur um dich nicht zu reizen. Da aber
zogst sie hervor und stelltest sie hin und gingst mit ihnen um wie mit
Wirklichen. Die schlappen Tueren, die hingetaeuschten Vorhaenge, die
Gegenstaende ohne Hinterseite draengten dich zum Widerspruch. Du
fuehltest, wie dein Herz sich unaufhaltsam steigerte zu einer immensen
Wirklichkeit und, erschrocken, versuchtest du noch einmal die Blicke
von dir abzunehmen wie lange Faeden Altweibersommers--: Aber da brachen
sie schon in Beifall aus in ihrer Angst vor dem AEussersten: wie um im
letzten Moment etwas von sich abzuwenden, was sie zwingen wuerde, ihr
Leben zu aendern.

Schlecht leben die Geliebten und in Gefahr. Ach, dass sie sich
ueberstuenden und Liebende wuerden. Um die Liebenden ist lauter
Sicherheit. Niemand verdaechtigt sie mehr, und sie selbst sind nicht
imstande, sich zu verraten. In ihnen ist das Geheimnis heil geworden,
sie schreien es im Ganzen aus wie Nachtigallen, es hat keine Teile.
Sie klagen um einen; aber die ganze Natur stimmt in sie ein: es ist
die Klage um einen Ewigen. Sie stuerzen sich dem Verlorenen nach, aber
schon mit den ersten Schritten ueberholen sie ihn, und vor ihnen ist
nur noch Gott. Ihre Legende ist die der Byblis, die den Kaunos
verfolgt bis nach Lykien hin. Ihres Herzens Andrang jagte sie durch
die Laender auf seiner Spur, und schliesslich war sie am Ende der Kraft;
aber so stark war ihres Wesens Bewegtheit, dass sie, hinsinkend,
jenseits vom Tod als Quelle wiedererschien, eilend, als eilende Quelle.


Was ist anderes der Portugiesin geschehen: als dass sie innen zur
Quelle ward? Was dir, Heloise? Was euch, Liebenden, deren Klagen auf
uns gekommen sind: Gaspara Stampa; Graefin von Die und Clara d'Anduze;
Louise Labbe, Marceline Desbordes, Elisa Mercœur? Aber du, arme
fluechtige Aisse, du zoegertest schon und gabst nach. Muede Julie
Lespinasse. Trostlose Sage des gluecklichen Parks: Marie-Anne de
Clermont.

Ich weiss noch genau, einmal, vorzeiten, zuhaus, fand ich ein
Schmucketui; es war zwei Haende gross, faecherfoermig mit einem
eingepressten Blumenrand im dunkelgruenen Saffian. Ich schlug es auf:
es war leer. Das kann ich nun sagen nach so langer Zeit. Aber damals,
da ich es geoeffnet hatte, sah ich nur, woraus diese Leere bestand:
aus Samt, aus einem kleinen Huegel lichten, nicht mehr frischen Samtes;
aus der Schmuckrille, die, um eine Spur Wehmut heller, leer, darin
verlief. Einen Augenblick war das auszuhalten. Aber vor denen, die
als Geliebte zurueckbleiben, ist es vielleicht immer so.

Blaettert zurueck in euren Tagebuechern. War da nicht immer um die
Fruehlinge eine Zeit, da das ausbrechende Jahr euch wie ein Vorwurf
betraf? Es war Lust zum Frohsein in euch, und doch, wenn ihr
hinaustratet in das geraeumige Freie, so entstand draussen eine
Befremdung in der Luft, und ihr wurdet unsicher im Weitergehen wie auf
einem Schiffe. Der Garten fing an; ihr aber (das war es), ihr
schlepptet Winter herein und voriges Jahr; fuer euch war es bestenfalls
eine Fortsetzung. Waehrend ihr wartetet, dass eure Seele teilnaehme,
empfandet ihr ploetzlich eurer Glieder Gewicht, und etwas wie die
Moeglichkeit, krank zu werden, drang in euer offenes Vorgefuehl. Ihr
schobt es auf euer zu leichtes Kleid, ihr spanntet den Schal um die
Schultern, ihr lieft die Allee bis zum Schluss: und dann standet ihr,
herzklopfend, in dem weiten Rondell, entschlossen mit alledem einig zu
sein. Aber ein Vogel klang und war allein und verleugnete euch. Ach,
haettet ihr muessen gestorben sein?

Vielleicht. Vielleicht ist das neu, dass wir das ueberstehen: das Jahr
und die Liebe. Blueten und Fruechte sind reif, wenn sie fallen; die
Tiere fuehlen sich und finden sich zueinander und sind es zufrieden.
Wir aber, die wir uns Gott vorgenommen haben, wir koennen nicht fertig
werden. Wir ruecken unsere Natur hinaus, wir brauchen noch Zeit. Was
ist uns ein Jahr? Was sind alle? Noch eh wir Gott angefangen haben,
beten wir schon zu ihm: lass uns die Nacht ueberstehen. Und dann das
Kranksein. Und dann die Liebe.

Dass Clemence de Bourges hat sterben muessen in ihrem Aufgang. Sie, die
ohne gleichen war; unter den Instrumenten, die sie wie keine zu
spielen verstand, das schoenste, selber im mindesten Klang ihrer Stimme
unvergesslich gespielt. Ihr Maedchentum war von so hoher
Entschlossenheit, dass eine flutende Liebende diesem aufkommenden
Herzen das Buch Sonette zueignen konnte, darin jeder Vers ungestillt
war. Louise Labbe fuerchtete nicht, dieses Kind zu erschrecken mit der
Leidenslaenge der Liebe. Sie zeigte ihr das naechtliche Steigen der
Sehnsucht; sie versprach ihr den Schmerz wie einen groesseren Weltraum;
und sie ahnte, dass sie mit ihrem erfahrenen Weh hinter dem dunkel
erwarteten zurueckblieb, von dem diese Juenglingin schoen war.

Maedchen in meiner Heimat. Dass die schoenste von euch im Sommer an
einem Nachmittag in der verdunkelten Bibliothek sich das kleine Buch
faende, das Jan des Tournes 1556 gedruckt hat. Dass sie den kuehlenden,
glatten Band mitnaehme hinaus in den summenden Obstgarten oder hinueber
zum Phlox, in dessen uebersuesstem Duft ein Bodensatz schierer Suessigkeit
steht. Dass sie es frueh faende. In den Tagen, da ihre Augen anfangen,
auf sich zu halten, waehrend der juengere Mund noch imstande ist, viel
zu grosse Stuecke von einem Apfel abzubeissen und voll zu sein.

Und wenn dann die Zeit der bewegteren Freundschaften kommt, Maedchen,
dass es euer Geheimnis waere, einander Dika zu rufen und Anaktoria,
Gyrinno und Atthis. Dass einer, ein Nachbar vielleicht, ein aelterer
Mann, der in seiner Jugend gereist ist und laengst als Sonderling gilt,
euch diese Namen verriete. Dass er euch manchmal zu sich einluede, um
seiner beruehmten Pfirsiche willen oder wegen der Ridingerstiche zur
Equitation oben im weissen Gang, von denen so viel gesprochen wird, dass
man sie muesste gesehen haben.

Vielleicht ueberredet ihr ihn zu erzaehlen. Vielleicht ist die unter
euch, die ihn erbitten kann, die alten Reisetagebuecher hervorzuholen,
wer kann es wissen? Dieselbe, die es ihm eines Tags zu entlocken
versteht, dass einzelne Gedichtstellen der Sappho auf uns gekommen sind,
und die nicht ruht bis sie weiss, was fast ein Geheimnis ist: dass
dieser zurueckgezogene Mann es liebte, zuzeiten seine Musse an die
UEbertragung dieser Versstuecke zu wenden. Er muss zugeben, dass er lange
nicht mehr daran gedacht hat, und was da ist, versichert er, sei nicht
der Rede wert. Aber nun freut es ihn doch, vor diesen arglosen
Freundinnen, wenn sie sehr draengen, eine Strophe zu sagen. Er
entdeckt sogar den griechischen Wortlaut in seinem Gedaechtnis, er
spricht ihn vor, weil die UEbersetzung nichts giebt, seiner Meinung
nach, und um dieser Jugend den schoenen, echten Bruch der massiven
Schmucksprache zu zeigen, die in so starken Flammen gebogen ward.

UEber dem allen erwaermt er sich wieder fuer seine Arbeit. Es kommen
schoene, fast jugendliche Abende fuer ihn, Herbstabende zum Beispiel,
die sehr viel stille Nacht vor sich haben. In seinem Kabinett ist
dann lange Licht. Er bleibt nicht immer ueber die Blaetter gebeugt, er
lehnt sich oft zurueck, er schliesst die Augen ueber einer
wiedergelesenen Zeile, und ihr Sinn verteilt sich in seinem Blut. Nie
war er der Antike so gewiss. Fast moechte er der Generationen laecheln,
die sie beweint haben wie ein verlorenes Schauspiel, in dem sie gerne
aufgetreten waeren. Nun begreift er momentan die dynamische Bedeutung
jener fruehen Welteinheit, die etwas wie ein neues, gleichzeitiges
Aufnehmen aller menschlichen Arbeit war. Es beirrt ihn nicht, dass
jene konsequente Kultur mit ihren gewissermassen vollzaehligen
Versichtbarungen fuer viele spaetere Blicke ein Ganzes zu bilden schien
und ein im Ganzen Vergangenes. Zwar ward dort wirklich des Lebens
himmlische Haelfte an die halbrunde Schale des Daseins gepasst, wie zwei
volle Hemisphaeren zu einer heilen, goldenen Kugel zusammengehen. Doch
dies war kaum geschehen, so empfanden die in ihr eingeschlossenen
Geister diese restlose Verwirklichung nur noch als Gleichnis; das
massive Gestirn verlor an Gewicht und stieg auf in den Raum, und in
seiner goldenen Rundung spiegelte sich zurueckhaltend die Traurigkeit
dessen, was noch nicht zu bewaeltigen war.

Wie er dies denkt, der Einsame in seiner Nacht, denkt und einsieht,
bemerkt er einen Teller mit Fruechten auf der Fensterbank.
Unwillkuerlich greift er einen Apfel heraus und legt ihn vor sich auf
den Tisch. Wie steht mein Leben herum um diese Frucht, denkt er. Um
alles Fertige steigt das Ungetane und steigert sich.

Und da, ueber dem Ungetanen, ersteht ihm, fast zu schnell, die kleine,
ins Unendliche hinaus gespannte Gestalt, die (nach Galiens Zeugnis)
alle meinten, wenn sie sagten: die Dichterin. Denn wie hinter den
Werken des Herakles Abbruch und Umbau der Welt verlangend aufstand, so
draengten sich, gelebt zu werden, aus den Vorraeten des Seins an die
Taten ihres Herzens die Seligkeiten und Verzweiflungen heran, mit
denen die Zeiten auskommen muessen.

Er kennt auf einmal dieses entschlossene Herz, das bereit war, die
ganze Liebe zu leisten bis ans Ende. Es wundert ihn nicht, dass man es
verkannte; dass man in dieser ueberaus kuenftigen Liebenden nur das
UEbermass sah, nicht die neue Masseinheit von Liebe und Herzleid. Dass
man die Inschrift ihres Daseins auslegte wie sie damals gerade
glaubhaft war, dass man ihr endlich den Tod derjenigen zuschrieb, die
der Gott einzeln anreizt, aus sich hinauszulieben ohne Erwiderung.
Vielleicht waren selbst unter den von ihr gebildeten Freundinnen
solche, die es nicht begriffen: dass sie auf der Hoehe ihres Handelns
nicht um einen klagte, der ihre Umarmung offen liess, sondern um den
nicht mehr Moeglichen, der ihrer Liebe gewachsen war.

Hier steht der Sinnende auf und tritt an sein Fenster, sein hohes
Zimmer ist ihm zu nah, er moechte Sterne sehen, wenn es moeglich ist.
Er taeuscht sich nicht ueber sich selbst. Er weiss, dass diese Bewegung
ihn erfuellt, weil unter den jungen Maedchen aus der Nachbarschaft die
eine ist, die ihn angeht. Er hat Wuensche (nicht fuer sich, nein, aber
fuer sie); fuer sie versteht er in einer naechtlichen Stunde, die
voruebergeht, den Anspruch der Liebe. Er verspricht sich, ihr nichts
davon zu sagen. Es scheint ihm das AEusserste, allein zu sein und wach
und um ihretwillen zu denken, wie sehr im Recht jene Liebende war:
wenn sie wusste, dass mit der Vereinigung nichts gemeint sein kann, als
ein Zuwachs an Einsamkeit; wenn sie den zeitlichen Zweck des
Geschlechtes durchbrach mit seiner unendlichen Absicht. Wenn sie im
Dunkel der Umarmungen nicht nach Stillung grub, sondern nach Sehnsucht.
Wenn sie es verachtete, dass von Zweien einer der Liebende sei und
einer Geliebter, und die schwachen Geliebten, die sie sich zum Lager
trug, an sich zu Liebenden gluehte, die sie verliessen. An solchen
hohen Abschieden wurde ihr Herz zur Natur. UEber dem Schicksal sang
sie den firnen Lieblinginnen ihr Brautlied; erhoehte ihnen die Hochzeit;
uebertrieb ihnen den nahen Gemahl, damit sie sich zusammennaehmen fuer
ihn wie fuer einen Gott und auch noch seine Herrlichkeit ueberstuenden.

Einmal noch, Abelone, in den letzten Jahren fuehlte ich und sah dich
ein, unerwartet, nachdem ich lange nicht an dich gedacht hatte.

Das war in Venedig, im Herbst, in einem jener Salons, in denen Fremde
sich voruebergehend um die Dame des Hauses versammeln, die fremd ist
wie sie. Diese Leute stehen herum mit ihrer Tasse Tee und sind
entzueckt, sooft ein kundiger Nachbar sie kurz und verkappt nach der
Tuer dreht, um ihnen einen Namen zuzufluestern, der venezianisch klingt.
Sie sind auf die aeussersten Namen gefasst, nichts kann sie ueberraschen;
denn so sparsam sie sonst auch im Erleben sein moegen, in dieser Stadt
geben sie sich nonchalant den uebertriebensten Moeglichkeiten hin. In
ihrem gewoehnlichen Dasein verwechseln sie bestaendig das
Ausserordentliche mit dem Verbotenen, so dass die Erwartung des
Wunderbaren, die sie sich nun gestatten, als ein grober,
ausschweifender Ausdruck in ihre Gesichter tritt. Was ihnen zu Hause
nur momentan in Konzerten passiert oder wenn sie mit einem Roman
allein sind, das tragen sie unter diesen schmeichelnden Verhaeltnissen
als berechtigten Zustand zur Schau. Wie sie, ganz unvorbereitet,
keine Gefahr begreifend, von den fast toedlichen Gestaendnissen der
Musik sich anreizen lassen wie von koerperlichen Indiskretionen, so
ueberliefern sie sich, ohne die Existenz Venedigs im geringsten zu
bewaeltigen, der lohnenden Ohnmacht der Gondeln. Nicht mehr neue
Eheleute, die waehrend der ganzen Reise nur gehaessige Repliken fuer
einander hatten, versinken in schweigsame Vertraeglichkeit; ueber den
Mann kommt die angenehme Muedigkeit seiner Ideale, waehrend sie sich
jung fuehlt und den traegen Einheimischen aufmunternd zunickt mit einem
Laecheln, als haette sie Zaehne aus Zucker, die sich bestaendig aufloesen.
Und hoert man hin, so ergiebt es sich, dass sie morgen reisen oder
uebermorgen oder Ende der Woche.

Da stand ich nun zwischen ihnen und freute mich, dass ich nicht reiste.
In kurzem wuerde es kalt sein. Das weiche, opiatische Venedig ihrer
Vorurteile und Beduerfnisse verschwindet mit diesen somnolenten
Auslaendern, und eines Morgens ist das andere da, das wirkliche, wache,
bis zum Zerspringen sproede, durchaus nicht ertraeumte: das mitten im
Nichts auf versenkten Waeldern gewollte, erzwungene und endlich so
durch und durch vorhandene Venedig. Der abgehaertete, auf das Noetigste
beschraenkte Koerper, durch den das nachtwache Arsenal das Blut seiner
Arbeit trieb, und dieses Koerpers penetranter, sich fortwaehrend
erweiternder Geist, der staerker war als der Duft aromatischer Laender.
Der suggestive Staat, der das Salz und Glas seiner Armut austauschte
gegen die Schaetze der Voelker. Das schoene Gegengewicht der Welt, das
bis in seine Zierate hinein voll latenter Energien steht, die sich
immer feiner vernervten--: dieses Venedig.

Das Bewusstsein, dass ich es kannte, ueberkam mich unter allen diesen
sich taeuschenden Leuten mit so viel Widerspruch, dass ich aufsah, um
mich irgendwie mitzuteilen. War es denkbar, dass in diesen Saelen nicht
einer war, der unwillkuerlich darauf wartete, ueber das Wesen dieser
Umgebung aufgeklaert zu sein? Ein junger Mensch, der es sofort begriff,
dass hier nicht ein Genuss aufgeschlagen war, sondern ein Beispiel des
Willens, wie es nirgends anfordernder und strenger sich finden liess?
Ich ging umher, meine Wahrheit beunruhigte mich. Da sie mich hier
unter 50 vielen ergriffen hatte, brachte sie den Wunsch mit,
ausgesprochen, verteidigt, bewiesen zu sein. Die groteske Vorstellung
entstand in mir, wie ich im naechsten Augenblick in die Haende klatschen
wuerde aus Hass gegen das von allen zerredete Missverstaendnis.

In dieser laecherlichen Stimmung bemerkte ich sie. Sie stand allein
vor einem strahlenden Fenster und betrachtete mich; nicht eigentlich
mit den Augen, die ernst und nachdenklich waren, sondern geradezu mit
dem Mund, der den offenbar boesen Ausdruck meines Gesichtes ironisch
nachahmte. Ich fuehlte sofort die ungeduldige Spannung in meinen Zuegen
und nahm ein gelassenes Gesicht an, worauf ihr Mund natuerlich wurde
und hochmuetig. Dann, nach kurzem Bedenken, laechelten wir einander
gleichzeitig zu.

Sie erinnerte, wenn man will, an ein gewisses Jugendbildnis der
schoenen Benedicte von Qualen, die in Baggesens Leben eine Rolle spielt.
Man konnte die dunkle Stille ihrer Augen nicht sehen ohne die klare
Dunkelheit ihrer Stimme zu vermuten. UEbrigens war die Flechtung ihres
Haars und der Halsausschnitt ihres hellen Kleides so kopenhagisch, dass
ich entschlossen war, sie daenisch anzureden.

Ich war aber noch nicht nahe genug, da schob sich von der andern Seite
eine Stroemung zu ihr hin; unsere gaesteglueckliche Graefin selbst, in
ihrer warmen, begeisterten Zerstreutheit, stuerzte sich mit einer Menge
Beistand ueber sie, um sie auf der Stelle zum Singen abzufuehren. Ich
war sicher, dass das junge Maedchen sich damit entschuldigen wuerde, dass
niemand in der Gesellschaft Interesse haben koenne, daenisch singen zu
hoeren. Dies tat sie auch, sowie sie zu Worte kam. Das Gedraenge um
die lichte Gestalt herum wurde eifriger; jemand wusste, dass sie auch
deutsch singe. "Und italienisch", ergaenzte eine lachende Stimme mit
boshafter UEberzeugung. Ich wusste keine Ausrede, die ich ihr haette
wuenschen koennen, aber ich zweifelte nicht, dass sie widerstehen wuerde.
Schon breitete sich eine trockene Gekraenktheit ueber die vom langen
Laecheln abgespannten Gesichter der UEberredenden aus, schon trat die
gute Graefin, um sich nichts zu vergeben, mitleidig und wuerdig einen
Schritt ab, da, als es durchaus nicht mehr noetig war, gab sie nach.
Ich fuehlte, wie ich blass wurde vor Enttaeuschung; mein Blick fuellte
sich mit Vorwurf, aber ich wandte mich weg, es lohnte nicht, sie das
sehn zu lassen. Sie aber machte sich von den andern los und war auf
einmal neben mir. Ihr Kleid schien mich an, der blumige Geruch ihrer
Waerme stand um mich.

"Ich will wirklich singen", sagte sie auf daenisch meine Wange entlang,
"nicht weil sie's verlangen, nicht zum Schein: weil ich jetzt singen
muss." Aus ihren Worten brach dieselbe boese Unduldsamkeit, von welcher
sie mich eben befreit hatte.

Ich folgte langsam der Gruppe, mit der sie sich entfernte. Aber an
einer hohen Tuer blieb ich zurueck und liess die Menschen sich
verschieben und ordnen. Ich lehnte mich an das schwarzspiegelnde
Tuerinnere und wartete. Jemand fragte mich, was sich vorbereite, ob
man singen werde. Ich gab vor, es nicht zu wissen. Waehrend ich log,
sang sie schon.

Ich konnte sie nicht sehen. Es wurde allmaehlich Raum um eines jener
italienischen Lieder, die die Fremden fuer sehr echt halten, weil sie
von so deutlicher UEbereinkunft sind. Sie, die es sang, glaubte nicht
daran. Sie hob es mit Muehe hinauf, sie nahm es viel zu schwer. An
dem Beifall vorne konnte man merken, wann es zu Ende war. Ich war
traurig und beschaemt. Es entstand einige Bewegung, und ich nahm mir
vor, sowie jemand gehen wuerde, mich anzuschliessen.

Aber da wurde es mit einemmal still. Eine Stille ergab sich, die eben
noch niemand fuer moeglich gehalten haette; sie dauerte an, sie spannte
sich, und jetzt erhob sich in ihr die Stimme. (Abelone, dachte ich.
Abelone.) Diesmal war sie stark, voll und doch nicht schwer; aus einem
Stueck, ohne Bruch, ohne Naht. Es war ein unbekanntes deutsches Lied.
Sie sang es merkwuerdig einfach, wie etwas Notwendiges. Sie sang:

"Du, der ichs nicht sage, dass ich bei Nacht
weinend liege,
deren Wesen mich muede macht
wie eine Wiege.
Du, die mir nicht sagt, wenn sie wacht
meinetwillen:
wie, wenn wir diese Pracht
ohne zu stillen
in uns ertruegen?
(kurze Pause und zoegernd):
Sieh dir die Liebenden an,
wenn erst das Bekennen begann,
wie bald sie luegen."



Wieder die Stille. Gott weiss, wer sie machte. Dann ruehrten sich die
Leute, stiessen aneinander, entschuldigten sich, huestelten. Schon
wollten sie in ein allgemeines verwischendes Geraeusch uebergehen, da
brach ploetzlich die Stimme aus, entschlossen, breit und gedraengt:

"Du machst mich allein. Dich einzig kann ich vertauschen. Eine Weile
bist dus, dann wieder ist es das Rauschen, oder es ist ein Duft ohne
Rest.

Ach, in den Armen hab ich sie alle verloren,
du nur, du wirst immer wieder geboren:
weil ich niemals dich anhielt, halt ich dich fest."


Niemand hatte es erwartet. Alle standen gleichsam geduckt unter
dieser Stimme. Und zum Schluss war eine solche Sicherheit in ihr, als
ob sie seit Jahren gewusst haette, dass sie in diesem Augenblick wuerde
einzusetzen haben.

Manchmal frueher fragte ich mich, warum Abelone die Kalorien ihres
grossartigen Gefuehls nicht an Gott wandte. Ich weiss, sie sehnte sich,
ihrer Liebe alles Transitive zu nehmen, aber konnte ihr wahrhaftiges
Herz sich darueber taeuschen, dass Gott nur eine Richtung der Liebe ist,
kein Liebesgegenstand? Wusste sie nicht, dass keine Gegenliebe von ihm
zu fuerchten war? Kannte sie nicht die Zurueckhaltung dieses
ueberlegenen Geliebten, der die Lust ruhig hinausschiebt, um uns,
Langsame, unser ganzes Herz leisten zu lassen? Oder--wollte sie
Christus vermeiden? Fuerchtete sie, halben Wegs von ihm aufgehalten,
an ihm zur Geliebten zu werden? Dachte sie deshalb ungern an Julie
Reventlow?

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